Bilderlesen

Alt-Texte dienen dem Online-Redakteur als Prüfmittel für die Bildauswahl.

Die aktuelle Diskussion um HTML 5 bringt einige interessante Aspekte wieder ins Gespräch, die fast vergessen waren: braucht man ALT-Texte? Seit über zehn Jahre sind ALT-Attribute für Bilder verpflichtend – doch meist bleibt die Stelle zwischen den Anführungszeichen nach ALT= leer, dabei sollte hier ein alternativer Text stehen, für den Fall, dass das Bild nicht zu sehen ist.

Für viele Online-Redakteure sind die ALT-Texte vor allem ein technisches Problem, für das die IT-Abteilung zuständig ist. Tatsächlich gehören die meisten ALT-Texte eng zum Design, wie etwa Bilder für die Navigation oder andere gestaltende Elemente, und sind für den Inhalt der einzelnen Artikel nicht entscheidend.

Doch der Online-Redakteur sollte den ALT-Text für die Bilder, Grafiken oder Tabellen, die zum Text gehören, nicht der Technik oder der Grafik-Abteilung überlassen, denn gute ALT-Texte sind wichtig. Zum Ersten für den Leser, denn, wenn er – aus welchen Gründen auch immer – die Anzeige von Bildern bei seinem Browser deaktviert hat, ist er für sein Verständnis darauf angewiesen. Zum Zweiten für die Suchmaschinen, deren Robots keine Bilder sehen, wohl aber Texte lesen können. Nicht zuletzt aber auch für den Redakteur, weil das Formulieren des ALT-Textes für ihn eine gute Möglichkeit darstellt, zu prüfen, ob Bild und Text zueinander passen.

Text und Bild harmonieren nicht immer, sie können Beziehungen unterschiedlicher Qualität eingehen:

  • 1. Diskrepanz: Im schlechtesten Fall stimmen Bild und Text nicht überein oder lenken voneinander ab. So ist auf dem Bild z.B. ein niedliches Kaninchen zu sehen und im Text geht es um die Wildschwein-Jagd.
  • 2. Neutralität: Text und Bild stehen nebeneinander – aber mehr auch nicht! Eine Nachricht von der US-Regierung? Klar, auf dem Foto ist die Front des Weißen Hauses zu sehen.
  • 3. Ergänzung und wechselseitige Erhellung: Der Text ergänzt das Bild oder umgekehrt. Sie liefern zusätzliche Informationen, die im jeweils anderen Medium nicht ausgedrückt werden können. Der Idealfall für die Text-Bild-Beziehung.

Bei der Formulierung des ALT-Textes, ist der Redakteur ist gezwungen, genau hinzuschauen, was auf dem Bild drauf ist, damit verringert er die Gefahr, dass Text und Bild gegenteilige Aussagen machen. Der dritte Aspekt ist der Knackpunkt: Es reicht in diesem Fall nicht aus, einfach zu beschreiben, was auf dem Bild zu sehen ist. Vielmehr muss es der Redakteur schaffen, die Aussage des Bildes in knappen Worten wiederzugeben. Wenn ihm das gelingt und die Bildaussage zum Text passt, dann weiß er, dass er ein gutes Bild für seinen Text ausgewählt hat.

Ein ALT-Text ist keine Bildunterschrift, denn bei ihr hat der Redakteur einen größeren Gestaltungsspielraum und kann zusätzliche Informationen zum Bild liefern. Bei sehr sachlichen Texten könnten ALT-Text und Bildunterschrift durchaus identisch sein.

Ein Vergleich von zwei Artikeln kann das verdeutlichen. Hier eine Nachricht über die Kritik des Jetpiloten-Verbandes an der Ankündigung von Verteidigungsminister Franz Josef Jung bei focus.de :

spiegelkampf.jpg

Die abgebildeten Flugzeuge und der Text stehen neutral nebeneinander. Die Bildunterschrift kann als ALT-Text übernommen werden, ohne dass eine Information verloren geht. Das Bild hat eher dekorativen Charakter – dem Leser, der das Bild nicht vorliegt, versteht den Artikel genauso gut.

Anders dieselbe Nachricht auf spiegel.de:

fokus_kampfset.jpg

Reicht es hier aus, in den ALT-Text zu schreiben: “Verteidigungsminister Franz Josef Jung vor Eurofighter”? Nicht ganz, denn das Bild macht eine zusätzliche Aussage: Der Minister wirkt hier verkniffen und isoliert, nicht etwa siegesgewiss oder optimistisch. Es bildet eine gute Ergänzung zum Eingangssatz: “Er hat sie alle gegen sich”.

Und der ALT-Text? Ein Vorschlag: “Verteidungsminister Franz Josef Jung vor Eurofighter mit unzugänglichem Gesichtsausdruck”. Hier wird deutlich, dass der Online-Redakteur Komponenten berücksichtigt muss, die über die reine Sachebene hinausreichen. Gerade die emotionale Dimension macht Bilder so ausdrucksstark. Der ALT-Text steht anstelle des Bildes. Wenn der Redakteur ihn formuliert, kann er sicher gehen, dass er geprüft hat, welche Aussage er mit der Wahl des Bildes machen will.

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