Rohdiamant

Prozess statt Produkt: Ein Nachrichten-Modell für die Online-Redaktion der Zukunft 

Paul Bradshaw und sein Team vom Online Journalism Blog machen sich Gedanken um den „21st century newsroom“ . Für ihn sind Schnelligkeit und Tiefe die Stärken des Mediums, die die Online-Redakteure natürlich ausspielen müssen. Wie das am besten funktioniert? Er ist dabei einige Konzepte, Entwürfe und Modelle zu entwickeln. Das erste Modell nennt er den „Nachrichten Diamanten“:

Eine kurze Charakteristik der Content-Stationen:

  1. Signal: Sobald die Idee für einen Artikel da ist, wird einem (ausgewählten) Kreis das Signal gesendet: Ich habe eine Geschichte.
  2. Entwurf: eine Rohfassung, die die wichtigsten Infos enthält (Name, Orte, entscheidende Details) und die wichtigsten Quellen verlinkt.
  3. Artikel: Der Artikel selbst.
  4. Context: Die Fakten in dem Artikel werden vertieft. Die Ereignisse in Zusammenhänge eingebettet. Externe und interne Informationen werden verlinkt.
  5. Analyse: Die wichtigsten Reaktionen, die im Lauf des Prozesses eingegangen sind, werden gesammelt und veröffentlicht.
  6. Interaktivität: Anders als bei anderen Medien können User über längere Zeit über ein Thema informiert werden. Vor allem über Wikis, Foren und Chats.
  7. Personalisierung („customisation“) : Jetzt können die User die Informationen nach ihren eigenen Wünschen zusammenstellen. Sie können per E-Mail oder Feed anfordern, bei Neuigkeiten zu einem Aspekt informiert zu werden.

Hinter diesem Diamanten stehen zwei interessante Gedanken:

1. Der Entstehungsprozess eines Artikels ist öffentlich. Es ist schon reizvoll, früh in die Öffentlichkeit zu treten und unterschiedliche Kanäle dafür zu nutzen. In der Online-Redaktion können die Phasen der Recherche und des Schreibens stärker verzahnt werden. Das hat auch den Vorteil, dass die Prozesse auch für die Redaktion transparenter sind. Allerdings ist es nicht immer sinnvoll, seine Ideen zu früh aus der Hand zu geben. Und was ist, wenn sich eine Idee oder eine Neuigkeit als nicht wirklich tragfähig herausstellt?

2. Ein Artikel ist kein Produkt mehr, das einen Fertigstellungszeitpunkt hat, sondern ein Prozess, für den kein Ende definiert ist. Das deckt sich völlig mit dem Hypertext-Gedanken von vernetzten Ideen, die abrufbar bleiben. Erleichtert sicher auch die Steuerung der Prozesse in einer Online-Redaktion, die bisher ein Schattendasein geführt haben. Wie etwa: Wie lange muss ein Artikel archiviert werden? Wie geht die Redaktion mit Fehlern um?

http://www.text-gold.de/wp-content/plugins/sociofluid/images/twitter_48.png http://www.text-gold.de/wp-content/plugins/sociofluid/images/google_48.png http://www.text-gold.de/wp-content/plugins/sociofluid/images/stumbleupon_48.png http://www.text-gold.de/wp-content/plugins/sociofluid/images/delicious_48.png http://www.text-gold.de/wp-content/plugins/sociofluid/images/digg_48.png http://www.text-gold.de/wp-content/plugins/sociofluid/images/reddit_48.png http://www.text-gold.de/wp-content/plugins/sociofluid/images/dzone_48.png http://www.text-gold.de/wp-content/plugins/sociofluid/images/blinklist_48.png http://www.text-gold.de/wp-content/plugins/sociofluid/images/blogmarks_48.png http://www.text-gold.de/wp-content/plugins/sociofluid/images/furl_48.png http://www.text-gold.de/wp-content/plugins/sociofluid/images/newsvine_48.png http://www.text-gold.de/wp-content/plugins/sociofluid/images/technorati_48.png http://www.text-gold.de/wp-content/plugins/sociofluid/images/magnolia_48.png http://www.text-gold.de/wp-content/plugins/sociofluid/images/myspace_48.png http://www.text-gold.de/wp-content/plugins/sociofluid/images/facebook_48.png http://www.text-gold.de/wp-content/plugins/sociofluid/images/yahoobuzz_48.png

2 Kommentare zu “Rohdiamant”

  1. Stephan Schillerwein  on Januar 26th, 2008

    > Und was ist, wenn sich eine Idee oder eine Neuigkeit als nicht wirklich tragfähig herausstellt?

    Gerade das ist doch ein echter Vorteil dieser Vorgehensweise: man kann die Dinge rechtzeitig einstampfen – je früher ein Fehler entdeckt wird, desto billiger und unschädlicher bleibt er. Und dann weiter, die nächste Idee verfolgen…

  2. Saim Alkan  on Januar 28th, 2008

    Ja, klar. Je mehr Augen drauf schauen, desto früher kann entschieden werden, ob eine Idee wirklich Substanz hat. Allerdings denke ich auch, dass einige Autoren ihre Ideen nicht gerne zu früh aus der Hand geben, je nach Charakter aus Angst, dass jemand anderes dann etwas daraus macht oder weil sie sich keine Blöße geben wollen, falls ihre Idee doch nicht so gut ist. Entscheidend ist glaube ich, wie der Empfängerkreis definiert wird. Also auf die erste Seite meiner Web-Site würd ich solche ersten Einfälle nicht gerade stellen…


Kommentare