Tag Archiv: Qualität

Qualitätssüßspeisen

Stephan Schillerwein hat in seinem Blog-Beitrag “Keine Diskussionen mehr um die Qualität von Content” meine Vorliebe für Stephan Russ-Mohls Satz vom Pudding an der Wand geoutet. Und natürlich kommt ein negativer Kommentar:

“Aber immer, wenn einer keine Lust hat, sich dem Thema Qualität im Journalismus zu stellen, dann zitiert er den Ur-alt-Satz von Stephan Ruß-Mohl, der ihn schon damals anders gemeint hat” (anonym)

Da ich sehr wohl Lust habe, mich dem Thema Qualität im Journalismus zu stellen und mich zumindest mit der Frage der Qualität für Online-Texte oder der Qualitätssicherung in Online-Redaktionen täglich auseinandersetze, hier ein sehr kurzer Abriss meiner Eckpunkte in Sachen Qualität.
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Qualitätsdiskussion

Ich hätte große Lust am 8. Oktober meinen Koffer nach Berlin zu tragen und am Herbstforum der Initiative Qualität teilzunehmen. Das Thema klingt vielversprechend: Es sollen die unterschiedlichen Formen der Publikumsbeteiligung bei Printmedien, Hörfunkt und Fernsehen – vor allem aber bei Online-Medien und der Umgang mit den Lesern thematisiert und erörtert werden. Vor allem Stephan Ruß-Mohl würde ich sehr gerne hören.

Doch in diesen Tagen bin ich in Leipzig auf den contentmanager.days – die dieses Jahr unter dem Motto “Metamorphose” stehen. Die neuesten Entwicklungen und Veränderungen im Bereich unternehmensweites Informationsmanagement werden hier in zahlreichen Vorträgen Sessions und Keynotes diskutiert. Mich reizt besonders der Praxisbezug und die Erfahrungsberichte der Fachleute. Den Workshop “Verbesserungspotentiale der Online-Redaktion” werde ich moderieren.

Leipzig ist mir wichtiger – ich hoffe aber zumindest die Ergebnisse von Berlin nachlesen zu können.

“Quality rumours”

Das menschliche Gedächtnis ist kein verlässlicher Wissensspeicher für Qualitätsstandards. Auf Stilbücher sollten Sie nicht verzichten.

Eine Szene aus einem Online-Redaktionsbüro
:

Der neue Kollege:  ”Sagt mal, habt ihr festgelegt, wie ihr Zahlen schreibt?”

Kollege B. starrt auf den Bildschirm, schweigt und denkt: “Weiß doch jeder. Aber stimmt, hatten wir da nicht irgendwann mal was besprochen?”

Kollegin K: “Klar, auf einer Redaktionskonferenz haben wir uns geeinigt, Zahlen bis 12 auszuschreiben, für größere verwenden wir dann Ziffern.”

Der neue Kollege: “Ja, so habe ich es gemacht. Aber Kollege S hatte es mir angestrichen.”

Kollege S (kommt ins Büro, hat das Gespräch gehört): “Nein, nein wir haben hier im Büro mal darüber gesprochen. Und wir schreiben auch kleinere Zahlen als Ziffern, wenn wir es exakt meinen.”
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Über kurz oder lang

Cut, cut, cut!”. Das ist kein Satz vom Filmset, sondern die allgemeine Anweisung für das Überarbeiten von Web-Texten. “Keep it short”- also “fasse dich kurz” –  ist der wohl weit verbreitetste Ratschlag im Internet. Auch ich habe ihn in meinem Buch “Texten für das Internet” gegeben. Von diesem Chor übereinstimmender Stimmen hebt sich Amber Simmons Artikel “Reviving Anorexic Webwriting” ab, in dem sie den Aufruf zum “magersüchtigen” Schreiben im Netz in Frage stellt.
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“Ihr Online-Text hat die Note 2,5…”

Weblesbarkeitsindex soll Qualität von Online-Texten meßbar machen.
… Sie können ihn verbessern, wenn Sie mehr Zwischenüberschriften einbauen. Schauen Sie sich auch Ihre Wortwahl noch einmal an.”

Nein, das sind nicht die Anmerkungen Ihres Dozenten im Seminar “Schreiben für das Internet”. Solche und ähnliche Sätze lesen Sie, wenn Sie Ihren Text in einen Editor eingegeben, der die Lesbarkeit von Online-Texte bewerten kann.
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