Herausforderung für die Redaktionsorganisation: Multitasking ist ineffizient

Online-Redakteure sind Alleskönner – das hatten wir bereits in der Content Studie 2007/1 festgestellt. Doch Allrounder zu sein bedeutet auch, eine Vielzahl von Aufgaben parallel bewältigen zu müssen. Dass diese Art zu arbeiten nicht effizient ist, haben nun Forscher der Universität Stanford herausgefunden.

Online-Redakteure recherchieren, schreiben Texte, beantworten nebenher E-Mails, pflegen Inhalte ins CMS ein und bearbeiten zeitgleich schnell noch ein Bild in einem Grafikprogramm. Kurz: Online-Redakteure erledigen oft mehrere Aufgaben synchron. Durch die wachsende Bedeutung von Social Media kommt hinzu, dass zudem getwittert, das Facebook-Profil gepflegt und die Xing-Gruppe moderiert wird. Dabei heraus kommt: klassisches Multitasking.

Die Forscher beschreiben in ihrem Paper „Cognitive control in media multitaskers„, dass es Multitaskern schwer falle, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und irrelevante Informationen auszublenden. Multitasker benötigten mehr Zeit, eine Aufgabe zu lösen, wenn zwischendurch störende Signale eingeblendet würden.

Andererseits ist die Fähigkeit, mehrere Kanäle oder Medien parallel zu nutzen, eine Hauptanforderung an Online-Redakteure in der heutigen Zeit. Die Forscher beschreiben die Herausforderung treffend:

These results demonstrate that media multitasking, a rapidly growing societal trend, is associated with a distinct approach to fundamental information processing.

Was bedeutet das nun für die Redaktionsorganisation? Aus den Erkenntnissen der Forscher folgt der logische Schluss, dass eine Online-Redaktion funktional organisiert werden müsste. Statt Generalisierung (alle machen alles) müsste Spezialisierung (jeder konzentriert sich auf je eine Aufgabe) gelebt werden.

Was halten Sie von dieser Idee? Ist Multitasking Segen oder Fluch? Wie organisieren Sie Ihre Redaktion? Gibt es bei Ihnen einen „Twitterer“, einen Rechercheur, einen Blogger, einen Content-Manager oder machen alle alles?

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4 Kommentare zu “Herausforderung für die Redaktionsorganisation: Multitasking ist ineffizient”

  1. Thorsten Wilhelm  on November 23rd, 2009

    Vielen Dank für den Beitrag … ein Problem das sicherlich nicht nur Online-Redakteure haben, aber die wohl besonders, da sie ja irgendwie immer interne Dienstleister sind und damit viele Anspruchsgruppen haben (und diesen „dienen müssen“) … wie genau kann man sich hier aber eine funktionale Organisation vorstellen?

  2. Saim Alkan  on November 23rd, 2009

    Hallo Thorsten. Erst Mal ALLES GUTE NACHTRÄGLICH! 😉

    Zu Deiner Frage. Ein Beispiel: Ein Unternehmen trennt den Rechercheur vom Schreiber und vom Lektor.
    Konzentration im Prozess statt einer Vielzahl von Aufgaben.
    Problem: Die Arbeitszufriedenheit in einer solchen Arbeitsteilung. Aber gerade im Relaunch oder Launch einer Website ein interessantes Modell für effiziente und effektive Inhalte.

  3. Artikeljunky : Lesestoff Von Profis - Ausgabe 1 | strebereck.de  on Januar 30th, 2010

    […] die keine großen Summen für Design ausgeben möchten.  WebWorkerDaily Herausforderung für die Redaktionsorganisation: Multitasking ist ineffizient Artikel über den Nachteil wenn man viele Dinge gleichzeitig macht.  […]

  4. Alexander Thoms  on Mai 1st, 2010

    Das wäre dann ja das anglo-amerikanische Redaktionsmodell – das ist natürlich historisch völlig anders gewachsen, der Begriff des Redakteurs in Deutschland war ja immer schon multifunktional verstanden. Bei einer weitgehend monofunktionalen Organisation ist die Unzufriedenheit – wie Herr Alkan angesprochen hat, natürlich problematisch.

    Dazu drei Kontexte zum Ausdifferenzieren:

    Die Unzufrriedenheit ob der immer gleichen Aufgaben ist in Deutschland aufgrund der eingangs geschilderten Geschichte per se höher. In anglo-amerikanischen Redaktionen existiert das viel weniger, da sich das Berufsverständnis an sich ja monofunktional gebiert. Reporter sind Reporter, wollten das werden, und sammeln eben Informationen für die Story. Punkt. Sonst wären diese eben Editors geworden.

    Außerdem spielt auch die Qualität eine wesentliche Rolle. Die selbe Person, die gleiche Aufgaben täglich erledigt, kann Qualität viel besser kontrollieren und Standards setzen und einhalten. Wenn jeder Redakteur nach eigenem Gusto an einem Text schreibt, differieren Stil, Qualität, Tiefe etc. natürlich viel eher und wesentlich stärker.

    Und schließlich ist auch das Prinzip der Rotation mit einem festen (kleinen) Redakteursstamm (Schulungen notwendig -> Kosten!) ein Schritt zu einer modifizierten funktionalen Aufteilung. Ob diese Rotation nun per Arbeitszeitanteil sehr genormt festgelegt wird (Planbarkeit des Arbeitsalltages ist ja ganz gern gesehen) oder durch pauschale Absprachen o.ä. (drei Tage pro Monat/Redakteur ab in die Online-Red.) würde ich ganz fallspezifisch sehen.

    Nochmal zum Artikel: Spezialisierung für Aufgaben in diesem Sinn ist sicherlich trotzdem sinnvoll. Dabei sollte m.E. aber die Natur der Aufgabe nicht vergessen werden. Ein Community-Manager in einer Zeitungsredaktion z.B. versogt dann eben die ganze social media-Schiene, hat daneben ausreichend mit Informationskoordination zu tun. Das wäre dann immer noch als funktionale Organisation einzuorden, kann aber trotzdem recht „abwechslungsreich“ ausgestaltet werden unter Rücksicht eines Qualitätsverständnisses.

    MfG,
    Alex Thoms


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