Tag Archiv: Qualität

Das maschinenlesbare Zeitungsarchiv als Chance für den Journalismus

Die Zeitungshäuser werden nicht müde, uns mitzuteilen, wie schlecht es ihnen geht. Während Anzeigenerlöse und Abonnentenzahlen sinken, fällt der Fokus der Aufmerksamkeit zunächst auf die Entwicklung neuer Finanzierungskonzepte: Da werden Leser gebeten, Werbung auf der Website zu akzeptieren, Bezahlschranken werden aufgebaut, man experimentiert mit freiwilligen Bezahldiensten und bewirkt für ein Magazin eine community-basierte Vorfinanzierung. Bei aller Beschäftigung mit der Monetarisierung darf eines nicht vergessen werden: Zeitungen und News-Portale leben von ihren Lesern, nicht von ihren Werbepartnern. Leser zahlen für Inhalte, wenn sie relevant und ansprechend aufbereitet sind. Die Aussage „Content is King“ (einst durch die Erstellung von Onlinemedien geprägt) gilt für alle Medien und sollte ein zentrales Leitmotiv der Zeitungshäuser werden. Eine konsequente Rückbesinnung darauf muss aber auch auf technischer Ebene stattfinden.

Technische Möglichkeiten nutzen

Längst haben wir Schreibmaschinen und Papier als starre und lineare Werkzeuge der Texterstellung hinter uns gelassen. Artikel werden heute mit Computern verfasst – höchste Zeit, diese Computer nicht mehr nur als bessere Schreibmaschine zu benutzen. Als News-Profis müssen Zeitungshäuser endlich anfangen, Inhalte nicht mehr nur als Stories zu betrachten, sondern als verknüpfbare Zusammenstellung von Daten. Reine Artikel können bisher nur von Menschen verstanden werden. Die Informationen in den Artikeln sollten mit ihren Beziehungen zueinander in einer Datenbank hinterlegt und somit für Computer besser zugänglich gemacht werden.

Das enorme Wandlungspotential der Nachrichtenproduktion

»So much of what local journalists collect day-to-day is structured information: the type of information that can be sliced-and-diced, in an automated fashion, by computers. Yet the information gets distilled into a big blob of text — a newspaper story — that has no chance of being repurposed.«

Datenzentrierter Nachrichtenansatz

Ein Beispiel: Die Nachricht einer Bürger-Demonstration enthält Informationen über den Austragungsort, Zeitpunkt und Dauer sowie Anzahl der Teilnehmer und deren Beweggründe. Diese Bestandteile der Nachricht können intern als strukturierte, maschinenlesbare Daten abgelegt werden. Der Nutzen eines solchen Nachrichtenarchivs wäre vielfältig:

  • Zukünftige Meldungen beispielsweise über weitere Demonstrationen, können sich auf diese Daten oder Teile davon beziehen.
  • Die Pflege der „harten Fakten“ könnte an zentraler Stelle passieren und damit Zeit und Geld sparen und das Risiko von Übertragungsfehlern eliminieren.
  • Datenbanken können sich durch weitere Quellen erweitern Informationen über Sportergebnisse, Wetter, Filme oder Bücher sind bereits online in strukturierter Form verfügbar.
  • Eine automatische inhaltliche Anpassung für weitere Medien (Mobile, Tablet, Website, Print) würde unterschiedlichen Nutzungsmotiven Rechnung tragen. Leser mit einem Smartphone als Anzeigegerät könnten beispielsweise spontan zu jener Demonstration dazustoßen, oder den verursachten Stau umfahren wollen.
  • Übersetzungen in andere Sprachen können durch das Wiederverwenden von Daten günstiger und schneller durchgeführt werden.
  • Große Datenmengen können von Computern besser und schneller erfasst und ausgewertet werden als von Menschen. Es gibt keinen Grund, warum der professionelle Umgang mit großen Datenmengen einzig dem Data Journalism vorbehalten sein sollte.

Corporate Blogs: Was macht sie erfolgreich?

Eine neue Studie stellt den Sinn des Corporate Blogging in Frage. Die Themen seien langweilig, die Leser interessiert es nicht und Interaktion ist Mangelware. Sind Unternehmensblogs also ein einziger großer Irrtum?

Die Häfte der DAX30-Unternehmen bloggen –  Leserreaktionen sind eher selten

„Content Marketing ist tot“. Mit seiner provokanten These, die Wirtschaftsjournalist und Blogger Jochen Mai als Ergebnis seiner Studie „Corporate Blogs 2014“ präsentierte, stieß er eine angeregte Debatte über Sinn und Unsinn von Unternehmensblogs an. Seine Analyse ergab, dass nur jedes zweite DAX30-Unternehmen einen eigenen Blog betreibt. Zudem stünden alle Betreiber vor dem gleichen Problem: die Interaktion mit den Lesern fehlt. Fast 65 Prozent der untersuchten Blogs erhalten keinerlei Kommentare auf einen Artikel. Der Rest sammelt durchschnittlich zwei Leserreaktionen pro Artikel.
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Dos and Don’ts beim Texten für das Internet

Eigentlich kennen wir sie ja: die Regeln, die beim Texten für das Internet gelten. Und doch bleiben sie in der täglichen Hektik gerne mal auf der Strecke.

