Die Zukunft der Intranet-Beratung oder: Was beachte ich bei der Intranet-Konzeption?

Ich wage hier einen Ausblick in die Zukunft der Intranet-Beratung und in die Aufgaben einer Intranet-Konzeption… dabei will ich nicht den Anspruch auf Vollständigkeit erheben… aber gerne einen Einblick geben 😉

Der für mich wichtigste Punkt ist die Interessenslage des Top-Managements oder des Unternehmens: Kosten und Nutzen werden im Intranet weiter an Bedeutung zunehmen. Es ist nicht mehr vertretbar, dass Input und Output im unternehmensinternen Netz nicht oder gering beachtet werden. Die Fragen nach den Kosten des Intranets in Erstellung und laufendem Betrieb, aber auch die Suchzeiten oder sogar die Lesezeiten für schlechte Intranet-Texte spielen hier eine Rolle.

Eine kurze Betrachtung: Bei einem Intranet mit 1 Mio. Seitenabrufen (Page Impressions), bei denen Inhalte gelesen werden, spart ein Unternehmen durch verkürzte Texte, bessere Strukturen, scanbare Seiten etc. nur 10 Sek. je Leseprozess ein. Das ergibt 10 Mio. Sek. oder anders ausgedrückt 2778 Std. Bitte multiplizieren Sie diesen Wert mit dem internen Stundensatz für einen Sachbearbeiter – ich setze einfach einmal 40 EUR an – das ergibt einen Wert von rund 111.000 EUR.

Wie gesagt – ich gehe davon aus, dass eine gesamtheitliche Betrachtung des Kosten-/ Nutzen-Verhältnisses wichtiger wird. Diese Betrachtung ist nur eine der vielen Dimensionen, die in einem Kommunikations-Controlling zu berücksichtigen sind.

Darüber hinaus müssen jetzt Faktoren gefunden werden, die direkten Einfluss auf Produktivität oder Gewinne des Unternehmens haben. Studenten aufgepasst – ein Thema für Haus- und Abschlussarbeiten?

Heureka – die Suche im Intranet

Die Suche im unternehmensweiten Intranet ist in den meisten mir bekannten Intranets, aus Sicht der Anwender nicht gut gelöst. Die Suche im Intranet ist nicht mit der Suche im Internet zu vergleichen. Im einen Fall gibt es nur ein einziges richtiges Suchergebnis im anderen mehrere Millionen Ergebnisse. Und weil Sie wissen, wie schwierig es ist einen der vorderen Plätze in einer Internet-Suchmaschine zu ergattern, verstehen Sie auch Folgendes:

Statt teure Suchmaschinen zu kaufen ist es zielführender die Autoren als Schnittstelle der Informationen zum Anwender zu berücksichtigen. Vermitteln Sie die Erfordernisse des suchmaschinengerechten Schreibens. Das führt zu zufriedenstellenden Ergebnissen.

Die Darstellung der Suchergebnisse wird eine der weiterführenden Fragen für die Intranet-Suche sein.

Der Intranet-Anwender im Mittelpunkt der Intranet-Konzeption

Ein kleines Team aus 5 Mitarbeitern strukturiert das Intranet für einen Konzern mit mehreren tausend Angestellten – dieses Szenario gehört der Vergangenheit an. Die Berücksichtigung der Anwenderinteressen bei Inhalt, Struktur und Seitenaufbau (sowie weiteren Usability-Fragen) wird zum Konzeptions-Alltag in Intranets. Methoden wie Card-Sorting, Metalog, Eye-Tracking, Benchmarking und jährliche Anwender-Befragungen sind auf dem Vormarsch. Genau das halte ich für richtig.

Das Intranet gesteuert durch die Redaktion

Wer das Intranet als Teil eines wertschöpfenden Unternehmensprozesses sieht, der wird die Steuerung des Intranets als wesentliche Aufgabe verstehen. Der Intranet-Verantwortliche wird Technik und Inhalte gleichermaßen berücksichtigen und eine Intranet-Redaktion etablieren – mit eindeutigen Prozessen, Qualitätsansprüchen und der Verantwortung gegenüber dem Medium und seinen Stakeholdern.

Mobile Intranet – what’s next?

Blackberry- oder Smartphone-Anwender sind die treibende Kraft eines mobile Intranet. Der Zug rast nicht – er nimmt im Augenblick erst Fahrt auf. Sie haben noch nichts verpasst. Allerdings werden die Ansprüche größer. Es ist nur eine Frage der Zeit bis hier mehr zu leisten ist und Antworten auf die Fragen der Anwender zu geben sind. Davon bin ich fest überzeugt.

Web 2.0 – Wollen Mitarbeiter im Intranet 2.0 mitwirken?

