Korrekturen
Im Internet sind Fehler schnell und unauffällig korrigiert. Trotzdem kann ein offener Umgang mit Fehlern ein Gewinn für die Online-Redaktion sein.
Logisch – alle Menschen machen Fehler. Online-Redakteure sind Menschen. Daraus folgt: Online-Redakteure machen Fehler. Auch Online-Redakteure von SPIEGEL ONLINE. Bisher war mein Eindruck, dass die Redaktion eher darauf bedacht war, ihre Fehler schnell zu korrigieren ohne dabei Spuren zu hinterlassen und anschließend darauf zu hoffen, dass es niemand merkt. Eine Strategie, die viele Online-Redaktionen in Deutschland verfolgen.
Und dann lese ich unter dem Artikel über den ersten Auftritt der neuen Tagesthemen-Moderatorin folgenden Satz:
Korrektur: In einer ersten Version hieß es, Caren Miosga habe den neuen EADS-Chef Thomas Enders interviewt. Tatsächlich ist er der neue Airbus-Chef.
Chapeau! Und diese Korrektur steht nicht alleine, mir ist etwa noch die ausführliche Stellungnahme zu den Krawallen im Vorfeld des G-8-Gipfels in Erinnerung: “Steine, Stinkefinger, brennende Autos” (mit Korrektur).
Entweder trägt die Arbeit der Blogger, die nie schlafen und wichtige Medien ständig im Blick haben, Früchte oder die Redaktion hat einen Ausflug in die USA unternommen und ihren amerikanischen Kollegen über die Schulter geschaut. In den angelsächischen Ländern gehört ein offener Umgang mit Fehlern zum guten Ton im Journalismus.
Dabei geht es nicht darum, jeden kleinen Fehler mit Rot anzustreichen oder jeden Rechtschreibfehler an die große Glocke zu hängen. Und selbstverständlich steht das Vermeiden von Fehlern bei der Qualitätssicherung immer an erster Stelle. Meiner Meinung nach beinflussen sich aber beide Komponenten. Der offene Umgang mit Fehlern nach außen bleibt auch für interne Prozesse nicht ohne Folgen. Glauben Sie nicht auch, dass der Autor des Miosga-Artikels in nächster Zeit Namen und Funktionen in seinen Artikel genauer prüft?
Vielleicht sind die Spiegel-Redakteure aber auch nur beim Surfen auf “The Good, the Bad, (sic!) & the Ugly” gestoßen. Hier veröffentlicht die Agentur Reuters das Feedback ihrer Leser:
Where we post reader feedback on Reuters stories, photos and video. Veteran news editor Robert Basler offers a window into the process behind the news. Expect some sparks as readers have their say, and Reuters editors and reporters respond.
Sehr oft machen die Leser die Reuters-Redakteure auf Fehler aufmerksam, so dass dieser Blog tatsächlich eine Art Korrekturspalte ist. Aber weitaus unterhaltsamer und spannender. Bis die deutschen Online-Redaktionen so entspannt mit ihren Lesern über ihre Irrtümer oder Fehleinschätzungen diskutieren, wird sicher noch einige Zeit vergehen. Aber immerhin ein guter Anfang ist gemacht.
Ein Kommentar zu “Korrekturen”
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Das Internet-Manifest - Diskussionsprotokoll der aexea-Redaktion | text-gold.de on September 7th, 2009
[...] Korrekturen 16. Qualität bleibt die wichtigste Qualität. [...]