Social Media Trends: Pinterest – Nutzer und Themen (2)

Im zweiten Teil der kleinen Pinterest-Serie bleiben die Zahlen immer noch im Mittelpunkt. Ich versuche anhand von Studien, Berichten und Daten herauszufinden, wer Pinterest nutzt, welche Themen auf Pinterest dominieren und was die User bei Pinterest tun.


Pinterest-User in erster Linie Frauen?

Offizielle Nutzerzahlen sind auch bei Pinterest nicht zu finden – aber laut einer Studie von Semiocast waren im Juli 2013 70 Millionen Nutzer bei Pinterest registriert. Allerdings kamen fast 80% davon aus den Vereinigten Staaten. Laut Semiocast waren 20 Millionen User aktiv, die anderen schauen eher nur die Bilder an. Die User verbringen zwar nicht so viel Zeit bei Pinterest wie bei Facebook, aber deutlich mehr als bei Twitter:

Laut Comscore (Stand März 2012 via techcrunch.com) waren die Nutzer in erster Linie Frauen (80%) zwischen 25 und 44 Jahren (56%) mit nicht allzu hohem Bildungsniveau (nur 25% der Nutzer haben mindestens einen Bachelor-Grad). Damit entspricht die Durchschnittsuserin eher einer Bewohnerin des mittleren Westens als einem typischen Vertreter der Social Media-Branche.

Die Zahlen für die USA sind allerdings nicht 1:1 auf die Situation in Europa bzw. Deutschland übertragbar. So war im Juni 2012 laut einer Double Click Analyse (via Socialmedia Blog) das Verhältnis der Geschlechter in Deutschland genau umgekehrt: Nur 16% der Besucher waren weiblich. Was erklärt diese Diskrepanz? Treffen sich bei Pinterest in Deutschland – ähnlich wie zu Beginn bei Twitter und Facebook wieder die Social Media-Vorreiter (tendenziell sind das noch eher die Männer)? Interessant wären aktuelle Zahlen über den Anteil von Männern und Frauen bei Pinterest. Dann könnte man feststellen, ob jetzt mehr Frauen Bilder pinnen und sich das Nutzerprofil in Richtung US-Nutzerin entwickelt. Leider liegen aktuelle Studien und Analysen für Deutschland augenblicklich nicht vor.

Mode, Lifestyle, Essen – die zentralen Themen bei Pinterest

Bei Pinterest vergibt der User beim Anlegen eines neuen Boardes einen individuellen Boardnamen und kann das Board einer vorgegebenen Auswahl an Kategorien (zur Zeit sind das 34 Kategorien)  zuordnen. Eine Analyse und Kategorisierung der Boardnamen und der dazugehörigen Board-Kategorien durch den Datenanalysen-Software-Hersteller RJMetrics bestätigt die Vorstellung, dass Pinterest in erster Linie ein Life-Style Portal darstellt. 60% der Pinterest Pinnwände gehören zu den Top 5 Kategorien: 1. Home, 2. Arts and Crafts, 3. Style/Fashion, 4. Food und 5.Inspiration/Education.

Es dominieren also fünf Kategorien, während die anderen eher eine marginalle Rolle spielen. Dieses relativ einheitliche Ergebnis wird durch die Analyse der Boardnamen bestätigt: Hier spielen Stil, Einrichtung, Handarbeiten und vor allem Essen ebenso die Hauptrolle. Durch die Vielfalt der Namen ergibt sich allerdings kein Kuchen mit gleichmäßig großen Stücken. Der größte neue Erkenntnisgewinn bei der Analyse der Board-Namen war, dass „Products I love“ oder ähnliche Namen als dritthäufigste Gruppe identifziert werden konnte. Die Pins auf Boards mit solchen Namen wurden noch dazu am häufigsten „geliked“. Diese Ergebnisse charakterisieren die Pinnwände bei Pinterest ganz eindeutig als ein Ort, wo die Produkte gesehen, gezeigt und empfohlen werden.

