Die Überschrift (Teil 1): Der klassische Journalismus

Google macht sie zu einem aktuellen Diskussionsthema: Die Überschrift. Gelten jetzt neue Gesetze oder bleiben die journalistischen Traditionen weiterhin gültig? Um in dieser Frage besser Position beziehen zu können, möchte ich die Grundlagen beider “Schulen” vorstellen. Vielleicht ergibt sich ja so eine neue Perspektive.

Teil1: Die Überschrift im klassischen Journalismus

Die Überschrift ist ohne Zweifel der schwierigste Teil des journalistischen Handwerks. Eine Überschrift kommt zwar kurz und knapp daher, aber es werden hohe Erwartungen an sie gestellt.

Eine Überschrift soll die Kernaussage des Artikels wiedergeben. Sie muss verkürzen, darf aber nicht verfälschen. Sie muss korrekt, leichtfasslich und unmissverständlich formuliert sein. Und – nicht zu vergessen: Sie sollte Leseanreiz bieten. Für Headlines im Internet gilt zudem, dass sie den Kriterien suchmaschinengerechten Schreibens genügen sollte.

Den Anfang beim Texten einer Überschrift bildet – wie bei jedem Text – die Ausrichtung an der jeweiligen Zielgruppe. Fragen Sie sich zunächst, wer den Text und damit auch die Headline des Textes liest. Erst dann wählen Sie den Stil der Überschrift: Soll sie wissenschaftlich, boulevardmäßig, intellektuell anspruchsvoll, analytisch oder vereinfachend sein?

Egal, welchen Stil Sie wählen – ein bisschen Hilfestellung bei der Formulierung kann nicht schaden. Etwas leichter wird es, wenn Sie sich an typische Formen von Überschriften halten. Eine typische Form ist, ein Partizip zu verwenden: “Obama in Dresden gelandet”. Üblich ist in Überschriften zudem, im Präsens zu formulieren: “Merkel und Obama vereinbaren Anti-Krisen-Pakt”. Gebräuchlich ist ebenfalls die Perfekt-Form: “Der Wahlkampf hat begonnen”. Eine weitere Form wird gerne verwendet - Überschriften ohne Verb: “Widerstand gegen Steuerpläne der SPD”. Mit diesen typischen Formen bekommen Sie das nötige Handwerkszeug.

Der Spagat zwischen Originalität und Informationsgehalt ist wohl die größte Herausforderung beim Texten einer Headline. Eine Überschrift ist immer im Verbund mit dem dazugehörigen Anreißer zu sehen – so kann eine sehr originelle Überschrift mit einem deskriptiven Teaser kombiniert werden. Umgekehrt kann eine Headline, die bereits die wichtigsten W-Fragen beantwortet, durch einen Cliffhanger ergänzt werden, der eine wichtige Frage ungeklärt lässt und somit einen Leseanreiz bietet.

Wichtig ist: Beim Überschriften-Texten sollten Sie die Finger lassen von

  • Binsenweisheiten “Kämpfe trüben Friedenshoffnung”,
  • Rätseln “Auf allen Ebenen wichtige Phänomene. Gespräch mit dem Pop-Experten Uwe Hußlein”,
  • missglückten Wortspielen “Bienen sterben wie die Fliegen”,
  • unklaren Formulierungen “Erstes Intercity-Hotel entsteht in Rostock” und
  • zu extremen Verkürzungen “Bonn aus Schlaf gerissen”.

Einige dieser Beispiele für problematische Überschriften stammen aus dem Buch “Die Überschrift. Sachzwänge – Fallstricke. Versuchungen – Rezepte.” von Wolf Schneider und Detlef Esslinger.

Die Autoren verraten ihr Rezept für eine gute und griffige Headline: Man nehme eine klare Aussage, verzichte auf überlange Wörter und eine Häufung exotischer Namen. Fragezeichen verwende man sparsam und das Imperfekt verwende man nur in begründeten Ausnahmen. Fertig ist die lesefreundliche Überschrift!

Leicht gesagt, schwer getan? Kann für einen Text einfach keine geeignete prägnante Überschrift gefunden werden? Manche Texte entlarven sich: Sie haben gar keine Kernaussage …

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2 Kommentare zu “Die Überschrift (Teil 1): Der klassische Journalismus”

  1. Die Überschrift (Teil 2): Warum Online-Überschriften anders sein müssen | text-gold.de  on August 18th, 2009

    [...] die Regeln für das Schreiben guter Überschriften aus dem klassischen Journalismus auch Online? Zumindest gibt es drei wesentliche Punkte, in denen sich die Bedingugen für Leser [...]

  2. So erzeugen Sie Aufmerksamkeit für Ihre Texte! | usabilityblog.de  on Januar 4th, 2010

    [...] [3] Die Überschrift auf Text-Gold [...]


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