SEO-Maßnahmen für die Intranet-Suche? (4)

Eine interessante Gegenposition zu meiner Idee, SEO-Maßnahmen für die Intranet-Suche einzusetzen, hat Robert Weißgraeber in seinem Artikel (mit der etwas provokativ formulierten) Überschrift „Keine SEO-Maßnahmen für die Intranet-Suche!“ bezogen. Und ich steige gerne in den von ihm gewünschten „konstruktiven Diskurs“ ein.

Im Großen und Ganzen führt er die grundsätzlichen Unterschiede zwischen der Internet- und der Intranet Suche an, die mir bei meinem Gedankenexperiment präsent waren, die ich aber nicht näher ausgeführt hatte, weil sie für meine Argumentation keine Rolle gespielt haben:

  • Während im Internet die Datenquellen (relativ) einheitlich sind – also vor allem HTML-Dokumente, müssen im Intranet unterschiedlichste Datenquellen (Datenbanken, Office-Dokumente, E-Mails usw.) durchsucht werden.
  • Im Intranet fehlt die Wettbewerbssituation, die die Suchmaschinenoptimierung maßgeblich beeinflusst. Im Intranet gibt es keinen Spam und kein Ellenbogenverhalten, um auf die Trefferliste ganz nach oben zu kommen.

Diese Unterschiede beinflussen die Suchtechnologie und wahrscheinlich auch das Ranking, trotzdem kann ich die Ableitungen von Robert Weißgraeber nicht in allem Umfang nachvollziehen:

Im Unterschied zur Internet-Suche ist allerdings in einem Unternehmen davon auszugehen, dass alle möglichen Treffer eine zumindest annehmbare Relevanz haben – während beispielsweise Google also zunächst mit dem Aussieben irrelevanten Contents beschäftigt ist, (…)

Klar, im Unternehmen gibt es keinen Spam, aber ob alle angezeigten Treffer wirklich von annehmbarer Relevanz sind – da habe ich meine Zweifel. Das hängt zum einen von dem Suchbegriff ab und von seiner Vagheit und zum anderen vom Informationsbedürfnis des Users. Je weniger der User sein Informationsbedürfnis präzise ausdrücken kann und desto vager sein Begriff, desto größer die Treffermenge. Je punktueller die Suche ist, desto eher werden viele Treffer als irrelevant eingestuft, denn nur ein User kann beurteilen, ob die Suchergebnisse wirklich annehmbare Relevanz haben (siehe dazu den Begriff der Pertinenz). Bei den großen Datenmengen in den Unternehmen kann ich mir schwer vorstellen, dass ein Mitarbeiter bei tausenden von Fundstellen der Behauptung diese seien doch zumindest „annehmbar relevant“ zustimmen würde.

Einen interessantes Problemfeld für die Intranet-Suche eröffnet Robert Weißgraeber mit seinen Überlegungen zum Unterschied von „bewusst publiziertem“ und „nicht explizit verwaltetem“ Content. Es gibt sehr viele Inhalte bei der Unternehmenssuche, die nicht redaktionell bearbeitet sind, die sich also pflegender SEO-Maßnahmen entziehen. Die Heterogenität der Inhalte führt er als Gegenargument zu SEO-Maßnahmen an: „Keyworddichte, Links etc. sind im Intranet aber nicht als Ranking-Signal nutzbar, da die Vermischung von Datenquellen den effektiven Vorteil zunichte macht.“

Ich dagegen sehe die Vielfalt der Inhalte als Herausforderung für ihre Integration in die Konzeption des Intranets bzw. in die redaktionellen Abläufe. Ein kurzes Beispiel: Vorlagen für bestimmte Briefformen – in der Regel werden sie als Dokumentvorlagen gespeichert. Warum aber nicht eine HTML-Seite für das Intranet entwickeln, wo die wichtigsten Dokumentvorlagen vorgestellt und verlinkt werden. Wobei für das HTML-Dokument die Meta-Daten leicht gepflegt werden können.

Auf die angekündigten weiteren Ausführungen bin ich sehr gespannt, weil ich finde, dass die Intranet-Suche (bzw. die unternehmensweite Suche) ein so entscheidender Bereich des Intranets ist, für den bis heute die wenigsten Unternehmen wirklich befriedigende Lösungen gefunden haben. Unterschiedliche Betrachtungsweisen können da nur nützlich sein.

Teil 1

Teil 2

Teil 3

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3 Kommentare zu “SEO-Maßnahmen für die Intranet-Suche? (4)”

  1. Tom Schwede  on März 8th, 2011

    >Im Intranet gibt es keinen Spam und kein Ellenbogenverhalten, um auf die Trefferliste ganz nach oben zu kommen.

    Das erlebe ich im Intranet meines Arbeitgebers völlig anders. Natürlich gibt es diesen Wettstreit.

  2. Saim Alkan  on März 9th, 2011

    Finde ich sehr interessant Herr Schwede, denn in der Regel ist das fehlende Bewusstsein der Intranet-Autoren für die interne Suchmaschinenoptimierung ein großes Problem in den Unternehmen.
    Ich fände es sehr interssant, mehr Einblick in die Wettbewerbssituation in ihrem Intranet zu bekommen.

  3. Michael Terpe  on März 10th, 2011

    Bei uns in der Firma nutzen wir inter:gator (www.intergator.de) und versuchen so, die Problematik unter anderem mit Social Search-Ansätzen anzugehen: Wird ein Treffer von Nutzern als Favorit getagt, weisen zukünftige Suchen den Treffer gesondert aus, wenn er zur Ergebnisliste zählt. Auf diese Weise kombinieren wir automatische Verschlagwortung mit einer Art Intranet-SEO, die vom User verwendeten Tags erhöhen nicht den Rankingwert, sondern beeinflussen die Treffergruppierung. Ein Optimierer könnte alle für den Arbeitstag relevanten Dokumente mit möglichen Stichworten favorisieren und diese tauchen dann bei damit in Zusammenhang stehenden Suchen prominent auf.


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