Kein Kongress ohne den Anspruch Antworten zu diesem Thema zu geben. Ein kurzer Realitätscheck: Eine Fokusgruppe im Gespräch. Ich frage: „Wer liest privat oder beruflich ein Blog, ein Forum oder ähnliches?“ und vertiefe „Für ihr Hobby beispielsweise – Tauchen, Radfahren, Hunde?“ es strecken 4 von 25 Teilnehmern. Weiter gefragt: „Wer schreibt in einem Blog oder Forum?“ niemand meldet sich.

Ein Unternehmen, das den Web-2.0-Gedanken im Intranet umsetzen will, braucht den Mitarbeiter 2.0. Wie der aussieht? Er kennt die professionellen Umgangsformen in einem Web 2.0-Tool, ist mit der Technik vertraut, identifiziert sich über ein bestimmtes Maß mit seiner Arbeit und dem Unternehmen über den Gehaltsanspruch hinaus und hat keine Hemmungen offen und demokratisch mit seinem Unternehmen umzugehen – und keine Probleme, wenn das Unterhemen sich genauso verhält.

Spätestens hier stelle ich die Frage: Will der Mitarbeiter das? Sind es so viele, daß ein Intranet 2.0 funktioniert?

Die Technik alleine reicht nicht aus – ich bin begeistert von einem Intranet 2.0 – wir konzipieren im Augenblick für viele Kunden – Wikis, Video-Casts oder interne Blogs – aber da stimmen die Bedingungen! Fazit: Hören wir auf Intranets zwanghaft mit Web 2.0 Anwendungen auszustatten und bringen wir das Intranet 1.0 auf die Höhe der Zeit.

Schöne Farben und tolle Technik

Design und Programmierung werden sich den Zielen unterordnen und nicht mehr Selbstzweck sein. Konzeptionen die mit der Vorgabe eines Systems starten sind altbacken – system follows function – wenn man so will.

So – ich hoffe auf Ihre Ergänzungen und bin sehr gespannt.

Zum Thema:

Trends im Intranet der Zukunft

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5 Kommentare zu “Die Zukunft der Intranet-Beratung oder: Was beachte ich bei der Intranet-Konzeption?”

  1. Joachim Lindner  on September 10th, 2008

    Es ist sicherlich richtig, dass man vor lauter Web 2.0 Ideen nicht seine Hausaufgaben vergisst. Ich finde den Gedanken mit der Optimierung und das in gesparte Zeitumzurechnen auch eine sehr interessante Argumentationshilfe.

    Allerdings finde ich nicht, dass wir darauf warten sollten, bis wir den Web 2.0 Mitarbeiter haben. Die Einführung dieser Tools hilft meiner Meinung nach auch den Web 2.0 Mitarbeiter zu entwickeln. Man sollte nur nicht erwarten, dass alle MA gleich zu Beginn mitmachen. Man braucht einfach etwas Geduld.

    Ich finde auch, dass die Mitarbeiter lernen müssen sich mit dem Thema zu beschäftigen. D.h. z.B. sich RSS Feeds zu nutze machen, um sich schnell in Ihrem Fachgebiet zu Informieren bzw. in ihrem Fachgebiet uptodate zu bleiben, anstatt sich 30 Newsletter zu abonnieren. Ach dort kann man durch effektivere Nutzung Zeit einsparen

  2. Saim Alkan  on September 12th, 2008

    Hallo Joachim,
    natürlich bringt es nichts, sich zurückzulehnen und darauf zu warten, dass irgendwann einmal ein Mitarbeiter 2.0 nachwächst oder sich die alten Mitarbeiter ohne Zutun dahin entwickeln.
    Aber genau, was Du schreibst ist der Punkt. Die Unternehmensleitung muß mit kleinen Schritten in die Richtung starten: Die einfachen Tools und deren Nutzen vorstellen – wie etwa die RSS Feeds.
    Ich habe den Eindruck, die Unternehmen haben nicht die Geduld für die kleinen Schritte und wollen sofort funktionerende Wikis und Blogs.

    Grüße
    Saim

  3. “A digital lifestyle - leben und arbeiten mit social software” - ein Buch zum Web  on Oktober 2nd, 2008

    […] Wissensmanagement 2.0 zusammen.  Seine Meinung zum Mitarbeiter 2.0 (seinem Profil bin ich ja zur Zeit auf der Spur ) ist vor allem auf die Entwicklung von soft skills ausgerichtet: “Mitarbeiter müssen […]

  4. Intranet 2.0 - geteilte Verantwortung  on Oktober 7th, 2008

    […] meiner Recherchen zum neuen Mitarbeiter-Typus – dem Mitarbeiter 2.0 – bin ich auf die Grafik von Richard Dennison gestoßen. Der Intranet Strategy Manager bei […]

  5. Intranets 2009 – Jakob Nielsens Fazit (3) | text-gold.de  on Januar 20th, 2010

    […] Nielsen identifziert die Intranet-Trends als Langzeitrends, die schon in den vergangen Jahren aufgetreten sind:  der Einsazt von SharePoint, […]


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