Leseverhalten am Bildschirm – Gibt es etwas Neues? (2) iPads, Tablets & Smartphones

Das Leseverhalten hängt nicht nur – wie in „Leseverhalten am Bildschirm…(1)“ beschrieben – vom Gegensatz Papier Bildschirm ab, sondern auch von den Endgeräten. Die meisten von uns lesen nicht nur am Computer-Bildschirm, vielmehr sind eine Reihe mobiler Geräte hinzu gekommen, die darauf einen Einfluss haben, wie wir lesen.

Gibt es ein charakteristisches Leseverhalten bei iPads und Tablets?

Hier die bemerkenswertesten Ergebnisse der neuesten Studien zum Leseverhalten (hier ein umfassendes Verzeichnis der Studien zu Tablets und Smartphones)

Poynter Eyetrack Studie: Unterschiede zwischen Digital Natives und älteren Usern

Eine Poynter Eyetrack Studie hat bereits 2007 interessante Aufschlüsse über das Leseverhalten bei Online- und Printemedien gegeben – jetzt wurde ein ähnlicher Ansatz zur Analyse des Userverhaltens auf Tablets umgesetzt. Sie haben 36 Menschen genauestens dabei beobachtet, wie diese auf iPads mit Nachrichtenartikeln umgingen. Etwa eine Hälfte davon gehörte zu den „Digital Natives“ (waren also zwischen 18 und 28 Jahre alt), die andere Gruppe war eindeutig älter (45-55 Jahre alt), damit auch Unterschiede zwischen den beiden Gruppen herausgearbeitet werden konnten.

Leser suchen Artikel sorgfältig aus – und bleiben nur für kurze Zeit bei der Story

Start der Analyse war ein Magazin, woraus sich die Leser aus unterschiedlichen Artikelteasern (Bilder und Texte) eine Geschichte aussuchen sollten. Interessant war, dass die Leser über ein dominantes Element in die Gesichte einstiegen, wie etwa ein Foto mit einem Gesicht. Sie fixierten aber durchschnittlich 18 Elemente, bevor sie eine Entscheidung fällten. Der Auswahlprozess ist wichtig für das Durchhaltevermögen: Diejenigen, die den Artikel nicht zu Ende lasen, haben nur neun Mal über den Schirm geschaut.

100 Sekunden ist die magische Grenze

Im Schnitt verbrachten die User 98 Sekunden bei dem Artikel, den sie ausgesucht haben. Diejenigen, die die Geschichte nicht zu Ende lesen, verlassen sie nach etwa 78 Sekunden. Es ist also gut, dem Leser eine Marke zu setzen (visuelles Element), wenn die Geschichte etwa halb um ist.

Wie gelesen wird, hängt stark damit zusammen, welche Erfahrungen und Hintergründe die User haben.

  • 52% Scannen (schauen sie die Überschrift, Listen und andere Gliederungselement an, Lesen nur Teile der Geschichte und kehren, wenn sie sich was anschauen, nicht zum Lesepunkt zurück).
  • 48% lesen methodisch (also im herkömmlichen Sinn, Sie lesen den Text hintereinander und selbst, wenn sie woanders hinschauen, kehren sie zum Punkt zurück).
  • Verteilung: Digital Natives: 75% scannen, 25% lesen. Die Printgewohnten (zwischen 45 und 55 Jahren) bevorzugen eindeutig das methodische Lesen (76%), nur 24% scannen.

iPads und Smartphones Wörter im Fokus

Eine interssante Beobachtung ist auch, die taktile Interaktion mit dem IPad: 61% berühren den Bildschirm regelmäßig (lesen z.B. ein bis zwei Zeilen, dann wischen sie über den Bildschirm um die nächsten Zeilen besser ins Blickfeld zu rücken). Die User ziehen sich die Bereiche, die sie interessieren mit den Fingern in ihr Blickfeld und zoomen in die Artikel hinein. Diese wechselnden Perspektiven sind neu und es ist noch offen, wie man das Verhalten bei der Konzeption neuer Artikel berücksichtigen kann.

