Roboterjournalismus hat Zukunft

“Andererseits sollte niemand davon ausgehen, dass Roboter-Journalismus bloß eine Mode ist, die wieder verschwindet.”  (Prof. Dr. Michael Hess, Leiter des Instituts für Computerlinguistik der Universität Zürich)

(Quelle: PR-Magazin)

Ein solches Statement eines Schweizer Wissenschaftler hat Hand und Fuß und bestätigt meinen Eindruck der Diskussion der letzten Wochen: Es gibt zwar natürlich Journalisten, die befürchten, die Software würde ihre Arbeitsplätze gefährden. Aber es zweifelt eigentlich niemand daran, dass man in Zukunft mit den semantischen Technologien rechnen muss. Ein Überblick über die neuesten Berichte über Roboterjournalismus folgt in Kürze.

 

Erdbeben in LA löst automatisierte News aus – eine kleine Presseschau

Letzte Woche habe ich skizziert, wie “automatisierte News” in Zukunft den Journalismus prägen könnten und hatte Sorge, dass das automatische Erstellen von Nachrichten sich für viele liest, wie ein Science-Fiction ohne zu großen Realitätsbezug. Doch noch am selben Tag brachte ein Erdbeben den Realitätsbeweis: In Westwood (Stadtteil von Los Angeles) bebte die Erde stark genug um einen lokalen Nachrichtenwert zu haben. Die Messung der Erschütterungen löste wiederum die Aktivierung des Quakebots aus, der eine automatisierte Nachricht erstellte. Und diese fand ein weitaus größeres Echo in der internationalen Presse!

Hier eine kleine Auswahl der deutschsprachigen Schlagzeilen:

Algorithmus macht Journalismus” – bei zeit online  räumt Pavel Lokshin  ein, dass solche Algorithmen Journalisten langweilige Routineaufgaben abnehmen können und macht für sein Fazit ebenfalls den berühmten Ausflug in’s Kulinarische:

Dass menschengemachter Journalismus zum Nischenprodukt wird, wie handgeschöpftes Papier oder Olivenöl aus bei Vollmond geernteten Früchten, ist aber nicht zu erwarten.

Die ausführlichste und lesenswerteste Auseinandersetzung mit diesem Thema ist auf netzpolitik.org unter dem Titel “Was ist eigentlich Roboterjournalismus? Teil 1: Was die Softwaremaschinen können werden” zu finden. Lorenz Matzat arbeitet genau heraus, welche Unterstützung solche intelligente Software für den Journalisten sein können, was heute schon möglich ist und wohin die Reise für die Journalisten, die Medien und die automatisierten Textprogramme gehen kann.  Noch hinken die Entwicklungen in Deutschland, den Möglichkeiten der USA hinterher:

Bislang fehlen hierzulande noch die Softwareanbieter, die Roboterjournalisten im Programm führen. ganzen Artikel lesen

Automatisierte News und die Debatte zur Zukunft der Zeitung

Muss jetzt die Politik ran, um den Journalismus zu retten? Die rot-grüne Landesregierung will dem Lokal- und Regionaljournalismus in Nordrheinwestfalen durch eine Stiftung aus der Patsche helfen. Ob das klappt? Tatsächlich wird seit längerer Zeit händeringend nach Abhilfe in der Verlags- und Zeitungskrise gesucht und über Ursachen und Zukunft der Zeitung diskutiert. Über seine Traumzeitung und Pommesbuden sinniert Daniel Bröckerhoff in dem Dossier “2020 – Die Zeitungsdebatte” auf spiegel.de, präsentiert die interessantesten Ansätze des aktuellen Diskurses  und stellt fest, dass aktuelle Informationen so wertvoll sind, wie Salz und Pfeffer:

” Man braucht sie, aber man bekommt sie im Hunderterpack gratis hinterhergeschmissen. Und genau soviel Geld kann man auch damit verdienen. Natürlich gibt es für den Gourmet handgeschöpftes Himalayasalz und seltene Biopfeffersorten aus ausgewählten Plantagen, für die viel Geld bezahlt wird. Aber die Mehrheit frisst das Müll-Salz für 69 Cent aus dem Discounter.”

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Social Media Trends: Pinterest nicht ohne Aufwand für Unternehmen (Teil 6)

Das Urheberrecht ist der Pferdefuß bei Pinterest – das wurde in Teil 5 dieser Pinterest-Reihe deutlich. Heute geht es darum, was man als Unternehmen berücksichtigen muss, wenn man Pinterest z.B. als Marketinginstrument einsetzen möchte.