User nutzen häufig bereits vorhandene Inhalte und teilen immer mehr

Pinterest Boards funktionieren wie reale Pinnwände: Alles, einem wichtig erscheint, woran man erinnert werden will oder einem einfach gefällt, wird hier festgetackert und zusammengestellt. Die User können also durch’s Netz surfen und ihre Funde hier sammeln oder ihre eigenen Werke hier präsentieren. Dafür gibt es auch bequeme Applikationen. Tatsächlich ist das Surfen und Sammeln aber anscheinend gar nicht so beliebt. Die Auswertung von über einer Million Pins von RJMetrics kommt zu zwei wichtigen Ergebnissen beim Pinn-Verhalten der User:

  1.  Über 80% der Pins sind Re-Pins, also Bilder, die bereits auf Pinterest gepinnt waren und von einem neuen User auf sein eigenes Board übernommen wurden. Das zeigt den hohen Grad an Selbstreferenzialität der Plattform. Was hier gepinnt wird, macht schnell die Runde in der Community. Im Vergleich dazu lag die Zahl der Retweets zum ähnlichen Zeitpunkt der Entwicklung von Twitter bei nur 1,4%.
  2. Die Pins haben eine sehr große Vielfalt an Quellen: Zwar liegt etsy.com, die Handelsplattform für Selbstgemachtes, vor google.com (wahrscheinlich die Google-Bildersuche) und flickr.com auf Platz eins. Allerdings stammen nur 3% der Pins von der Website etsy.com.

Die Einsatzmöglichkeiten der Boards sind ziemlich vielfältig. Zwar sind die meisten Zusammenstellungen schöner Bilder zur Inspiration, es gibt aber auch sehr interessante Beispiele dafür, wie die Boards etwa als Medium zur ansprechenden Wissenvermittlung eingesetzt werden können. So erklärt das Wallstreet Journal Pinterest auf einem eigenen Board wie Pinterest funktioniert – eine sehr ansprechende Weise, Informationen zu präsentieren:


Aktuelle Zahlen (Consumer Sharing Trends Report Q3 von ShareThis via Forbes  für das dritte Quartal diesen Jahres) lassen neue Trends im Userverhalten erkennen: Die Menge von Content, den Menschen mit ihrem Umfeld teilen, wächst bei Pinterest besonders stark, während die Twitter-Benutzer weniger teilten als zuvor. Allerdings sollte man sich nicht täuschen lassen, denn die Zahlen illustrieren lediglich den deutlichen Aufwärts-Trend von Pinterest, nicht seine Stellung in den Social Media, denn beim Teilen dominieren Facebook und Twitter: Fast 75% der Inhalte werden hier geteilt.

„schauen“, „brauchen“, „wollen“ – Pinterest als Marketingkanal

Eine Studie des Georgia Institute of Technology and University of Minnesota ergab einige interessante Einsichen bezüglich des Verhaltens auf Pinterest. Vor allem ein Vergleich mit Twitter zeigt die Potenziale von Pinterest im E-Commerce. Die Analyse des Wortschatzes auf beiden Plattformen ergab, dass Twitter-Texte vor allem zeitbezogen sind: Wörter wie heute, morgen oder heute abend kamen besonders häufig vor. Im Gegensatz dazu ist die Sprache bei Pinterest stark konsumorientiert: „use“, „look“, „want“ und „need“ werden besonders häufig verwendet. Die Autoren sind davon überzeugt, dass Konsum quasi die DNA von Pinterest sei und empfehlen es wärmstens als Marketingkanal: „There are several social networking sites that marketers and advertisers can take advantage of these days”, sagte Eric Gilbert, der Leiter der Studie, “After conducting this research, if I had to choose where to put my money and marketing, Pinterest would probably be my first choice“.

 

Teil 1: Pinterest auf der Überholspur

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4 Kommentare zu “Social Media Trends: Pinterest – Nutzer und Themen (2)”

  1. Social Media Trends: Pinterest im E-Commerce (3) | text-gold.de  on November 28th, 2013

    […] das Nutzerverhalten auf dem Board, die Analyse der Sujets und der Sprache bei Pinterest (siehe Teil 2)deutliche Indizien dafür gegeben haben, dass Produkte und das “Haben-Wollen” ein […]

  2. Social Media Trends: Was können Unternehmen bei Pinterest machen? (4) | text-gold.de  on Dezember 18th, 2013

    […] Teil 2 und Teil 3 der Pinterest-Reihe haben die Auswertung des Wordings und der Themen sowie die Anlyse […]

  3. Social Media Trends: Pinterest auf der Überholspur ? (1) | text-gold.de  on Januar 15th, 2014

    […]   Social Media Trends: Pinterest – Nutzer und Themen (2) Social Media Trends: Pinterest im E-Commerce (3) Social Media Trends: Was können Unternehmen […]

  4. Social Media Trends: Pinterest nicht ohne Aufwand für Unternehmen (Teil 6) | text-gold.de  on März 10th, 2014

    […] auf der Überholspur (1) Social Media Trends: Pinterest – Nutzer und Themen (2) Social Media Trends: Pinterest im E-Commerce (3) Social Media Trends: Was können Unternehmen […]


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