Über die Augen in den Sinn

Inhalte in visualisierter Form erleichtern Usern das Erinnern von Informationen. Das zeigt eine Untersuchung der EyeTrack07 Studie von Poynter-Online.

Wie ein Online-Text aussehen sollte, damit er gelesen wird, ist eine zentrale Frage meiner Arbeit. Doch natürlich ist das Lesen kein Selbstzweck, die Informationen sollen auch beim Leser ankommen. Das bedeutet in erster Linie: Verstehen und Erinnern. Welchen Einfluss die Form, in der die Inhalte präsentiert werden, auf deren Verankerung im Gedächtnis hat, zeigt ein Test der EyeTrack07-Studie:

Den Usern wurden Informationen über die Vogelgrippe in drei Versionen vorgelegt:

Protoyp1: konventionell mit Überschrift, narrativem Text und Bild

Prototyp2: narrativer Text, bei dem ein Teil der Informationen in einer Karte und einem Kasten dargestellt waren

Prototyp3: stark visualisierte Aufbereitung der Informationen, kein traditioneller Text, sondern Karten, Fragen und Antworten, nummerierte Aufzählungen und Grafiken.

Die drei Versionen lagen als Zeitung und als Web-Site vor. Jeder User hat nur eine Version gesehen und anschließend 9 Fragen zum Thema beantwortet. Am besten schnitten die User ab, die den dritten Protoypen gesehen haben. Von ihnen beantworteten 46% mindestens 7 Fragen richtig, bei Typ 2 waren es nur 28%, bei Typ 1 26%. Von den 10 Usern, die alle Fragen richtig beantwortet haben, hatten alle – bis auf einen – den 3. Typen gelesen. Anschließende Einschätzungen der User, die einen Anhaltspunkt dafür geben sollten, wie sehr das Interesse für das Thema bei ihnen geweckt wurde, unterstreichen noch die Überlegenheit der grafischen Aufbereitung.

Fast zwangsläufig kommt natürlich der Einschub, dass die Zeitungsleser generell besser abschnitten als die Leser, denen die Informationen online vorlag. Ganz gleich, wie die Informationen aufbereitet waren. Papierseiten umlättern lenkt offenbar weniger ab, als auf dem Bildschirm herumklicken.

Um so mehr überrascht es mich, dass auch online die dritte Version so überlegen war, denn gerade hier mussten die User häufiger klicken und liefen somit eher Gefahr, sich nicht mehr zurecht zu finden. Auch glaubte ich, dass die Vertrautheit mit herkömmlichen Darstellungsformen den Usern eher den Freiraum ließen, sich auf die Informationen zu konzentrieren. Aber es scheint, dass wir alle doch Augenmenschen sind. Vielleicht hängt es auch mit den unterschiedlichen Arbeitweisen der Gehirnhälften zusammen.
Die Ergebnisse liefern also ein neues Argument für ein Plädoyer für einen kreativen Umgang beim Veröffentlichen von Informationen. Es gilt: aufteilen und anschaulich machen. Informationsvisualisierung steht nicht ohne Grund hoch im Kurs.

Doch bevor die Skeptiker Sturm laufen: Ich halte es nicht für richtig, alles in kleinste Happen aufzuteilen, mit bunten Bildchen zu verzieren oder mit unverständlichen Grafiken und Tabellen zu überschwemmen und darüber den Text zu vernachlässigen.
Erstens braucht eine solche Präsentation eine besondere Planung, die viel aufwändiger ist als herkömmliche Darstellungsformen, sonst bringt sie keinen Mehrwert.
Zweitens kann man aus den Ergebnissen des Experiments nicht zwangsläufig ableiten, dass die Texte an Bedeutung verlieren, sondern eher, dass über alternative Textsorten nachgedacht werden muss.
Und drittens gelten die Ergebnisse nicht pauschal für alle Inhalte. Diese alternativen Formen eignen sich vor allem für faktenreiche Geschichten und helfen Zahlen, Daten und Aufzählungen übersichtlich zu machen. Für andere Informationsarten sind sie oft weniger geeignet, wie Sarah Quinn vom Poynter Institute in einem Interview betont. Ihrem Fazit: “Use the right tools for the right story” kann ich mich nur anschließen.

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Ein Kommentar zu “Über die Augen in den Sinn”

  1. Eyetracking-Selbstversuch  on August 29th, 2008

    […] Wohin schaut der User, wenn er eine Web-Site besucht? Wer die Antwort auf diese Frage kennt, ist bei Fragen der Usability im Vorteil. Eyetrack-Studien kommen oft zu verblüffenden Ergebnissen und liefern wertvolle Informationen. Über ein interessantes Beispiel habe ich in diesem Blog schon berichtet. […]


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