ARD-ZDF Online Studie 2008 ist erschienen- mit Überraschungen

Videos, Wikipedia, private Communities und ältere Menschen sind die Gewinner im Jahr 2007. Zu den Verlierern zählen Weblogs und berufliche Netzwerke. Das zeigen die Zahlen der ARD/ZDF Online Studie 2008.

Zunächst einmal die grundlegenden Ergebnisse als Überblick:

  • Das Wachstum des Internet hält an, auch wenn die Steigerungsrate sich abflacht: 5% mehr Nutzer als im Vorjahr. Dabei ist die Zahl der Nutzer, die zwischen 60 und 70 Jahre alt sind am stärksten gewachsen. Insgesamt gehen jetzt 65,8% der Deutschen zumindest gelegentlich ins Internet.
  • Suchmaschinen bleiben die zentralen Einstiegspunkte für das Netz. 84% der Nutzer verwenden mindestens eimal die Woche eine Suchmaschine.
  • Multimediale Anwendungen werden häufiger genutzt. Über die Hälfte schauen sich zumindest gelegentlich Videos im Netz an. 23% hören Radio im Netz.
  • Breitbandverbindungen und Flatrates sind nahezu Standard. 70% surfen über eine Breitband-DSL-Verbindung. 86% der Befragten haben eine Flatrate.
  • User generated content: Nur rund 30% sind daran interessiert, selbst Beiträge zu verfassen und ins Internet zu stellen. Bei Wikipedia schreiben und überarbeiten 5% der Wikipedia-Besucher Artikel. Videos stellen gerade 3% der Onliner ein. Aktiver sind die Nutzer bei Fotocommunities wie etwa flickr.com – ein Drittel hat bereits ein Foto hochgeladen.
  • Das Internet wird als besonders aktuelles Medium wichtiger: Der Anteil der Nachrichtennutzer im Netz ist auf 52% gestiegen (2007: 48%).

Wohin geht der Trend? Was macht die Altersgruppe der 14-29-Jährigen?

Für die Jungen gehört das Internet zum Alltag. Über drei Viertel sehen darin einen täglichen Begleiter für alle möglichen Fragen und Themen. Ihnen ist auch der Austausch mit anderen viel wichtiger als den anderen Nutzern. Das zeigt sich auch bei ihrer Affinität zu Online Communities. 56% von ihnen suchen mindestens einmal wöchentlich eine Community auf. Der Gesamtschnitt liegt bei nur 21%. Dieser Wunsch nach Dialog zeigt sich auch in einer aktiveren Haltung als beim Schnitt der Bevölkerung, fast 60% der Teenager sind daran interessiert, auch selbst Beiträge ins Netz zu stellen.

Genauso selbstverständlich ist für die junge Generation, sich im Internet Videos und Fernsehsendungen anzuschauen. Gelegentlich tun das 84% der Nutzer in dieser Altersgruppe – wöchentlich rund ein Viertel. Bei den Teenagern ist das besonders ausgeprägt: 92% schauen sich Bewegtbilder im Netz an.

Das Fazit der Leitung der ARD/ZDF-Projektgruppe Multimedia :

Jüngere Internetnutzer verstehen das Internet bereits heute als All-in-one-Medium. Die saubere Trennung zwischen Fernsehen, Hörfunk, Print und Internet verliert für sie an Bedeutung und anstelle dieser strikten Funktionsverteilung zwischen den vier tagesaktuellen Medien tritt für viele Jugendliche das Internet, das eine Vielzahl ihrer Medienbedürfnisse
erfüllt.

Gewinner und Verlierer – die Entwicklungen

Bei der älteren Generation hat sich in der Wahrnehmung der Medien etwas getan. Bisher genügten ihnen Fernsehen, Hörfunk und Tageszeitung. Doch in der Altersklasse von 60 bis 79 ist die höchste Zuwachsrate der Nutzerzahlen zu verzeichnen. Sie nutzen das Internet – aber anders als die Jüngeren – fast ausschließlich als Informationsmedium, weniger zur Unterhaltung.