Rechtlich einwandfreie Bilder pinnen ist aufwändig und teuer

Für Unternehmen ist Carsten Ulrbichts Tipp, sich bei Pinterest anonym anzumelden, um einer möglichen Abmahnung zum entgehen, unbrauchbar.  Wer das tut verstößt im Übrigen auch gegen die Nutzungsbedingungen von Pinterest, das die Verantwortung für das Urheberrecht beim User belässt. Wenn Sie also Pinterest rechtlich korrekt nutzen wollen, haben Sie einen relativ großen Aufwand:

  • Sie bleiben auf dem sichersten Weg und pinnen nur Bilder, bei denen Sie selbst Inhaber des Urheberrechtes sind. Das setzt voraus, dass Sie im Unternehmen über einen großen Pool eigene oder eingekaufte Bilder verfügen und auf das Repinnen verzichten.
  • Sie holen sich die Erlaubnis des Urhebers ein. Dafür müssen Sie für jeden Pin und Repin eine (mehr oder weniger aufwändige) Recherche durchführen und mit den Rechteinhaber kommunizieren. Dies schränkt natürlich auch ein, wenn Sie nicht herausfinden, wem die Bilder wirklich gehören oder wenn Sie den Kontakt zum Rechteinhaber nicht herstellen können.
  • Sie stüzen sich auf Indizien, dass der Rechteinhaber mit einem Pinnen bei Pinterest einverstanden ist. Wenn z.B. unter einem Blogpost ein “Pin it”-Button zu finden ist, kann man davon ausgehen, dass der Inhaber mit dem Pinnen einverstanden ist. Das muss für jeden Repin ebenso geprüft werden und ist rechtlich nicht absolut wasserfest.

Ohne eigene Bilder, ohne strategisches Konzept und ohne Aufwand – kein Pinteresterfolg

Ganz gleich, welchen Weg Sie wählen, an Bilder zu kommen – auf jeden Fall brauchen Sie eine Menge davon und Sie müssen sich einen Weg überlegen, wie Sie Ihre Produkte und Ihr Unternehmen in Bildern darstellen können. Das ist für einige Branchen kein größeres Problem: Ein Tourismusunternehmen muss für Website, Kataloge oder Broschüren Bilder machen lassen, die es auch für Pinterest nutzen kann.

Branchen, die visuell keinen so großen Anreiz bieten, brauchen andere Strategien  – wie z.B. nützliche Infografiken zur Verfügung zu stellen – oder sie müssen auf Randbereiche ihres Unternehmens schauen.

Unternehmen aus “nicht-visuellen” Branchen brauchen kreative Strategien

Ein Beispiel für einen Pinterest-Erfolg der eher als “nicht-visuell” eingeschätzten Versicherungsbranche  ist die Haustier-Versicherung “petplan“. Das Unternehmen hat 44 Boards bei Pinterest und gute Einfälle bei der Erstellung von Board-Themen: ” Western Veterinary Conference”, “Take Your Pet to Work Week” oder “Pet Health Tips”. Auf einem Board sind alle Produkte gesammelt, die petplan “mag”. Insgesamt sind es knapp 4000 Pins, die erstellt, gepflegt und gegebenenfalls gelöscht werden müssen.

Anders als bei Facebook oder Twitter rutschen die Inhalte nicht einfach von selbst nach hinten in der Chronik und verschwinden faktisch irgendwann. Die Boards und die Pins bleiben auf Ihrer Profilseite und geben so ein bleibendes Statement über Ihr Unternehmen ab. Deswegen müssen Boards und Pins immer wieder überarbeitet und angepasst werden.

Pinterest Aktivitäten erfordern immer Aktivitäten auf der Website

Und dazu kommen einige Arbeiten auf der Website – wenn das Pinterest-Engagement nicht nur reine Spielerei bleiben soll. Um Pinterest-Nutzer auf die eigenen Website zu holen, muss zu jedem gepinnten Bild eine passende Seite auf der Website vorhanden sein. Idealerweise ist das Bild selbst auf dieser Web-Seite zu finden – dann können entweder Sie selbst oder ein anderer Besucher Ihrer Website dieses Bild (und den dazugehörigen Link) an ein Board in Pinterest festmachen.

Dazu kommt, dass die Pinterst-Aktivitäten immer auch in SEO-Hinsicht mit der Website abgestimmt werden müssen. Unter welchen Keywords soll die Seite bei Google gefunden werden? Unter welchen Keywords soll der Pin oder das Board in Pinterest gefunden werden? Wie kann man diese beiden Projekte sinnvoll abstimmen? Hier ist viel Abstimmungsaufwand gefragt – vielleicht ist es in manchen Fällen angebracht, Pinterest als zusätzlichen Bereich der Website zu betrachten und in die dazugehörigen Abläufe und Planungen einzubinden.

Pinterest auf der Überholspur (1)
Social Media Trends: Pinterest – Nutzer und Themen (2)
Social Media Trends: Pinterest im E-Commerce (3)
Social Media Trends: Was können Unternehmen bei Pinterest tun? (4)
Social Media Trends: Pinterest Risiko Urheberrecht (Teil 5)

Corporate Blogs: Was macht sie erfolgreich?

Eine neue Studie stellt den Sinn des Corporate Blogging in Frage. Die Themen seien langweilig, die Leser interessiert es nicht und Interaktion ist Mangelware. Sind Unternehmensblogs also ein einziger großer Irrtum?

