Grundlegendes zur Recherche im Internet – Studienergebnisse (Teil 1)

Journalistische Recherche im Internet wird von der „alten Schule“ der Journalisten mißtrauisch beäugt. Doch kommt kein Online-Redakteur mehr ohne Informationen aus dem Netz aus. Aber wie nutzen Journalisten das Netz für ihre Recherche? Ein umfassende Antwort darauf wollten Marcel Machill, Markus Beiler und Martin Zenker vom Lehrstuhl für Journalistik an der Universität Leipzig haben. Sie führten im Auftrag der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen eine Studie über journalistische Recherche im Internet durch. Eigentlich handelt es sich um mehrere Studien, weil unterschiedliche Fragestellungen mit unterschiedlichen Methoden (Beobachtung, Befragung, Experiment) kombiniert wurden.

Rechercheprozesse im Redaktionsalltag

235 Journalisten aus 34 Medienangeboten (Online, Zeitungen, Fernsehen und Hörfunk) wurden bei ihrer Arbeit beobachtet, um herauszufinden, aus welchen Handlungen eine Recherche besteht und welche Recherchemittel sie einsetzen. Die Recherche wurde in drei Teilprozesse aufgeteilt:

  1. Themenfindung und Relevanzbewertung – Suchen und Finden von Themen und das Bewerten ihrer Bedeutung
  2. Überprüfungsrecherche – Quellen und Infos auf Wahrheitsgehalt und Richtigkeit prüfen
  3. Erweiterungsrecherche – Ermitteln von zusätzlichen Quellen und Infos.

Ergebnis: Am häufigsten recherchieren Journalisten zur Erweiterung (51,3%) und Themenfindung (40,8%), eine Überprüfungsrecherche findet kaum statt (7,9%).

Das wichtigste Mittel zur Recherche ist das Telefon – aber die computergestütze Recherche hat sich auf breiter Ebene etabliert: Journalisten nutzen vor allem E-Mails, Suchmaschinen/Webkataloge und redaktionelle Web-Sites, um ihre Informationen einzuholen. Wobei das Wort Suchmaschinen durch „Google“ ersetzt werden kann – denn Google hat einen Häufigkeitsanteil von 90,4% bei der Suchmaschinenrecherche. Trotzdem ist man in deutschen Redaktionsbüros von einer „googleisierung“ entfernt. Computergestützte Recherchemittel werden zwar häufiger, aber kürzer eingesetzt. Klassische Recherchemittel nehmen einen größeren Anteil an der Recherchedauer ein.

Welche Onlinequellen nutzen Journalisten?

601 Fragebögen ausgefüllt von Journalisten aus allen Mediengattungen wurden ausgewertet, um die Einstellung von Journalisten zu Internet und Suchmaschinen auszuloten. Für fast alle ist journalistische Arbeit ohne Internet nicht mehr denkbar.

Als die wichtigsten Internetangebote für ihre Arbeit gaben drei Viertel der Journalisten Google an, auf Platz 2 folgt Spiegel online (53,4%) und dahinter Wikipedia (37,4%). Danach folgen mit großem Abstand einige Webangebote etablierter Medien. Unter den ersten 10 Web-Sites befindet sich keine einzige Primärquelle. Es werden also vor allem redaktionelle Produkte der Kollegen hinzugezogen.

Suchmaschinenkompetenz und Suchmaschinenstrategien

Anhand eines Experiments versuchten die Wissenschaftler herauszufinden, wie gut Journalisten mit Google zurecht kommen und welche Strategien sie anwenden, um an Informationen zu kommen. Bei zwei der Aufgaben, die die 48 Probanden lösen sollten, ging es darum konkrete Fakten zu finden. Die dritte Aufgabe war eine umfassende Suche, bei der alle vorhandenen Informationen zu einem Thema gesammelt werden sollten.

Den Sucherfolg bewerten die Wissenschaftler las mittelmäßig, die Journalisten suchten nicht erfolgreicher als ganz normale Nutzer. Wobei einige sehr professionelle Suchmaschinennutzer herausstachen. Ihre Suchstrategien werde ich in einem gesonderten Beitrag vorstellen.

Teil 2

Teil 3

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Ein Kommentar zu “Grundlegendes zur Recherche im Internet – Studienergebnisse (Teil 1)”


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