Suchmaschinenoptimierung von journalistischen Texten
Wie viel SEO verträgt ein journalistischer Text? Geht Suchmaschinenoptimierung auf Kosten von Abwechslung, Kreativität und stilistischer Qualität?
Zugegeben, die Diskussion über Suchmaschinenoptimierung im Journalismus ist nicht gerade neu. Im Juni 2008 veröffentlichte horizont.net einen Artikel, in dem Sueddeutsche.de-Chef Hans-Jürgen Jakobs eine SEO-Konvention gegen „Manipulationen“ fordert. Er bezeichnete „exzessive SEO“ als „journalistische Wettbewerbsverzerrung“.
Damals erschien auch auf text-gold ein Beitrag zum Thema. Die Kernaussage: Sueddeutsche.de hinkt bei der Suchmaschinenoptimierung hinter ihrer Konkurrenz, allen voran Welt Online, hinterher. Von Manipulationen könne bei suchmaschinenoptimierten Medien-Websites dagegen keine Rede sein. Eine Meinung, die von anderen Bloggern geteilt wurde.
Doch ist die Lösung so einfach? Ich beschäftige mich mit dem Thema derzeit intensiv, weil wir bei unserer Monatszeitung GOOD NEWS – Gute Nachrichten aus Stuttgart genau vor der Frage stehen, wie viel Suchmaschinenoptimierung bei journalistischen Texten sinnvoll ist.
Ich bin keineswegs der Meinung, dass es verwerflich ist, einen Artikel für den Leser im Netz besser auffindbar zu machen. Im Gegenteil: Verlinkungen, Zwischenüberschriften und das Bestimmen geeigneter Schlüsselbegriffe gehören zum Handwerkszeug eines Online-Redakteurs. Und auch die technischen Rahmenbedingungen müssen stimmen – Stichwort “sprechende URLs”.
Andererseits lebt der Journalismus – und das unterscheidet Medien-Websites gravierend von Unternehmenswebsites – von der stilistischen Vielfalt der Texte sowie von unterschiedlichsten Darstellungsformen.
Folgt man den Google-Prinzipien, kommt als suchmaschinengeeignete Darstellungsform am ehesten eine Meldung in Frage, die am Anfang des Textes klipp und klar den Inhalt des Textes wiedergibt und dabei die Keywords ins Spiel bringt.
Doch was ist mit einer ausführlichen Reportage – womöglich noch mit einem szenischen Einstieg? Sind solche Darstellungsformen schlichtweg nicht für das Web geeignet und von nun an – da sie nur in Printmedien erscheinen können – dem Tode geweiht? Müssen wir mit einem „Einheitsbrei“ journalistischer Texte leben, die alle nach demselben Muster gestrickt sind?
Ein Kommentar zu “Suchmaschinenoptimierung von journalistischen Texten”
Kommentare


















Heike Stopp on März 20th, 2009
Ich glaube, es ist sehr schwierig, journalistische Texte und SEO unter einen Hut zu bringen. Strenge Keyword-Vorgaben verbiegen oft Stil und Ausdruck. Bei journalistischen Texten stehen eine fundierte Recherche und ein hoher Informationsgehalt im Vordergrund. Beiträge werden sachlich-rational verfasst. Ein hohe Keyword-Dichte wirkt sich ungünstig auf die Lesbarkeit aus. Etwas Abhilfe bieten hier semantische Aspekte, Wortfamilien und Key-Abwandlungen (Fälle, Mehrzahl). Pressetexte bleiben eine besondere Herausforderung in Bezug auf SEO.