Deshalb haben wir die 7 wichtigsten Dos and Don’ts für das Webtexten in Form einer Checkliste zusammengestellt. Einfach herunterladen, ausdrucken und die wichtigsten Empfehlungen für das Texten im Internet immer im Blick haben.

Bilder im Web richtig einsetzen

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte? Nicht immer. Zumindest nicht auf Websites. Jakob Nielsen und Kara Pernice haben mit einer Eye-Tracking Studie belegt, dass Bilder nicht immer ein Mehrwert für Websites sind.

Bad images waste space, are ignored by users, and, even worse, are confusing.

Durchschnittlich schauten die Probanden nicht einmal die Hälfte – 42 Prozent – der Bilder auf den getesteten Websites an. Dabei hängt die Beliebtheit eines Bildes der Studie zufolge stark von Gestaltung, Art und Kontext des Bildes ab.

Größe und Qualität von Bildern

Pixelig, klein und detailliert – ein solches Bild schreckt Besucher ab. Denn auch was Bilder betrifft sind User im Web auf der Suche nach klaren Informationen. Zu kleinteilige, kontrastlose oder zu kleine Bilder werden schlichtweg ignoriert. Das perfekte Webbild ist:

  • groß genug
  • kontrastreich
  • reduziert, fast icon-haft

Leider gehen aus der Studie keine konkreten Maßangaben hervor. Aber die Devise lautet: Verwenden Sie lieber ein großes, aussagekräftiges Bild als viele kleine detaillierte Aufnahmen.

A whiter shade of grey?

Die Frage, ob es auch ein Schwarz-Weiß-Bild sein darf, beantwortet Jakob Nielsen in seiner Studie mit einem „ja“. Allerdings gilt hier: Verzichten Sie auf Graustufen, entscheiden Sie sich besser für ein Schwarz-Weiß-Bild mit klaren Kontrasten.

Déjà vu: Das Problem mit Stock-Bildern

Kennen Sie die lächelnde Dame mit dem Headset? Oder den Herren mit dem Koffer am Flughafen? Auf Stock-Art Datenbanken finden sich Bilder, die sich vermeintlich auf jeder Website einsetzen lassen. Die Bilder sind allerdings so wenig originell, dass sie in 85 Prozent der Fälle überhaupt nicht betrachtet wurden. Ein einprägsames, originelles Bild, das eindeutigen Bezug zum Seitencontent hat, leistet Ihnen weitaus bessere Dienste.

Das Zusammenspiel von Text und Bild

Denn der Inhalt Ihrer Seite ist immer ein Gesamtkonzept. Die Nielsen Studie ergab, dass für die Betrachtung eines Bildes, wenn es keinen Bezug zum Text hat, nur 14 Prozent der Besuchszeit verwendet wird. Hat das Bild einen klaren Bezug zum Text, betrachteten die Probanden die Bilder doppelt so lange: 29 Prozent der Besuchszeit entfallen auf die Betrachtung des Bildes. Ein Bild kann also mehr sagen, als tausend Worte, es muss jedoch richtig eingesetzt werden.

 

Mit besseren Shoptexten Retourenquote senken

Im Internet wird viel eingekauft, aber auch viel zurückgeschickt. Jeder dritte Online-Einkäufer sendet seine im Netz gekauften Waren zurück. Das berichtet internetworld und beruft sich dabei auf eine Studie von novomind. Eine hohe Retourequote ist schlecht für die Kundenzufriedenheit und es entstehen hohe Kosten für die Shopbetreiber. Aber warum möchten Online-Shopper ihre gekauften Waren nicht behalten? Sicher, in einigen Fällen sind die Produkte nicht einwandfrei. Häufig entsprechen aber die Beschreibungen nicht der Realität, sind zu kurz, schlecht lesbar und vermitteln alles in allem ein unvollständiges oder falsches Bild des Produktes.

5 Tipps für bessere Shoptexte

  1. Schreiben Sie verständlich –  nutzen Sie eine verständliche Sprache, kurze Sätze, einfache Wörter und  Textstrukturen. So wird jeder Käufer erst verstehen und dann kaufen.
  2. Machen Sie konkrete Aussagen in Produkttexten und formulieren Sie Produkteigenschaften als Kundennutzen, ohne zu übertreiben.
  3. Legen Sie Wert auf eine zielgruppenorientierte Darstellung und Vermittlung der Inhalte – das überzeugt und räumt Zweifel aus.
  4. Versehen Sie Bilder mit einem ergänzenden Text, um die nicht sichtbaren Inhalte zu erläutern.
  5. SEO hin und Conversion her – bleiben Sie bei den Tatsachen.