Die Häfte der DAX30-Unternehmen bloggen –  Leserreaktionen sind eher selten

“Content Marketing ist tot”. Mit seiner provokanten These, die Wirtschaftsjournalist und Blogger Jochen Mai als Ergebnis seiner Studie „Corporate Blogs 2014“ präsentierte, stieß er eine angeregte Debatte über Sinn und Unsinn von Unternehmensblogs an. Seine Analyse ergab, dass nur jedes zweite DAX30-Unternehmen einen eigenen Blog betreibt. Zudem stünden alle Betreiber vor dem gleichen Problem: die Interaktion mit den Lesern fehlt. Fast 65 Prozent der untersuchten Blogs erhalten keinerlei Kommentare auf einen Artikel. Der Rest sammelt durchschnittlich zwei Leserreaktionen pro Artikel. ganzen Artikel lesen

Social Media Trends: Pinterest Risiko Urheberrecht (Teil 5)

Das ist das Pinterest-Traumbild: eine große bunte Bilderwelt mit Usern, die gerne teilen, was ihnen gefällt, den Links folgen und sich von schönen Bildern zum Kaufen anregen lassen. Auch wenn die genauere und mit Grauschattierungen versehene Gesamtschau der bisherigen Teile der Pinterest-Reihe nicht immer eine Jubelarie war, bleibt der Eindruck doch sehr positiv. Gibt es keinen Haken? Was kann man sehen, wenn man die rosa Brille abnimmt?

Urheberrechte – der Pferdefuß bei Pinterest

Der größte Haken bei Pinterest ist das Urheberrecht. Das kann man nicht oft genug wiederholen: Die meisten gepinnten Bilder auf Pinterest sind im Prinzip ein einziger Urheberrechtsverstoß: Die meisten User kümmern sich beim Pinnen und Repinnen nicht darum, wer die Rechte an diesem Bild hat oder fragen an, ob sie das Bild verwenden dürfen. Ist ein solcher umbekümmerter Umgang mit Bildrechten ohne Folgen, weil einfach noch niemand geklagt hat?  ganzen Artikel lesen

Lesbarkeit mobiler Presseseiten

Bereits in einem früheren Artikel verglich ich 2 Meldungen im Hinblick auf die Lesbarkeit der Mobile Seiten der FAZ und des Spiegels. Heute will ich diesen Vergleich etwas erweitern. Neben einem Blick auf die Meldung im Spiegel – dem Sieger des letzten Vergleichs – untersuche ich weitere Kandidaten:

  • Zeit
  • Welt
  • Focus
  • Süddeutsche Zeitung

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Social Media Trends: Was können Unternehmen bei Pinterest tun? (4)

In Teil 2 und Teil 3 der Pinterest-Reihe haben die Auswertung des Wordings und der Themen sowie die Anlyse des Nutzerverhaltens deutlich gemacht, dass gerade im E-Commerce eine Stärke von Pinterest liegt. Hier hat sich Pinterest bereits neben – zum Teil aber schon vor anderen sozialen Plattformen etabliert.

Gleichzeitig signalisieren die Macher von Pinterest immer deutlicher, dass sie ihre Plattform nicht allein für private Boards vorgesehen haben, sondern durchaus auch eindeutige kommerzielle Belange integriert werden sollen. Welche Möglichkeiten bieten sich nun den Unternehmen bei der Nutzung von Pinterest? Und wie wird die Plattform von Unternehmen genutzt? ganzen Artikel lesen

Prüfen oder Löschen? Vom Umgang mit großen Content-Mengen

Auf einer Website alle Informationen zu finden, die das Unternehmen betreffen und so User zu ermöglichen, stundenlang lesend durch die Seiten zu gondeln – Das klingt für einige Website-Betreiber verlockend. Doch früher oder später kann das zum Alptraum werden:

  • zu viele Inhalte verwirren die User, weil oft nicht klar ist, was denn jetzt noch aktuell und gültig ist
  • frustieren sie, weil die Suchergebnisse fünfzehn Seiten umfassen
  • und überfordern fasst jede vernünftige Navigation

Zu einem tragenden Website-Konzept muss also immer eine Lösung für ein solches Anwachsen gefunden werden. ganzen Artikel lesen

Social Media Trends: Pinterest im E-Commerce (3)

Nachdem das Nutzerverhalten auf dem Board, die Analyse der Sujets und der Sprache bei Pinterest (siehe Teil 2) deutliche Indizien dafür gegeben haben, dass Produkte und das “Haben-Wollen” ein zentrales Thema bei den Usern dieser sozialen Plattform ist, soll in diesem Teil der Pinterest-Nutzer als Kunde genauer betrachtet werden. Das ist kein marginales Thema, denn Pinterest-Empfehlungen werden gekauft (Studie von compete) – vor allem von Männern. ganzen Artikel lesen