Bilder(strecken)sturm

Bilderstrecken sind in Verruf gekommen. Doch gut gemacht, sind sie immer noch eine online-journalistische Darstellungsform erster Wahl.

“Hypertext” und “Multimedialität” waren zu Beginn des WWW die wichtigsten Wörter zur Beschreibung des Netzes. Doch nach der Anfangsbegeisterung über die vielen bunten Bildchen folgte eine Phase der textlastigen Ernüchterung. Sehr oft wurde beklagt, dass sich keine neuen journalistischen Darstellungsformen durchgesetzt hätten, die die Möglichkeiten des WWW voll nutzten. Und irgendwann kamen die Bildstrecken – endlich eine journalistische Darstellungsform, die keine echte Entsprechung in Zeitungen oder Magazinen hatte .

Tja und jetzt werden sie durch den Kakao gezogen – wie etwa beim Bildergalerien-Bingo von Stefan Niggemeier. Angestoßen wurde diese Hatz wohl von Thomas Mrazek, der in seinem Artikel “Qualitätsjournalismus nach sueddeutsche.de-Art” den “inflationären Einsatz von klickträchtigen und nicht selten schwachsinningen Bildergalerien” anprangert. Ganz neu ist das nicht, denn schon 2004 beschreibt Roman Mischel den Einsatz von “Slideshows” in seiner Guided Tour “Neue Formate durch Multimedia ” so:

“Auf fast jeder Nachrichten-Site werden solche Bildergalerien gern eingesetzt, um die Page-Impressions zu erhöhen. Jeder Klick wird mit einer Page-Impression belohnt, der in die IVW-Zählung einfließt und die Werbeattraktivität eines Angebots erhöht. Gut gemachte Slideshows können also richtige Klickmaschinen sein. Um den Reiz zum Weiterschauen zu steigern, sollte der Redakteur die Bilder nicht lieblos aneinander reihen, sondern sich vorher Gedanken um ein Storyboard machen.”

Im letzten Satz liegt der Hase im Pfeffer: Eine gute Bildstrecke braucht ein Storyboard – einen dramaturgischen Ablaufplan. Man kann sogar sagen, eine Bildstrecke kann ein fotografiertes Storyboard sein – das keinen Film mehr braucht. Das Beispiel “Burma Grace under pressure” von Geoffrey Hiller zeigt, welches Potential in sorgfältig fotografierten und arrangierten Bildstrecken liegt. Sie können Aussagen transportieren, die mit Text oft nur sehr umständlich auszudrücken sind und eine Atmosphäre schaffen, für die die schnellen Bilder der Videos kaum Raum bieten.

Was Mrazek angreift sind keine Bildstrecken, sondern illustrierte Listen. Listen sind zwar modern, aber auf die Dauer langweilig. Gute Geschichten nicht.

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