Archiv für 'Praxistipps für Online-Redakteure'

Konjunktiv? (Teil 1) – Es werde Licht!

Ich kröche, du hülfest, er wöge  -  ein seltsamer Dialekt aus einem abgelegenen Dorf? Nein, das sind nur unregelmäßige Konjunktivformen der aktuellen deutschen Sprache. Sie klingen so seltsam, weil sie nur noch selten verwendet werden, denn der Konjunktiv kommt nur wenigen Deutschen über die Lippen.

Zum einen, weil der Indikativ den Konjunktiv in der Alltagssprache oft ersetzt. Zum Beispiel sagt kaum jemand: „Er hat gesagt, dass er ins Kino gehe.“, sondern einfach: „Er hat gesagt, dass er ins Kino geht.“ Zum anderen herrscht Unsicherheit über die richtige Bildung und Verwendung. Das Grundsätzliche ist jedoch schnell erklärt:

  • Der Konjunktiv ist neben Indikativ und Imperativ einer der drei Modi, die ein Verb annehmen kann.
  • Er wird auch die „Möglichkeitsform“ genannt.
  • Im Deutschen gibt es zwei Arten des Konjunktiv: Konjunktiv I und Konjunktiv II.
  • Sie sind jeweils in die Zeitstufen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft untergliedert.


Wofür braucht man den Konjunktiv überhaupt?

Das sehen Sie am besten an diesem Beispiel:

1. Die Kanzlerin sagte, zu der Steuererhöhung gebe es kaum Alternativen.

2. Die Kanzlerin sagte, zu der Steuererhöhung gibt es kaum Alternativen.

3. Die Kanzlerin sagte, zu der Steuererhöhung gäbe es kaum Alternativen.

Obwohl sich die Sätze nur an einem Wort unterscheiden, haben sie verschiedene  Bedeutungen.

  • Im ersten Satz gibt der Sprecher die Aussage mithilfe des Konjunktiv  I distanziert und unparteilich wieder.
  • Im zweiten Beispiel ergreift der Sprecher durch Verwendung des Indikativs, Partei für die Äußerung. Er identifiziert sich mit ihr.
  • Im dritten Satz deutet der Sprecher durch Verwendung des Konjunktivs II an, dass die Kanzlerin nur so tut, als wäre keine Alternative zu der Steuererhöhung vorhanden – in Wirklichkeit gibt es aber eine. Die Verwendung drückt folglich eine Parteinahme gegen die Äußerung aus.

Je nach Verwendung implizieren Indikativ, Konjunktiv I und II also kleine, aber wichtige Bedeutungsunterschiede, die vor allem in der Schriftsprache zum Tragen kommen. Der Konjunktiv ist also eine wichtige Ausdrucksform, um Informationen korrekt und genau weiterzugeben. Ihn einfach zu ignorieren, hieße auf ein wichtiges Stilmittel zu verzichten.  Aus Unsicherheit vermeiden viele Autoren die beiden Modi auch in der geschriebenen Sprache – obwohl es wirklich nicht so kompliziert ist.

Wie Konjunktiv I und II gebildet werden und wofür man sie verwendet, erkläre ich in Teil 2 und 3 der Serie.

SEO-Glossar für Online-Redakteure (5)

Ranking

ist die Position auf der Trefferliste, die eine Webseite zu einem bestimmten Begriff einnimmt. Suchmaschinenoptimierung hat das übergeordnete Ziel das Ranking zu verbessern. Bestes Ranking: Platz 1 bei Google.

SERP

= Search Enginge Result Page bezeichnet die Seite, auf der die Suchergebnisse einer Suchanfrage dargestellt werden.  Das Design der SERP spielt eine große Rolle dafür, welche Links hier angeklickt werden. Die Neuanordnung der SERPs durch Universal Search haben einige Änderungen gebracht. Entscheiden bleibt aber immer noch: Die User blättern die SERPs nicht durch – auf Seite 1 stehen bleibt ein Muss.

