Verlage 3.0? Neue Geschäftsfelder für Content – ein Veranstaltungsfazit

Es ist nicht nur die aktuelle Bankenkrise, die die Verlage leiden lässt. Schon seit einiger Zeit wird in der Branche die Krise ausgerufen. Was den Verlagen in der Situation bleibt? Am besten wohl einen Innovationskurs einschlagen und neue Geschäftsfelder für Content erschließen. Und mit diesen Schlagworten hat die MFG Baden-Württemberg am 24. November ihre Veranstaltung betitelt. Vortragende und Publikum sollten erörtern, wie Verlage die Herausforderungen des Internets erfolgreich meistern und welche Content-Strategien Erfolg versprechend sind. Als Moderator habe ich eine interessante Veranstaltung mit teilweise überraschenden Ansätzen und Diskussionen erlebt.

Fokus: Produkte und Prozesse

Gleich die erste Vortragende, Dr. Ulrike Handel – General Managerin Marketing & Vertrieb der WELT GRUPPE / BERLINER MORGENPOST und Mitglied der Verlagsgeschäftsführung – führt ein beinahe visonär anmutendes Szenario vor. So weit kann Produktentwicklung im publizistischen Bereich schon heute gehen: Bei der Welt Gruppe gibt es keine getrennten Print-, Online- oder TV-Produkte mehr. Vielmehr werden Themen für alle Medien aufbereitet. Auch die Werbung wird nicht mehr getrennt. Den Kunden wird ein individuelles Werbepaket über alle Kanäle angeboten.

Diese Vernetzung spiegelt sich auch in den Arbeitsprozessen der Redaktion wider: Die vieldiskutierte Newsroom-Idee ist hier konsequent umgesetzt. Jeder Redakteur schreibt, fotografiert und filmt für jedes Medium.

Fokus: Mitarbeiter

Dr. Jens Stief, Chief eBusiness Officer und Prokurist bei der Georg Thieme Verlag KG, machte sich Gedanken, wie man die Mitarbeiter bei den anstehenden Änderungen am besten einbeziehen kann. Wie geht man mit Mitarbeitern um, die die neuen Arbeitsweisen nicht mitmachen können und/oder wollen? Links liegen lassen, abschieben? Stief gab zu bedenken, dass damit verdiente Mitarbeiter auf der Strecke bleiben könnten, die für den Verlag durchaus gute Arbeit leisten. Bei der Neuausrichtung der Verlage sollte der Blick nicht nur nach außen, sondern auch nach innen gerichtet werden. Durchdachte Changemanagement-Prozesse sollten von Anfang an bei der Planung der Strategien mit entwickelt werden.

Fokus: Kunde und Kundenbindung

Ehrhardt F. Heinold, Geschäftsführer der Heinold, Spiller & Partner Unternehmensberatung GmbH, stimmte in den Tenor ein: Verlage müssen sich neu aufstellen. Für ihn bildet das Kundenmanagement und die Ausrichtung auf die Zielgruppe eine besondere Herausforderung. Von den Verlagen fordert er einen Wechsel des Selbstverständnisses vom Produzenten zum flexiblen Content- und Kunden-Dienstleister. Das geht natürlich nicht ohne Automatisierung und Professionalisierung der Kundenbeziehung im Sinne eines ausgereiften Customer-Relationship-Managements.

Diskussion

Dass bei der Diskussion wieder Umsätze und Gewinne im Mittelpunkt standen, ist in der aktuellen Situation kein Wunder. In den letzten 30 Jahren konnte man im Verlagswesen gute Gewinne machen – dass es jetzt schwieriger wird, sollte nicht zum Zögern führen. Vielmehr gibt es Raum für neue Wege.

Weitere Berichte zu der Veranstaltung:

Im publishing-business-Blog von Ehrhardt F. Heinold.

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3 Kommentare zu “Verlage 3.0? Neue Geschäftsfelder für Content – ein Veranstaltungsfazit”

  1. Joachim Lindner  on November 27th, 2008

    Man muss dieses Thema aktive angehen und alte Zöpfe abschneiden. Und das möglichst bald. Die Verlage, Firmen usw. die das verstanden haben, werden auch in Zukunft ein gutes Geschäft machen. Die anderen werden wohl zu spät kommen.

  2. Hans-Dieter Zimmermann  on Dezember 6th, 2008

    Ja, eine strukturierte Analyse tut not, den Kopf in den Sand stecken bringt nun wirklich Nichts; dazu mein kleiner Beitrag: http://www.hdzimmermann.net/files/Liberec_07Nov08.pdf

  3. Der Online-Redakteur - ein Alleskönner?  on Januar 29th, 2009

    […] solchen Online-Redaktionsmodell wird bei der Welt-Gruppe gearbeitet. Das habe ich im Beitrag “Verlage 3.0? Neue Geschäftsfelder für Content – ein Veranstaltungsfazit” bereits beschrieben. Einen Eindruck davon kann man bei den Welt Debatte-Weblogs […]


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