Überholen Facebook-Seiten die klassischen Websites?
Das ist ja fast eine Fortsetzung zum Post “Social Media – so agieren die großen Unternehmen“: Wieder stehen die Social Media und die ganz großen Unternehmen (Fortune 100: die umsatzstärksten Unternehmen in den USA) im Zentrum, doch diesmal klingt das Fazit der Studie etwas provokativer: Facebook-Seiten überholen die klassischen Websites bei den erfolgreichsten Unternehmen.
Bei der Analyse der Besucherzahlen der Websites und der Facebook-Seiten der Unternehmen stellte die Social Media Consulting Agentur Webtrends fest, dass 68% der Websites zwischen August 2010 und Januar 2011 ein negatives Wachstum bei den Besucherzahlen vermelden und im selben Zeitraum verzeichneten 40% der Unternehmen einen Zuwachs der Besuche auf Ihren Facebook-Seiten. Daraus schließen die Analysanden, dass die Besucherströme von den Websites zu den Facebook-Seiten strömen:
Websites that do not engage in e-commerce are losing traffic to their Facebook pages at a startling rate.
Die Schlussfolgerung halte ich für etwas sehr gewagt – und auch nicht für haltbar:
- Hier ohne weitere Stichproben oder Analysen auf einen direkten Zusammenhang zu schließen, erinnert stark an den Zusammenhang zwischen dem Auftreten von Störchen und der Geburtenrate: Je mehr Störche, desto mehr Geburten. Zwei Phänomene, die zeitgleich auftreten, haben nicht unbedingt etwas miteinander zu tun.
- Bei der Ermittlung der Abweichungen wurden die Besucherzahlen vom August 2010 und Januar 2011 notiert, die Differenz ergab dann das Wachstum. Eine kurze Stichprobe mit derselben Quelle (von compete.com) zeigt, wie groß die Schwankungen zwischen den Monaten ist. Wären z.B. die Monate April 2010 und Januar 2011 verglichen worden, wäre man nicht auf einen Rückgang von 12% gekommen, sondern auf einen Anstieg von 54%!
- Bei der Ermittlung der unique visitors auf Facebook hat man auf die Fanzahlen zurückgegriffen. Auf Facebook die Besucherzahlen zu ermitteln, ist nicht unproblematisch.
Und diese beiden Zahlen zu vergleichen ist methodisch noch schwieriger, da die Besuche ja für den Facebook-Nutzer “automatisch” laufen. Er schaut auf seine Pinnwand und hat so als Fan einer Marke, die Facebook-Seite schon “besucht”. Fanzahlen sind im Gegensatz zu Website-Besucherzahlen kurzfristigen Schwankungen kaum unterworfen.
Wie gesagt aus dem vorhandenen Zahlenmaterial gleich den Tod der Website abzuleiten, halte ich für falsch. Was aber auf jeden Fall wichtig bleibt, ist sich zu überlegen, welche grundlegenden Funktionen Website und Facebook-Seite zuzuordnen sind. Und für welchen Fall man auf welches Pferd setzt.




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