Begehrt und gefürchtet

Der Umgang mit Leserkommentaren auf Web-Sites bereitet vielen US-Zeitungen Schwierigkeiten.

Interaktivität im Internet ist längst kein Modewort mehr, sondern ein Standard. Die meisten Redaktionen interessiert die Meinung ihrer Leser und sie machen es ihnen leicht, einen Kommentar zu einem Thema abzugeben. Wer mehr Beteiligung des Publikums will, der richtet ein Forum für den Austausch ein, denn das schafft einen hohen Grad an Leserbindung und garantiert verlässliche Besucherzahlen. Nicht selten lassen sich die Leserbeiträge für die redaktionelle Arbeit nutzen.

Um solche positiven Effekte zu erzielen, stellen die Redaktionen vieler Zeitungen in den USA ihren Lesern im Internet eine Plattform zum Diskutieren zur Verfügung. Doch in der Praxis zeigen sich die Schwierigkeiten. Darüber berichten in einem identischen Artikel (nur Überschrift und Teaser unterscheiden sich) spiegel.de, stern.de, baz.ch, handelsblatt.com, nettribune.de, dieneueepoche.com und yahoo.com.

Überraschend für viele Redaktionen ist der Arbeitsaufwand, der mit dem aktiven Leser verbunden ist. Mit Software alleine lassen sich Spam und unpassende oder ausfallende Kommentare nicht filtern, zusätzlich müssen Redakteure die Beiträge lesen und überwachen. Das kostet viel Zeit und Zeit ist bekanntermaßen Geld.

Doch selbst wenn Ressourcen vorhanden sind, müssen die Redaktionen sich darüber einigen, wie weit sie Leserkommentare oder Forenbeiträge zensieren oder lenkend in die Diskussionen eingreifen sollen. Dabei scheuen viele Verleger nicht nur die zusätzlichen Kosten einer intensiven Betreuung, sondern befürchten auch, dass zuviel Kontrolle die Leser vertreibt.

Die Redaktion der „New York Times“ ist da völlig anderer Meinung: Die Leserbeiträge werden gründlich gesichtet und nötigenfalls entfernt.

„Ich kann die Leute nicht verstehen, die sagen, ‘wir kapitulieren einfach vor den irrelevanten Informationen auf unserer Website’.“sagt Vivian Schiller, Vizepräsidentin und Geschäftsführerin von NYTimes.com .

Ihrer Meinung nach soll sich die Qualität der Zeitung auch im Internet spiegeln.

Zu strenge Auslese mag das Angebot qualitativ hochwertig halten, kann allerdings auf der anderen Seite Leser verärgern und vertreiben. Keine leichte Aufgabe für die Redaktionen, hier ihre eigene Position zu finden. Sie sollte ihren Lesern Raum für eine lebendige Beteiligung geben – was durchaus auch hitzige Diskussionen mit umstrittenen Meinungen umfasst und gleichzeitig die entstehende Community vor Angriffen, Unflätigkeiten, aber auch vor irrelevanten, werbenden oder langweiligen Beiträgen schützt.

Wie die Redaktionen das lösen, hängt zum einem von ihrem Selbstverständnis, von ihrer Auffassung von Qualität und vor allem von der Zielgruppe ab. Und natürlich auch von der Personaldecke in der Redaktion.

Fazit: Interaktivität heißt, dass der Leser aktiv werden kann und die Redaktion aktiv werden muss.

http://www.text-gold.de/wp-content/plugins/sociofluid/images/twitter_48.png http://www.text-gold.de/wp-content/plugins/sociofluid/images/google_48.png http://www.text-gold.de/wp-content/plugins/sociofluid/images/stumbleupon_48.png http://www.text-gold.de/wp-content/plugins/sociofluid/images/delicious_48.png http://www.text-gold.de/wp-content/plugins/sociofluid/images/digg_48.png http://www.text-gold.de/wp-content/plugins/sociofluid/images/reddit_48.png http://www.text-gold.de/wp-content/plugins/sociofluid/images/dzone_48.png http://www.text-gold.de/wp-content/plugins/sociofluid/images/blinklist_48.png http://www.text-gold.de/wp-content/plugins/sociofluid/images/blogmarks_48.png http://www.text-gold.de/wp-content/plugins/sociofluid/images/furl_48.png http://www.text-gold.de/wp-content/plugins/sociofluid/images/newsvine_48.png http://www.text-gold.de/wp-content/plugins/sociofluid/images/technorati_48.png http://www.text-gold.de/wp-content/plugins/sociofluid/images/magnolia_48.png http://www.text-gold.de/wp-content/plugins/sociofluid/images/myspace_48.png http://www.text-gold.de/wp-content/plugins/sociofluid/images/facebook_48.png http://www.text-gold.de/wp-content/plugins/sociofluid/images/yahoobuzz_48.png

Ein Kommentar zu “Begehrt und gefürchtet”

  1. Zügel stramm halten?  on Dezember 11th, 2007

    [...] Begehrt und gefürchtet – der Umgang mit Leserkommentaren ist für die Online-Redaktion eine echte Herausforderung. Glaubwürdig bleibt eine Web-Site nur, wenn keine inhaltliche Zensur stattfindet und kein Verdacht auf Schönfärberei entstehen kann. Allerdings besteht immer die Gefahr, dass Kommentare abgegeben werden, die das Niveau einer Web-Site nicht gerade heben. Im harmlosesten Fall sind sie nur informationsfrei – im schlimmsten Fall diffamierend oder beleidigend. [...]


Kommentare