Videoanwendungen sind sehr populär geworden, vor allem durch die Videoportale. Über die Hälfte der Nutzer haben ein solches Portal schon mal besucht – im letzten Jahr lag der Satz noch bei 34%. Auch etwa 50% beträgt der Anteil derer, die sich Fernsehsendungen zeitversetzt oder live anschauen. Videopodcast spielen mit 7% keine so große Rolle.

Im Bereich Web 2.0 scheinen die Entwicklungen eher zögerlich oder sogar rückläufig zu sein. Ausnahmen sind neben den Videoporateln, z.B. Wikipedia – das sich zum regelmäßigen Begleiter entwickelt und im Vergleich zum Vorjahr um 5 Prozentpunkte zugelegt hat. Den größten Sprung verzeichnen die privaten Netzwerke wie etwa MySpace, StudiVZ oder “Wer kennt wen?”. Ihre wöchentliche Nutzung verdreifachte sich binnen Jahresfrist auf 18%. Die Nutzung beruflicher Portale (Xing oder LinkedIN) ging zurück von 4% auf 2%.

Und die Zahlen zur Weblog-Nutzung habe ich mit einigem Erstaunen und nicht ohne Enttäschung gelesen. Hier der Dreischritt zum Desaster:

  1. Nur 24% der Onliner (nicht der gesamten deutschen Bevölkerung!) können mit dem Begriff “Weblog” etwas anfangen.
  2. Nur 6% haben Blogs überhaupt genutzt. Letztes Jahr besuchten noch 11% Blogs.
  3. Nur 29% derjenigen, die Blogs lesen, halten die Informationen auf Weblogs für einigermaßen glaubwürdig.

Diesen Zahlen zufolge haben Weblogs in Deutschland nicht nur ein Glaubwürdigkeitsproblem, sondern sind eine marginale (Mode-)Erscheinung, die schon wieder am Abflauen ist . Damit hätte Deutschland einen einzigartigen Trend zu vermelden, der der globalen Entwicklung gegenläufig ist – wie sie etwa die Universal McCann-Studie beschreibt. (Über die ich bereits berichtet habe.) Daraus eine interessante Passage:

“As a collective, the blogosphere rivals any mass media in terms of reach, time spent and wider cultural, social and political impact. There are also major shifts into participation, pioneered by the Asian markets and now happening everywhere, even Germany. Blogging today must be embraced whether you are a marketeer, advertising professional or content producer.” (Fettung von mir)

Even Germany – es besteht also noch Hoffnung!

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2 Kommentare zu “ARD-ZDF Online Studie 2008 ist erschienen- mit Überraschungen”

  1. Joachim Lindner  on August 4th, 2008

    Ich habe eigentlich den Eindruck, dass immer mehr interessante Blogs auftauchen und alleine dadurch auch mehr Internetnutzer diese auch lesen. Vielleicht gibt es auch viele Nutzer, die schon Blogs mehr oder weniger regelmäßig lesen und gar nicht wissen, dass dies ein Blog ist.

    Ich zeige auch so vielen Kollegen wie möglich meinen RSS-Feed Reader und erkläre Ihnen wie einfach es ist sich über die interessanten Themen zu informieren. Diese Funktion ist fast allen total neu. Allerdings finden alle diese Möglichkeit sich zu informieren toll. Für mich ist aber ein Reader die Basis für eine vernünftige Nutzung von Blogs und anderen Internetquellen.

    Ich glaube es ist einfach noch viel Aufklärungsarbeit zu leisten. Deshalb denke ich auch, dass es einfach noch ein bisschen dauert, bis sich diese neuen Informationsmöglichkeiten durchsetzen. Nur Geduld;-)

  2. Saim Alkan  on August 4th, 2008

    Hallo Joachim,
    genau, darauf habe ich auch getippt: Blogs werden gelesen – aber nicht als solche wahrgenommen. Und genauso habe ich auch den Eindruck, dass es immer mehr sehr lesenswerte und glaubwürdige Blogs gibt.
    Gut, dann warten wir noch ab.
    Grüße
    Saim


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