Qualitätssüßspeisen
Stephan Schillerwein hat in seinem Blog-Beitrag “Keine Diskussionen mehr um die Qualität von Content” meine Vorliebe für Stephan Russ-Mohls Satz vom Pudding an der Wand geoutet. Und natürlich kommt ein negativer Kommentar:
“Aber immer, wenn einer keine Lust hat, sich dem Thema Qualität im Journalismus zu stellen, dann zitiert er den Ur-alt-Satz von Stephan Ruß-Mohl, der ihn schon damals anders gemeint hat” (anonym)
Da ich sehr wohl Lust habe, mich dem Thema Qualität im Journalismus zu stellen und mich zumindest mit der Frage der Qualität für Online-Texte oder der Qualitätssicherung in Online-Redaktionen täglich auseinandersetze, hier ein sehr kurzer Abriss meiner Eckpunkte in Sachen Qualität.
Angelehnt an Günter Rager die 4 Dimensonen von Qualität:
1. Relevanz: Inwiefern vermittle ich Informationen, die für meinen Leser relevant sind?
2. Aktualität: Wie schnell will ich sein? Was passiert mit überholten Informationen?
3. Richtigkeit: gute Recherche, eindeutige Reviewprozesse und professioneller Umgang mit Fehlern.
4. Vermittlung: Hier geht es darum, eine Beziehung zum User aufzubauen und sein Interesse zu wecken.
Und dazu meine 5. Dimension: Glaubwürdigkeit – das Hauptproblem im Netz.
Und keine Redaktion kann in allen Bereichen top sein, weil es sich in Teilen einfach ausschließt. Wer großen Wert auf Richtigkeit der Informationen legt, wird nicht minutengenau reagieren können. Und in der Praxis kommt das Erarbeiten und Austarieren verschiedener Qualiätskriterien dem Puddingnageln schon sehr nahe – deswegen habe ich den Satz auch so häufig auf den Lippen.
Tatsächlich hat sich Stephan Ruß-Mohl von seinem sich von seinem Puddingsatz distanziert und erklärt,
“(…) daß sich journalistische Qualitätskriterien im Gegensatz zu Wackelpeter eben doch „festpinnen“ und damit überprüfen lassen. Man braucht dazu allerdings eine Menge Hirnschmalz als „Klebstoff“.”
Und hier steigt er aus der Diskussion um die Definition der Qualität aus – in diesem Zusammenhang war der Originalsatz gefallen – und in die Welt der Mesbarkeit ein. Genau an dieser Stelle setzt der Weblesbarkeitsindex an.
2 Kommentare zu “Qualitätssüßspeisen”
Kommentare


















Stephan Schillerwein on Februar 13th, 2008
…auch ich finde den Satz klasse, weil er eben diese von Dir hier beschriebene Zwickmühle so schön und anschaulich wiedergibt. Und es ist ja auch für jeden nachvollziehbar, dass man einen Pudding doch an die Wand nageln kann, wenn man nur die Festigkeit entsprechend erhöht (essen wollte man ihn dann zwar nicht mehr…
) und ausreichend viele Nägel verwendet.
Auch das reflektiert wunderbar die Praxis, in der meist leider nicht ausreichend Zeit, Ressourcen und Mühe auf den Pudding, sprich die redaktionelle Qualität des Contents verwendet werden.
Das Internet-Manifest - Diskussionsprotokoll der aexea-Redaktion | text-gold.de on September 7th, 2009
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