Auf die Spitze getrieben (Teil 3)

Das Prinzip der „umgekehrten Pyramide“ passt sehr gut ins Web und bietet sich für Online-Texte an.

Die „umgekehrte Pyramide“ ist – wie ich in Teil 2 dieser kleinen Folge dargelegt habe – schon ziemlich alt: Sie ist seit dem 19. Jahrhundert in den Zeitungen zu finden, ist über die Radio-Nachrichten ins Fernsehen gekommen und hat auch den Sprung ins Internet geschafft. Hier hat Jakob Nielsen kräftig nachgeholfen. 1996 zeigt er, welche Vorteile „Inverted pyramids in Cyberspace“ haben: Da User nicht scrollen (so seine damalige Ansicht, die er inzwischen revidiert hat), sei es entscheidend, die wichtigsten Informationen auf einer Bildschirmseite zusammenzufassen. Erst wenn sie diese Infos als interessant einstufen, lesen sie den weiteren Text (und scrollen natürlich). Und die meisten Anleitungen für das Schreiben im Netz haben die umgekehrte Pyramide in ihr Repertoire übernommen, denn tatsächlich passt sie sehr gut ins Web:

Hypertext-Prinzip
Hypertext-Systeme – wie das Web eines ist – sind aus zahlreichen Knoten (Texten) aufgebaut, die miteinander – per Links – verknüpft sind. Das geht am besten, wenn die einzelnen Texte eher kurz sind und für sich selbst stehen können, d.h. ohne zusätzliche Infos verständlich sind – genau dafür bietet sich die Pyramide an. Komplexere Themen werden nicht in längeren Texten abgehandelt, sondern durch eine gut gewählte Verlinkung aufgeteilt. Auch hier bietet das Pyramidenmodell Strukturierungshilfen. So kann z.B. nach der Beantwortung der wichtigsten W-Fragen, dem Leser die Möglichkeit gegeben werden, die Hintergrundinformationen oder weniger wichtigere Details in eigener Regie (und eigener Reihenfolge) abzurufen.

User
Hier sind die meisten User auf der Suche nach schneller Information und eher auf Überfliegen als auf gründliche Lektüre eingestellt, da ist ihm ein kompakter Lead rund um die wichtigsten Fakten lieber als z.B. an der Chronologie ausgerichtete Geschichten, die mit „Am Anfang war..“ losgehen. Der User kann auch jederzeit aufhören zu lesen, ohne dass ihm wichtige Fakten entgehen oder ohne dass ihm wichtige Details zum Verständnis der Geschichte fehlen. Ein entscheidender Punkt ist auch die Vertrautheit des User mit dem Aufbau – er kennt ihn aus fast allen Medien und weiß, was ihn erwartet.

Autoren
Der Online-Autor kann profitieren, denn wenn er sich an den W-Fragen orientiert, die an der Spitze der Pyramide stehen, ist er sich sicher, dass er alles Notwendige recherchiert hat und dass er in seinem Text nichts vergessen hat. Auch stilistisch hat die Pyramide Auswirkungen, denn sie erhöht die Ausrichtung an sachlichen Gesichtspunkten – auch das ist dem User im Netz sehr wichtig.

news aggregators
Nicht selten lesen User die Inhalte nicht direkt auf der Web-Site, sondern laden sich z.B. News auf ihr Handy. Oder sie überfliegen die Google News Startseite, um sich zu informieren. Was sie da zu sehen bekommen, ist meistens die Überschrift plus den ersten Abschnitt des Artikels. Im Fall der „umgekehrten Pyramide“ findet er hier die wichtigsten Fakten. Eigenartigerweise spricht das für die Gegner gegen die Pyramide, denn das halte den User davon ab, auf die Original-Site zu klicken. Eine merkwürdige Argumentation, denn ein Verzicht auf einen Lead würde ja auch nicht dazu führen, dass auf die Original-Site geklickt wird. Und ein schlechter, nicht entsprechend der umgekehrten Pyramide strukturierter Lead würde sogar eher das Gegenteil bewirken: Die User sind nicht motiviert, die Original-Web-Site zu besuchen.

Teil 1
Teil 2
Teil 4

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2 Kommentare zu “Auf die Spitze getrieben (Teil 3)”

  1. Auf die Spitze getrieben (Teil 4)  on Januar 8th, 2008

    […] in Teil 3 gezeigt: Die umgekehrte Pryramide ist in vielen Fällen für Online-Texte ideal – […]

  2. Auf die Spitze getrieben (Teil 1) | text-gold.de  on Juli 27th, 2009

    […] Teil 3: Das Prinzip der “umgekehrten Pyramide” bietet sich für Online-Texte an […]


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