Blogs: Wie nenne ich mein …?

Wenn man über Anglizismen redet oder schreibt, kommt immer der Hinweis, statt der englischen lieber deutsche Wörter zu verwenden. Natürlich kann ich die Klagen über hässliches “Denglish” nachvollziehen und in vielen Fällen gibt es eine schönere deutsche Variante. Tatsache ist aber auch, dass es gerade im Online (Englisch!)-Bereich eine Menge englischer Wörter in die Umgangssprache geschafft haben.

Deutsche Wörter haben es hier sehr schwer oder wirken künstlich, wie ich schon in dem Artikel “Twitter – Wie nenne ich mein…” feststellen musste. Tweet, Twitter, follower, following, hashtag – übersetzen oder lassen? Anglizismen sind nicht sonderlich elegant, aber übersetzen klappt auch nicht immer – auch wenn einige kreative Vorschläge für eine deutsche Entsprechung gemacht wurden. Mal schauen wie’s beim Blog-Vokabular aussieht:

Der/die/das Blog
Diese Diskussion ist so alt wie das Bloggen selbst: Heißt es nun „der“ Blog oder „das“ Blog? Während die Blogger der ersten Stunde oft auf „das“ Blog beharren, kursiert in der deutschen Blogosphäre ebenso häufig auch „der“ Blog.
Mit dem ersten Eintrag im Duden, der letzten Instanz in Zweifelsfällen deutscher Sprache  wurde es 2006 offiziell: Man darf sowohl „das“ als auch „der“ Blog sagen (wobei „der“ nur Rang 2 einnimmt).
Logisch: Bei einem englischen Wort gilt der Artikel der Eindeutschung: Wer Weblog mit „Notizblock“ übersetzt statt mit „Logbuch“, der darf mit Segen des Bibliographischen Instituts in Mannheim auch „der“ Blog schreiben.

Post
Das habe ich gestern gepostet“ – als Verb wird „post“ oft verwendet, als Substantiv haben sich jedoch deutsche Wörter wie Beitrag, Eintrag oder Artikel durchgesetzt. Das Problem liegt hier vielleicht an der Nähe des Wortes im deutschen Sprachgebrauch zum großen gelben Briefunternehmen.

Kommentare
No comments, sondern Kommentare. In diesem seltenen Fall wird tatsächlich am deutschen Vokabular festgehalten. Das mag an der deutlichen Nähe des Wortes zu seiner englischen Übersetzung liegen.

Blogroll
Die Blogrolle. Ein Begriff, der endlich auch im Deutschen funktioniert. Die Umschreibung ist auch verständlich: öffentliche Linkliste zu anderen Weblogs. Wahrscheinlich liegt’s am cool wirkenden Klang des englischen „r“, dass das brave deutsche Wort sich nicht wirklich durchsetzen kann.

Trackback
Frei zu übersetzen am besten mit dem „gegenseitigen Zitat“. Daraus kann man im Deutschen leider kein schönes Substantiv machen. Das liegt wohl daran, dass im Deutschen hier zwei Verben stehen müssten:  „rückverfolgen“ und „nachverfolgen„. Es wird wohl bei der englischen Bezeichnung bleiben, weil hier auch die Kraft des Reimes wirkt.

Tag
Tags bieten die Möglichkeit, den Inhalt eines Blogs zu kategorisieren. „Kategorien“ oder „Schlagworte“ wären demnach eine angemessene deutsche Übersetzung. Das Wort „tag“ besticht allerdings durch seine Kürze.

Bei der näheren Betrachtung finde ich sehr interessant, dass sich viele Wörter nicht nur durchsetzen, weil sie besser passen, sondern weil sie klanglich reizvoll sind. Da sich Blogs und deren Vokabular schon etabliert haben, glaube ich nicht, dass sich hier deutsche Wörter weiter durchsetzen. Aber wenn Sie bessere Vorschläge haben, fände ich die natürlich sehr interessant!

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2 Kommentare zu “Blogs: Wie nenne ich mein …?”

  1. OliverG  on Oktober 4th, 2010

    „Ich habe inen Blog geschrieben“ für ‚einen Blogeintrag‘ ist auch noch beliebt.

    Also:
    – das Blog, das Ganze
    – der Blog, der Eintrag 😉

    (nein, ganz und gar nicht im Ernst.)

  2. Saim Alkan  on Oktober 6th, 2010

    Und was machen wir mit „die Blog“, die Variante kann man doch nicht einfach so unter den Tisch fallen lassen, oder? 😉


Kommentare