Roboterjournalismus: Denken, Wissen, Rechnen, Schreiben

Die Mensch-Maschinen-Debatte hat das Feld des Journalismus erreicht. Was mich an dieser Auseinandersetzung am meisten interessiert, ist die Darstellung der Alleinstellungsmerkmale des menschlichen Journalisten. Welche Eigenschaften werden ihm zugeschrieben? Was kann er besser als die Software?  In dem Post „Roboterjournalismus – Wo sind seine Grenzen?“ bin ich darauf eingegangen, dass die Software nicht investigativ oder quellenkritisch arbeiten kann, ihr der Zugang zum Weltwissen und das Talent für Tragödien fehlt.

Menschen denken wie Menschen

Will Oremus hat in seinem sehr lesenwerten Artikel bei Slate.com seine Sicht auf den Robotjournalismus dargestellt. Worin sind Menschen den Maschinen überlegen? Seine Grundannahme ist nur scheinbar banal: Menschen sind jetzt bereits besser darin zu denken wie ein Mensch als es einem Computer jemals gelingen wird.
Entscheidend für Oremus sind diese Fähigkeiten des Journalisten: Sie können gut Geschichten erzählen, Anekdoten herauspicken und Analogien und Verbindungen zwischen Informationen herausarbeiten. Sie können vor allem aus einer unförmigen Wolke von Informationen und Daten rund um ein Ereignis zum einen leicht vertraute Muster erkennen und zum anderen zielsicher und intuitiv die Punkte herausziehen, was andere Menschen interessiert. In keinem dieser Punkte sind Algorithmen sonderlich gut.

Computer können besser rechnen

Eine Software kann hingegen schnell große Datensätze scannen und Muster identifizieren. Gerade bei der Auswertung von Daten „übersehen“ sie keine Muster und erfassen schnell die Schlüsseldaten einer Datenbank.  Der Fokus liegt auf „schell“ und „groß“.Wenn die Text-Maschine einmal gebaut ist, sinken die Kosten für einen Artikel gegen Null.

Die „Prosa“ der Maschinen – Gutes Schreiben kann die Software lernen

Und was ist mit der unbeschreiblichen Fähigkeit des Menschen einer Geschichte einen besonderen Ton zu verleihen? Das wird sehr häufig als Alleinstellungsmerkmal des menschlichen Autors hervorgehoben. Hier schätzt Oremus die Möglichkeiten der Maschine so ein, wie wir es bei AX Semantics tun: Gut Schreiben kann die Software lernen. Mit dem richtigen Briefing und der richtigen Programmierung können Sprache und Stil der generierten Texte ziemlich genau an die Anforderungen angepasst werden. Es sind keine „blechern“ klingenden Roboter-Texte, die aus dem Computer kommen.

Datenqualität ist entscheidend

Will Oremus hat genau hingeschaut bei seiner Recherche zum Thema Roboterjournalismus, denn er trifft die „Schwachstelle“ des Roboterjournalisten genau: Das Problem bei dem Wettbewerb zwischen Mensch und Maschine ist nicht die Qualität der automatisch generierten Texte, entscheidend ist vielmehr die Qualität der Daten.
Das umfasst meiner Meinung nach zwei unterschiedliche Bereiche: Zum einen muss die Datenbasis für die Texte stimmen. „Making data talk – 6 tips on how to make your data fit for linguistic applications“ zeigt, worauf es hier ankommt.
Zum anderen sind in vielen Fällen die Daten nicht ausreichend – und hier sind wir wieder beim Weltwissen und der Datenknappheit. Die Software kann sehr viele Regeln lernen und damit Texte korrekt und relativ abwechslungsreich gestalten.

Schon ein Gewitter kann die Software herausfordern

Aber wenn ein Mensch beispielsweise ein Fußballspiel sieht bei dem ein starkes Gewitter losbricht, kann er das Ereignis in der Regel leicht einordnen und beim Schreiben seines Textes berücksichtigen. Die Relevanz und das Leserinteresse zu bestimmen, fällt einem menschlichen Autor für solche Vorkommnisse eher leicht.
Um einen Computer dazu zu bringen, dass er einen solchen Vorfall bewertet und entscheidet, ob und wie er das in seinen Text aufnimmt, muss er erst einmal an einer Datenbank angeschlossen sein, die Wetterdaten liefert. Dazu braucht die Software eine breite Daten- und Berechunungsgrundlage wann und wie etwa Wetterereignisse bei einem Fußballspiel ein Rolle spielen. Ein solches Detail ist programmierbar – keine Frage. Allerdings ist noch zu diskutieren, ob ein Computer jemals so viele Daten zur Verfügung hat und verarbeitet, dass seine Ergebnisse mit den allgemeinen, menschlichen Fähigkeiten konkurrieren können.

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2 Kommentare zu “Roboterjournalismus: Denken, Wissen, Rechnen, Schreiben”

  1. Roboterjournalismus: Bedrohung oder Chance? | Marktding  on September 22nd, 2014

    […] Alkan, der Geschäftsführer der oben erwähnten Agentur, benennt die Vorteile, die eine textverarbeitende Software gegenüber dem Redakteur […]

  2. Medien 4.0: Wie intelligente Tools die Redaktionsarbeit verändern werden | text-gold.de  on Juni 10th, 2015

    […] Grenzen des Roboterjournalismus liegen, wie hier schon einmal genauer erklärt habe,  dort, wo man vor Ort recherchieren muss, wo keine strukturierten Daten vorliegen und wo Meinung […]


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