Anglizismen: So macht man es richtig (4)

Verben

Verben sind in Bezug auf Anglizismen eine Klasse für sich. Durch die verschiedenen Zeitformen und Konjugationen kommt es bei (d)englischen Verben oft zu großer Verwirrung. Auch hier gilt: Halten Sie sich in erster Linie an die deutschen Regeln. Konjugieren Sie wie gewohnt und setzen Sie Hilfsverben nach Gefühl ein.

  • Sollte Ihnen ein Hilfsverb einer Vergangenheitskonstruktion dennoch absolut fehl am Platz vorkommen, umgehen Sie das Hilfsverb einfach.
    Beispiel: Statt „Ich habe die Webseite gerelauncht“ oder „Die Website ist gerelauncht“ könnten Sie die Konstruktion ersetzen, indem Sie ein Nomen einsetzen: „Der Relaunch-Vorgang der Webseite ist abgeschlossen“
  • Große Fragezeichen stellen auch immer wieder die vermeintlich trennbaren Zusammensetzungen dar. Auch hierbei sollten Sie das Gefühl entscheiden lassen – oder sich für die Variante mit der besseren Verständlichkeit entscheiden.
    Beispiel: „Ich downloade die Datei“ ist wahrscheinlich etwas eleganter als „Ich lade die Datei down“. Die beste Variante in diesem Fall „Ich lade die Datei herunter“?
  • Oft stellt sich auch die Frage, ob man ein englisches Verb im Deutschen nach englischen Regeln konjugieren sollte. Wie immer sollten Sie sich ans Deutsche halten.
    Beispiel: „gepostet“, „recycelt“, „gesurft“, „gecancelt“
    Aber wie soll es auch anders sein – natürlich gibt es Ausnahmen. Für diese gibt es auch wie immer keine festen Regeln. Auch hier sollte eher wieder das Gefühl entscheiden. Beispiel: „getimt“ oder „getunt“ wäre kaum zu verstehen, „getimed“ und „getuned“ machen durchaus mehr Sinn.
  • Bei Verben, die auf einen Konsonanten enden, ist meist nicht klar, ob dieser verdoppelt werden muss oder darf. Hierbei solllten Sie sich am englischen Gerundium orientieren.
    Beispiel: „reset – resetting“, also auf (D)englisch: „das Resetten“, „scan – scanning“ – also auf (D)englisch: „Das Scannen“

Richtige Schreibung

  • Auch für die Groß- und Kleinschreibung gelten im Großen und Ganzen die deutschen Regeln. So werden Nomen groß geschrieben, Verben klein usw. Beispiel: „the scanner“ aber „Der Scanner“
  • Bei zusammengesetzten Substantiven sollten Sie auf Bindestriche verzichten. Dies gilt für mehrsprachige Kombinationen wie zum Beispiel  „Designschule“ „Webanwendung“ genauso wie für einsprachige Kombinationen wie „Webdesign“ und „Computerpool“.
    Dennoch ist auch hierfür keine klare Regel gegeben. Wollen Sie etwa einen Teil der Wortkombination besonders hervorheben, bietet sich der Bindestrich wiederum an. Manchmal ist er sogar unerlässlich oder kann bei langen Kombinationen die Lesefreundlichkeit und somit das Verständnis erhöhen.
    Beispiel: „PC-Raum“, „DTP-Programm“ oder „Backupverfahren“ vs. „Back-up-Verfahren“. Entscheiden Sie nach Gefühl und Ihrer Intention.

Wie aus den vorangegangenen Tipps und Beispielen hervorgeht, gibt es in den meisten Fällen keine klare Lösung. Deshalb bietet es sich tatsächlich an, die oben genannten Fehlerquellen geschickt zu umfahren und das Gefühl entscheiden zu lassen. Die eleganteste Lösung ist im  Zweifel immer, nach einer deutschen Entsprechung zu suchen – in den allermeisten Fällen funktioniert das.
Erfolgreiches Surfen, frohes Resetten und einen gechillten Arbeitstag!

Teil 1

Teil 2

Teil 3

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8 Kommentare zu “Anglizismen: So macht man es richtig (4)”

  1. Roland C. Müller  on Juni 7th, 2010

    Vielen Dank für diese gelungenen Tipps! Man kann nicht oft genug auf diese kleinen Fauxpas hingewiesen werden.
    Besten Gruß!

  2. mblass  on Juni 8th, 2010

    Wenn man nicht genau weiß, wie man Anglizismen konjugiert / dekliniert oder sonst irgendwie vergewaltigt, hilft stattdessen vielleicht das gute altmodische deutsche Wort? Zwar können viele nicht mal deutsche Verben konjugieren können, aber das hört sich dann wenigstens nicht allzu peinlich an. Als ob unsere Muttersprache nicht genügend eigene Worte bereitstellen würde…

  3. Saim Alkan  on Juni 10th, 2010

    Natürlich wäre es besser einfach deutsche Wörter zu verwenden und es gibt auch einige (berechtigte) Klagen über hässliches „Denglish“. Tatsache ist aber auch, dass es gerade im Online (Englisch!)-Bereich eine Menge englischer Wörter in die Umgangssprache geschafft haben, wie Blogs, bloggen, twittern usw. Deutsche Wörter haben es hier sehr schwer oder wirken künstlich, wie ich schon in dem Artikel „Twitter – Wie nenne ich mein…“ feststellen musste. Oder glauben Sie, dass sich „Piep“ für Tweet durchsetzen wird?

  4. Blogs – Wie nenne ich mein…? | text-gold.de  on Juli 5th, 2010

    […] man über Anglizismen redet oder schreibt, kommt immer der Hinweis, statt der englischen lieber deutsche Wörter zu […]

  5. Anglizismen: So macht man es richtig (2) | text-gold.de  on Januar 26th, 2011

    […] Anglizismen Teil 1 Anglizismen Teil 3 Anglizismen Teil 4 […]

  6. Anglizismen: So macht man es richtig (3) | text-gold.de  on Januar 26th, 2011

    […] Anglizismen Teil 4: Beugung – Verben […]

  7. Anglizismen: So macht man es richtig (1) | text-gold.de  on Januar 26th, 2011

    […] Teil 2 Teil 3 Teil 4 […]

  8. Gast  on September 18th, 2013

    Verwendet doch einfach die deutsche Sprache und alles ist gut.

    Problem in einem kurzem vertsändlichen Satz gelöst.


Kommentare