Tacheles schreiben

Die Web-Site des Österreichischen Jüdischen Museums bietet ihre Artikel in „leichter Sprache“ an.

Schreiben Sie „leichte Sprache“? Dazu müssen Sie keine Fremdsprache lernen, sondern nur ein paar Kriterien berücksichtigen. Sie wurden im Rahmen der Forderungen nach „Barrierefreiheit“ oder „Internet für alle“ entwickelt. Das Ziel dabei war, eine Schreibweise zu entwickeln, die möglichst unterschiedliche Menschen ohne Schwierigkeiten verstehen.

Was diese „leichte Sprache“ genau ist und wie sie sich von … schwerer Sprache? Schriftsprache? unverständlicher Sprache? unterscheidet, lässt sich am Beispiel des Österreichischen Jüdischen Museums gut illustrieren. Es bietet auf seiner Web-Site seine Inhalte in „leichter Sprache“ und in „Nicht-leichter Sprache“ (eine sehr charmante Lösung des Problems, wie ich finde) an. Mit einem Klick kann der User hin und her schalten.

Hier die Seite über die Synagoge in „Nicht-leichter“ Sprache

synagogenicht.jpg

Hier dieselbe Seite in „leichter Sprache“:
synagogeleichte.jpg 

Aha, es geht nicht nur um Sprache, sondern auch um den Aufbau der Seite. Auch im Original sind Schriftgröße und Textdichte unterschiedlich. In der nicht-leichten Version bekomme ich alle Informationen auf einen Blick, muss aber selbst ziemlich genau hinschauen.

In der einfachen Version, wird meine Grundfrage „Was finde ich auf dieser Seite?“ sofort und direkt beantwortet. Mit einem Klick komme ich zu dem Seitenbereich, der mich interessiert. Zwar muss ich jetzt im Gegensatz zur ersten Seite scrollen, aber das macht nichts, weil ich weiß, was mich erwartet.
Hier zwei kurze Texte im Vergleich:

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Der zweite Text ist kürzer und prägnanter, einige Informationen, vor allem aber schwierige Wörter fehlen. Der erste Text ist natürlich auch kein schwer verständliches Kauderwelsch mit langen Bandwurmsätzen und unverständlichen Aussagen, ihm ist der sorgfältige Umgang der Autoren mit Sprache sehr anzumerken. Deswegen sind die Unterschiede jetzt auch nicht so eklatant, wie sie durchaus sein könnten.
Die leichte Sprache ist sehr am Dialog ausgerichtet. Nicht nur, dass mögliche Fragen beim Textaufbau berücksichtigt werden, wie das bei der Orientierung an den 7 Ws geschieht. Der Text beantwortet die Fragen nicht nur, sondern stellt sie, damit werden sie zu einem Teil des Textes. Der imaginierte User bekommt dadurch eine eigene Stimme. Ein interessanter Aspekt, den man durchaus öfter und gezielter in Texten einsetzen kann.
Das offensichtliche bei der „leichten Sprache“ ist jedoch, dass sie unverblümt und ohne Umwege sofort zum Kern der Dinge vorstößt. Dabei kann man sich nicht hinter den Texten verstecken, denn man muss schon Tacheles schreiben.

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2 Kommentare zu “Tacheles schreiben”

  1. Die wichtigsten Tipps für einen guten Online-Text | text-gold.de  on Juli 27th, 2009

    […] Tacheles schreiben […]

  2. Die Grenzen der Verständlichkeit? | text-gold.de  on Juli 20th, 2015

    […] man sich das Paradebeispiel verständlicher Texte an: Texte, die in leichter Sprache verfasst sind, dann wird dieser Umstand besonders deutlich. Die „leichte Sprache“ […]


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