Fließende Wörter  – neue Lösungen für Smartphones

Aber es gibt nicht nur Änderungen beim User – es gibt auch Ansätze das Lesen am Smartphone noch weiter zu beschleunigen. Das Unternehmen „Spritz“ bietet eine App an, bei der man nicht mehr den kompletten Text sieht, sondern nur noch einzelne Wörter. Scannen und Skimmen kann man so nicht mehr – aber dafür schnell lesen…

 

Spritz

(Quelle: Screenshot http://www.spritzinc.com/)

 

 

 

 

 

 

 

clunc – Themenideen für die Konferenz

Der 11. Juli rückt immer näher und damit der Starttag von clunc – der Computerlinguistik-Unkonferenz. Und wie sich das für ein Barcamp gehört schlagen die Teilnehmer selbst Themen vor und tragen als Sprecher zum Erfolg der Unkonferenz bei. Ich habe mir ein paar Gedanken gemacht…

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clunc – die ComputerLinguistik-UNConference

clunc – das BarCamp für und über Computerlinguistik geht an den Start. Die Bedeutung der Computerlinguistik für unsere Welt ist unbestritten und mit den aktuellen Meldungen um den Roboterjournalismus wie beispielsweise in der Welt oder der Wirtschaftswoche ist ein weiterer Höhepunkt erreicht.

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Datenknappheit und Natural Language Generation

Datenknappheit im Zeitalter von „Big Data“? Kann es das geben, wo doch alles in riesigen Datenmengen zu ertrinken scheint und man hofft, von klugen Programmen die Aussagen aus den Daten gefiltert zu bekommen?

Aber gerade die Datenknappheit ist eines der größten Probleme im Umgang mit großen Datenmengen, die die New York Times anführt: Im Bereich von Text haben viele Robots wie etwa Suchmaschinen oder Übersetzungprogramme Schwierigkeiten genügend passendes Datenmaterial zu finden. Auch im Bereich der Computerlinguistik ist diese Knappheit natürlichsprachlicher Daten ein viel diskutiertes Kernthema. Entscheidende ist die Frage: Wie kann man ihr begegnen?

Natural Language Generation braucht riesige Mengen an Sprachmaterial

Sowohl beim Parsing von (Text-)Korpora, als auch bei der NLG (Natural Language Generation) spielen „ungesehene Textereignisse“ (engl. „unseen events“) immer wieder eine Rolle – vor allem bei der Beschreibung der Grenzen maschineller Verarbeitung von Text. Bisherige Text-Generierungs-Maschinen können Text im und aus dem Web nur aufarbeiten oder erkennen, sofern sie bekannte Muster einer Textsorte oder eines Stils bereits erlernt haben.

Das ist vor allem problematisch bei Textmaschinen, die mit N-Gramm-Methodiken arbeiten, da die Kompositionalität von Sprache und die synchrone Sprachentwicklung unentwegt fortschreiten. Neues Sprachmaterial wird dabei zur Herausforderung. Kürzlich hat Google seine umfangreiche Statistik zu Grammatik und Nachbarschaft von Wörtern öffentlich zur Verfügung gestellt: Ein riesiger Datenschatz in unzähligen Sprachen. Diese Veröffentlichung ist nicht ganz uneigennützig, denn auch bei Google hat man Interesse an der Weiterentwicklung der statistischen Sprachmodelle (language models) und hofft auf Unterstützung von anderen Forschern.

Textgenerierung: Zwischen Kreativität und Algorithmus  

Insgesamt leiten sich für die Zukunft der maschinellen Texterstellung zwei Hauptziele für die (wissenschaftliche und industrielle) Anwendung ab: Neben der Entwicklung von geeigneten Modellen zur Abbildung von Sprache und der Interpretation von Daten wird es auch darauf ankommen, Sprache automatisiert kreativ verwenden zu können. Den scheinbaren Widerspruch zwischen den Extremen „Kreativität“ und „Algorithmus“ aufzulösen, wird daher einen historischen Wendepunkt in der Generierung von Texten bedeuten.

