Tag Archiv: Online-Journalismus

Chefredakteure erwarten mehr Online-Kompetenz

Die Online-Berichterstattung gewinnt in den Fachmedien deutlich an Bedeutung. Das zeigt ein Vergleich zweier Chefredakteursumfragen, die die Kommission Redaktion der deutschen Fachpresse in den Jahren 2007 und 2011 durchgeführt hat.  Die Chefredakteure wurden darin befragt, welche Aufgaben sie haben. Dabei stieg die “Berichterstattung für das Online-Portal” von Platz 11 (2007) auf Platz 6.

Die wichtigsten Aufgaben der Chefredakteure bleiben das Redigieren, Akquirieren, Recherchieren und Schreiben von Beiträgen. Allerdings hat sich das Repräsentieren auf Messen in diesem Jahr zwischen die journalistischen Kernkompetenzen geschoben. Auch neue Geschäftsfelder werden erschlossen: 63% der befragten Chefredakteure sind davon überzeugt, dass die Konzeption und die Präsenz in sozialen Netzwerken ihre Arbeit künftig stärker beeinflussen werden.

Die Chefredakteure wurden auch nach den Kompetenzen befragt, die sie von ihren Mitarbeitern erwarten. Im journalistischen Feld hat das Online-Texten in den letzten Jahren den größten Sprung nach vorne gemacht und ist von Platz 10 auf Platz 5 aufgestiegen. Mit steigender Tendenz, davon sind 63% der Befragten überzeugt.

Online-Redakteure – keine Fließbandarbeiter

Die Arbeit in einer Online-Redaktion hat in manchen Journalistenkreisen keinen besonders guten Ruf. Zu schnell, zu hektisch, um wirklich guten Journalismus zu machen – so lauten manche Vorwürfe. Nicht selten wird dem “guten Handwerk” des Printjournalismus die Fließband-Mentalität im Online-Bereich als Kontrast entgegengestellt. Davon  hebt sich die Begeisterung von Domenika Ahlrichs wohltuend ab.

Die Chefredakteurin der Netzeitung ist passonierte Online-Redakteurin und weist in einem Interview mit Ursula Pidun von Spreerauschen.net darauf hin, dass im Online-Journalismus zwar eine kleinere Taktung den Arbeitstag bestimme. So dreht sich das journalistische Arbeitsrad von sichten, recherchieren, schreiben und veröffentlichen schneller – mit Fließbandarbeit habe das nichts zu tun:

Die Analogie zum Fließband hinkt insofern, als Mitarbeiter einer Online-Redaktion nicht wie bei einer solchen Produktionsart üblich nur einen kleinen Teil eines Produkts hinzufügen. Vielmehr erstellt ein Online-Redakteur ein komplettes und komplexes Produkt jeweils selbst – und muss sich dabei auf immer neue Fakten, Entwicklungen, Erkenntnisse einstellen.

Ironie des Schicksals:  Die Netzeitung wird seit Anfang des Jahres auf seine Redakteure verzichten: Alle Redakteure der Netzzeitung sind entlassen und -  die Website wird als automatisiertes Nachrichtenportal weitergeführt. Also doch Fließband.

http://de.wikipedia.org/wiki/Domenika_Ahlrichs

Eine für Alles

Wie crossmediale Redaktionen in Deutschland arbeiten, zeigt ein interessantes Web-Dossier von Studierenden des Studiengangs Online-Journalismus in Darmstadt.

Klaus Meier hat recht. Das Thema ist trendy – mit den Schlagworten newsroom und crossmedial lockt man viele hinter dem Ofen hervor. Mich natürlich auch, denn an den Aussagen zum Selbstverständnis, zur Organisation und zu den Arbeitsabläufen prominenter Online-Redaktionen bin ich immer interessiert. Und zur Zeit heißt crossmedial eben online first – wie das Beispiel “Handelsblatt” zeigt.  Das umfangreiche Dossier “Crossmediale Redaktionen in Deutschland” mit Texten, Interviews, Bildfolgen und Videos haben unter der Leitung von Klaus Meier zukünftige Online-Journalisten in Zusammenarbeit mit ifra und cci europe zusammengestellt.

Ein Interview mit Gabriele Hooffacker zum Thema Online-Journalismus

Der Inhalt im Schnelldurchgang:

  • Online-Journalismus ist ein Handwerk mit medienspezifischen Regeln
  • einem Online-Journalisten stehen mehrere journalistische Darstellungsformen zur Verfügung
  • lieber schnell als gut ist nicht gut – Online-Redaktionen haben einen eigenen Arbeitsrhythmus
  • Trend: Mehrfachnutzung
  • Bloggen ist eine gute Fingerübung für Journalistenlehrlinge

Das gesamte Interview, das Stefan Gottwald mit der Leiterin der „Journalistenakademie Dr. Hooffacker & Partner“ geführt hat, finden Sie auf der Web-Site des Fachbereichs Medien der Hochschule Mittweida (FH).