Revolutioniert das Internet das Schreiben?

Schreiben wird bei Studenten immer wichtiger – das ist ein erstaunliches Ergebnis der “Stanford Study of Writing“. Bisher gab es den Konsens, dass die neuen Medien sich auf die Lese-und Schreibfähigkeit eher negativ auswirken. Nicht wenige Kulturpessimisten prophezeiten den Niedergang des geschriebenen Wortes für die westliche Kultur. Und dann diese Nachricht aus den USA. Für die neue Generation von Studenten nimmt das Schreiben einen größeren Raum in ihrem Leben ein,  weil ihr soziales Leben vermehrt im Netz stattfindet und so auf Text basiert.

Andrea Lunsford, Organisatorin der Studie interpretiert die Ergebnisse dieser Langzeitstudie sehr optimistisch:

I think we’re in the midst of a literacy revolution the likes of which we haven’t seen since Greek civilization
(Quelle: wired.com)

Ja, mein erster Gedanke war auch, dass man doch das Geplapper bei Twitter, Facebook, die Kommentare unter Artikel oder die Diskussionbeiträge in Foren nicht im Ernst als hohe Schreibkunst werten kann. Und ich kann mir vorstellen, dass einige Kritiker sich sogar weigern, die Produktion solcher Texte als “Schreiben” zu bezeichnen. Diesen Einwand pariert Lungsford mit einem bedenkenswerten Argument:

Sie merkt an, dass diese Art zu schreiben, die Fähigkeit fordert, im entscheidenden Moment mit dem passenden Tonfall das inhaltlich Richtige zu sagen. An dieser Stelle verweist sie auf die griechische Rhetorik, wo diese Fähigkeit als “Kairos” einen wichtigen Stellenwert einnimmt. ( Übrigens wird gerade Barack Obama in einigen Reden zugestanden, den “Kairos” getroffen zu haben – ob das mit seinem Web 2.0-Wahlkampf zu tun hat? ).  Entscheidend ist also, das Gefühl für das Publikum zu haben. Die enge Verbindung zu Leserschaft und der Konversationscharakter der Texte rücken das Schreiben der jungen Studenten näher an die griechische Rhetorik an:

The modern world of online writing, particularly in chat and on discussion threads, is conversational and public, which makes it closer to the Greek tradition of argument than the asynchronous letter and essay writing of 50 years ago

Interessante Argumentation, finde ich. Und glauben Sie auch an die Renaissances des Schreibens durch das Web 2.0?

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2 Kommentare zu “Revolutioniert das Internet das Schreiben?”

  1. Das Internet-Manifest - Diskussionsprotokoll der aexea-Redaktion | text-gold.de  on September 7th, 2009

    [...] Revolutioniert das Internet das Schreiben? 10. Die neue Pressefreiheit heißt Meinungsfreiheit. [...]

  2. Neue Medien fördern Schriftkultur - immer mehr Menschen schreiben | text-gold.de  on Oktober 19th, 2009

    [...] eines weltonline-Artikels.  Kein Wunder, denn – wie ich es  bereits in dem Artikel  “Revolutioniert das Internet das Schreiben?” beschrieben habe - sind die Ergebnisse dieser Studie ziemlich spektakulär und sollten [...]


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