Tag Archiv: Online-Journalismus

Online-Redakteure – keine Fließbandarbeiter

Die Arbeit in einer Online-Redaktion hat in manchen Journalistenkreisen keinen besonders guten Ruf. Zu schnell, zu hektisch, um wirklich guten Journalismus zu machen – so lauten manche Vorwürfe. Nicht selten wird dem “guten Handwerk” des Printjournalismus die Fließband-Mentalität im Online-Bereich als Kontrast entgegengestellt. Davon  hebt sich die Begeisterung von Domenika Ahlrichs wohltuend ab.

Die Chefredakteurin der Netzeitung ist passonierte Online-Redakteurin und weist in einem Interview mit Ursula Pidun von Spreerauschen.net darauf hin, dass im Online-Journalismus zwar eine kleinere Taktung den Arbeitstag bestimme. So dreht sich das journalistische Arbeitsrad von sichten, recherchieren, schreiben und veröffentlichen schneller – mit Fließbandarbeit habe das nichts zu tun:

Die Analogie zum Fließband hinkt insofern, als Mitarbeiter einer Online-Redaktion nicht wie bei einer solchen Produktionsart üblich nur einen kleinen Teil eines Produkts hinzufügen. Vielmehr erstellt ein Online-Redakteur ein komplettes und komplexes Produkt jeweils selbst – und muss sich dabei auf immer neue Fakten, Entwicklungen, Erkenntnisse einstellen.

Ironie des Schicksals:  Die Netzeitung wird seit Anfang des Jahres auf seine Redakteure verzichten: Alle Redakteure der Netzzeitung sind entlassen und -  die Website wird als automatisiertes Nachrichtenportal weitergeführt. Also doch Fließband.

http://de.wikipedia.org/wiki/Domenika_Ahlrichs

Eine für Alles

Wie crossmediale Redaktionen in Deutschland arbeiten, zeigt ein interessantes Web-Dossier von Studierenden des Studiengangs Online-Journalismus in Darmstadt.

Klaus Meier hat recht. Das Thema ist trendy – mit den Schlagworten newsroom und crossmedial lockt man viele hinter dem Ofen hervor. Mich natürlich auch, denn an den Aussagen zum Selbstverständnis, zur Organisation und zu den Arbeitsabläufen prominenter Online-Redaktionen bin ich immer interessiert. Und zur Zeit heißt crossmedial eben online first – wie das Beispiel “Handelsblatt” zeigt.  Das umfangreiche Dossier “Crossmediale Redaktionen in Deutschland” mit Texten, Interviews, Bildfolgen und Videos haben unter der Leitung von Klaus Meier zukünftige Online-Journalisten in Zusammenarbeit mit ifra und cci europe zusammengestellt.

Ein Interview mit Gabriele Hooffacker zum Thema Online-Journalismus

Der Inhalt im Schnelldurchgang:

  • Online-Journalismus ist ein Handwerk mit medienspezifischen Regeln
  • einem Online-Journalisten stehen mehrere journalistische Darstellungsformen zur Verfügung
  • lieber schnell als gut ist nicht gut – Online-Redaktionen haben einen eigenen Arbeitsrhythmus
  • Trend: Mehrfachnutzung
  • Bloggen ist eine gute Fingerübung für Journalistenlehrlinge

Das gesamte Interview, das Stefan Gottwald mit der Leiterin der „Journalistenakademie Dr. Hooffacker & Partner“ geführt hat, finden Sie auf der Web-Site des Fachbereichs Medien der Hochschule Mittweida (FH).