Welt mit Mobile Update – verbesserte Lesbarkeit

Die mobilen Webseiten von Tageszeitungen habe ich in Text-Gold.de bereits die Lesbarkeit untersucht. Heute morgen beim Lesen sind mir die neuen Layouts der Welt aufgefallen.

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Leseverhalten am Bildschirm – Gibt es etwas Neues? (1)

Das T-Shirt können alle Internet-Surfer tragen, denn es zeigt den  Kernsatz für das Leserverhalten am Bildschirm: User lesen keine langen Texte.  Das galt seit Erfindung des Computers – aber hat  sich bis heute etwas verändert? Vor zwei Jahren gab es Hinweise, dass das Lesen am Tablet und Kindle etwas störungsfreier verläuft als am normalen Computerbildschirm.

Neue User-Generation bevorzugt den Bildschirm

Und tatsächlich scheint sich ein Generationenwechsel anzubahnen: Die Ergebnisse einer Studie  in Großbritannien, bei denen fast 35 000 acht bis 16-jährige teilnahmen, zeigen, dass die junge Generation lieber am Bildschirm liest als Gedrucktes. 52% zogen den Bildschirm vor, 32% lieber gedruckte Texte, der Rest war unentschieden. Die Vorliebe ergibt sich aus dem Alltag der Kinder: 39% lesen täglich am Computer und nur 28% lesen täglich gedruckte Texte. Ein anderes Ergebnis der Studie bringt mich zum ersten Posts dieses Blogs zurück: Die neue Mode aus Japan, Romane auf dem Handy zu lesen,  konnte ich nur mit den Unterschieden in den Schriftzeichen erklären. Heute gaben  23%  der Kinder an, Romane auf dem Handy zu lesen!

Kleine Bildschirme ermüden Augen stärker – E-Ink und Gedrucktes sind schonender

Man starrt auf den Bildschirm und blinzelt weniger häufig – was schneller zur Ermüdung der Augen führt. Das ist schon länger bekannt. Allerdings zeigen sich deutliche Unterschiede  zwischen normalen Bildschirmen und e-Ink-Geräten. Beim Lesen auf dem Kindle und auf Papier blinzelten die Leser etwa gleich häufig, während beim Bildschirm-Lesen die Blinzfrequenz wesentlich geringer ist, wie eine Vergleichsstudie zeigt. Und am anstrengendsten ist es, auf dem Smartphone zu lesen. Hier kommt dazu, dass die Smartphones so nah ans Gesicht gehalten werden, dass die Ermüdung noch schneller eintritt.  Alles keine guten Voraussetzungen, um sich auf die Inhalte zu konzentrieren.

(Fortsetzung folgt)

 

Roboterjournalismus – Wo sind seine Grenzen?

„Leser können automatisch erstellten Content nicht von Content unterscheiden, der von einem Menschen geschrieben ist“.  So formuliert  Christer Clerwall  ein wichtiges Ergebnis seiner  kleinen Studie zur Bewertung automatisiert erstellter Texte.

Die Robot-Grundsatzdebatte: Was können Menschen, das Roboter nie können werden?

Mit diesem Resultat hätte die Software, die den Text geschrieben hat eine Art „Lese“-Turing Test bestanden. Der britische Informatiker Alan Turing hatte den Test in der Mitte des vergangen Jahrhunderts entwickelt,  um festzustellen, ob eine Maschine ein dem Menschen gleichwertiges Denkvermögen hat. Der Test besteht in einem per Tastatur und Bildschirm geführten Dialog – der Proband muss entscheiden, ob hinter den Antworten eine Maschine oder ein Mensch steckt. Und schon sind wir drin in der Science Fiction-Roboterwelt und in der Grundsatzdebatte, die schon lange geführt wird und immer wieder interessant ist: Wo sind die Grenzen der Maschinen? Was können die Roboter nicht? ganzen Artikel lesen