 

Qualitätssüßspeisen

Stephan Schillerwein hat in seinem Blog-Beitrag „Keine Diskussionen mehr um die Qualität von Content“ meine Vorliebe für Stephan Russ-Mohls Satz vom Pudding an der Wand geoutet. Und natürlich kommt ein negativer Kommentar:

„Aber immer, wenn einer keine Lust hat, sich dem Thema Qualität im Journalismus zu stellen, dann zitiert er den Ur-alt-Satz von Stephan Ruß-Mohl, der ihn schon damals anders gemeint hat“ (anonym)

Da ich sehr wohl Lust habe, mich dem Thema Qualität im Journalismus zu stellen und mich zumindest mit der Frage der Qualität für Online-Texte oder der Qualitätssicherung in Online-Redaktionen täglich auseinandersetze, hier ein sehr kurzer Abriss meiner Eckpunkte in Sachen Qualität.
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Qualitätsdiskussion

Ich hätte große Lust am 8. Oktober meinen Koffer nach Berlin zu tragen und am Herbstforum der Initiative Qualität teilzunehmen. Das Thema klingt vielversprechend: Es sollen die unterschiedlichen Formen der Publikumsbeteiligung bei Printmedien, Hörfunkt und Fernsehen – vor allem aber bei Online-Medien und der Umgang mit den Lesern thematisiert und erörtert werden. Vor allem Stephan Ruß-Mohl würde ich sehr gerne hören.

Doch in diesen Tagen bin ich in Leipzig auf den contentmanager.days – die dieses Jahr unter dem Motto “Metamorphose” stehen. Die neuesten Entwicklungen und Veränderungen im Bereich unternehmensweites Informationsmanagement werden hier in zahlreichen Vorträgen Sessions und Keynotes diskutiert. Mich reizt besonders der Praxisbezug und die Erfahrungsberichte der Fachleute. Den Workshop “Verbesserungspotentiale der Online-Redaktion” werde ich moderieren.

Leipzig ist mir wichtiger – ich hoffe aber zumindest die Ergebnisse von Berlin nachlesen zu können.

„Quality rumours“

Das menschliche Gedächtnis ist kein verlässlicher Wissensspeicher für Qualitätsstandards. Auf Stilbücher sollten Sie nicht verzichten.

Eine Szene aus einem Online-Redaktionsbüro
:

Der neue Kollege:  ”Sagt mal, habt ihr festgelegt, wie ihr Zahlen schreibt?”

Kollege B. starrt auf den Bildschirm, schweigt und denkt: “Weiß doch jeder. Aber stimmt, hatten wir da nicht irgendwann mal was besprochen?”

Kollegin K: “Klar, auf einer Redaktionskonferenz haben wir uns geeinigt, Zahlen bis 12 auszuschreiben, für größere verwenden wir dann Ziffern.”

Der neue Kollege: “Ja, so habe ich es gemacht. Aber Kollege S hatte es mir angestrichen.”

Kollege S (kommt ins Büro, hat das Gespräch gehört): “Nein, nein wir haben hier im Büro mal darüber gesprochen. Und wir schreiben auch kleinere Zahlen als Ziffern, wenn wir es exakt meinen.”
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Über kurz oder lang

Cut, cut, cut!”. Das ist kein Satz vom Filmset, sondern die allgemeine Anweisung für das Überarbeiten von Web-Texten. “Keep it short”- also “fasse dich kurz” –  ist der wohl weit verbreitetste Ratschlag im Internet. Auch ich habe ihn in meinem Buch “Texten für das Internet” gegeben. Von diesem Chor übereinstimmender Stimmen hebt sich Amber Simmons Artikel “Reviving Anorexic Webwriting” ab, in dem sie den Aufruf zum “magersüchtigen” Schreiben im Netz in Frage stellt.
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„Ihr Online-Text hat die Note 2,5…“

Weblesbarkeitsindex soll Qualität von Online-Texten meßbar machen.
… Sie können ihn verbessern, wenn Sie mehr Zwischenüberschriften einbauen. Schauen Sie sich auch Ihre Wortwahl noch einmal an.”

Nein, das sind nicht die Anmerkungen Ihres Dozenten im Seminar “Schreiben für das Internet”. Solche und ähnliche Sätze lesen Sie, wenn Sie Ihren Text in einen Editor eingegeben, der die Lesbarkeit von Online-Texte bewerten kann.
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