Roboterjournalismus hat Zukunft

„Andererseits sollte niemand davon ausgehen, dass Roboter-Journalismus bloß eine Mode ist, die wieder verschwindet.“  (Prof. Dr. Michael Hess, Leiter des Instituts für Computerlinguistik der Universität Zürich)

(Quelle: PR-Magazin)

Ein solches Statement eines Schweizer Wissenschaftler hat Hand und Fuß und bestätigt meinen Eindruck der Diskussion der letzten Wochen: Es gibt zwar natürlich Journalisten, die befürchten, die Software würde ihre Arbeitsplätze gefährden. Aber es zweifelt eigentlich niemand daran, dass man in Zukunft mit den semantischen Technologien rechnen muss. Ein Überblick über die neuesten Berichte über Roboterjournalismus folgt in Kürze.

 

Erdbeben in LA löst automatisierte News aus – eine kleine Presseschau

Letzte Woche habe ich skizziert, wie „automatisierte News“ in Zukunft den Journalismus prägen könnten und hatte Sorge, dass das automatische Erstellen von Nachrichten sich für viele liest, wie ein Science-Fiction ohne zu großen Realitätsbezug. Doch noch am selben Tag brachte ein Erdbeben den Realitätsbeweis: In Westwood (Stadtteil von Los Angeles) bebte die Erde stark genug um einen lokalen Nachrichtenwert zu haben. Die Messung der Erschütterungen löste wiederum die Aktivierung des Quakebots aus, der eine automatisierte Nachricht erstellte. Und diese fand ein weitaus größeres Echo in der internationalen Presse!

Hier eine kleine Auswahl der deutschsprachigen Schlagzeilen:

Algorithmus macht Journalismus“ – bei zeit online  räumt Pavel Lokshin  ein, dass solche Algorithmen Journalisten langweilige Routineaufgaben abnehmen können und macht für sein Fazit ebenfalls den berühmten Ausflug in’s Kulinarische:

Dass menschengemachter Journalismus zum Nischenprodukt wird, wie handgeschöpftes Papier oder Olivenöl aus bei Vollmond geernteten Früchten, ist aber nicht zu erwarten.

Die ausführlichste und lesenswerteste Auseinandersetzung mit diesem Thema ist auf netzpolitik.org unter dem Titel „Was ist eigentlich Roboterjournalismus? Teil 1: Was die Softwaremaschinen können werden“ zu finden. Lorenz Matzat arbeitet genau heraus, welche Unterstützung solche intelligente Software für den Journalisten sein können, was heute schon möglich ist und wohin die Reise für die Journalisten, die Medien und die automatisierten Textprogramme gehen kann.  Noch hinken die Entwicklungen in Deutschland, den Möglichkeiten der USA hinterher:

Bislang fehlen hierzulande noch die Softwareanbieter, die Roboterjournalisten im Programm führen. ganzen Artikel lesen

Automatisierte News und die Debatte zur Zukunft der Zeitung

Muss jetzt die Politik ran, um den Journalismus zu retten? Die rot-grüne Landesregierung will dem Lokal- und Regionaljournalismus in Nordrheinwestfalen durch eine Stiftung aus der Patsche helfen. Ob das klappt? Tatsächlich wird seit längerer Zeit händeringend nach Abhilfe in der Verlags- und Zeitungskrise gesucht und über Ursachen und Zukunft der Zeitung diskutiert. Über seine Traumzeitung und Pommesbuden sinniert Daniel Bröckerhoff in dem Dossier „2020 – Die Zeitungsdebatte“ auf spiegel.de, präsentiert die interessantesten Ansätze des aktuellen Diskurses  und stellt fest, dass aktuelle Informationen so wertvoll sind, wie Salz und Pfeffer:

“ Man braucht sie, aber man bekommt sie im Hunderterpack gratis hinterhergeschmissen. Und genau soviel Geld kann man auch damit verdienen. Natürlich gibt es für den Gourmet handgeschöpftes Himalayasalz und seltene Biopfeffersorten aus ausgewählten Plantagen, für die viel Geld bezahlt wird. Aber die Mehrheit frisst das Müll-Salz für 69 Cent aus dem Discounter.“

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