SEM

= Search Engine Marketing. Zum Suchmaschinenmarketing im weiteren Sinne gehören alle Maßnahmen zur Besuchergewinnung via Suchmaschinen.  Dazu gehört die Suchmaschinenoptimierung und das Schalten kostenpflichtiger Anzeigen auf Suchmaschinenergebnisseiten (wie etwa Google Adwords).  Unter Suchmaschinenmarketing im engeren Sinne wird häufig die eben die Planung und Durchführung von Google-Anzeigen verstanden.

Title-Tag (Seitentitel)

Hat sich als der wichtigste Meta-Tag etabliert. Sein Inhalt ist zum einen wichtig für das Ranking, zum anderen erscheint der Seitentitel an zwei sehr prominenten Stellen:
1) Es ist die anklickbare Überschrift in der Trefferliste bei Google.
2) Der Seitentitel steht auch im Browser im Titel.

Der Seitentitel soll die wichtigsten Keywords  enthalten, nicht länger als 65 Zeichen (mit Leerzeichen) sein und gleichzeitig den User ansprechen. Hier zeigt sich die hohe Kunst des SEO-Textens.

Tracking

to track = jemanden/etwas verfolgen.  Beim Tracking werden die Bewegungen der User im Netz bzw. auf der eigenen Website verfolgt: Woher kam der User auf die Website? Mit welchen Suchwörtern wurde die Website gefunden? Welche Seiten besucht der User auf der Website? Regelmässiges Tracking ist zur Erfolgskontrolle und zur Verbesserung der SEO-Maßnahmen unerlässlich.

Fortsetzung von:

SEO-Glossar für Online-Redakteure (4) (M-R)

SEO-Glossar für Online-Redakteure (3) (I-L)

SEO-Glossars für Online-Redakteure (2) ( C-I)

SEO-Glossars für Online-Redakteure (1) (A-B)

SEO-Glossar für Online-Redakteure (4)

Fortsetzung von:

SEO-Glossar für Online-Redakteure (3) (I-L)

SEO-Glossars für Online-Redakteure (2) ( C-I)

SEO-Glossars für Online-Redakteure (1) (A-B)

Metatags

Im Header einer HTML-Seite stehen Informationen über die Seite also “Meta-Informationen”. Im Prinzip werden in den Meta-Tags bestimmte Daten über die Seite wie in einem Formular abgefragt. Der User sieht diese Angaben nicht, aber für Suchmaschinen können die Meta-Tags “description” und “keywords” eine Rolle spielen.

Metatag “Keywords”

Unter dem Meta-Tag “Keywords” können die Schlüsselwörter einer Seite aufgeführt werden. In der Urzeit der Suchmaschinenoptimierung war die Pflege des Keyword-Tags das A und O. Wegen Keyword-Spamming und anderen unsauberen Methoden, haben die Suchmaschinenbetreiber diesen Meta-Tag aus ihren Berechungen ausgeschlossen.

Zur eigenen Organisation und Information sollte man diesen Bereich trotzdem plegen und die entscheidenden Schlüsselwörter der Seite hier eingeben.

Off-Page-Optimierung

Sind die Maßnahmen beim SEO, die nicht unmittelbar auf der Website oder im HTML-Code vorgenommen werden. Dafür zu sorgen, dass möglichst viele Links auf eine Seite zeigen (=Linkbuilding, Linkaufbau), ist das oberste Ziel bei der Off-Page-Optimierung.

On-Page-Optimierung

Hierzu gehört alles, was auf der Website oder im HTML-Code vorgenommen werden kann, um die Auffindbarkeit für Suchmaschinen zu verbessern, wie z.B. die saubere Programmierung, die richtige Benennung der Navigation, die Einbindung der Keywords an den richtigen Stellen und vieles mehr.  Hier haben die Online-Redakteure ein großes Wirkungsfeld, denn sie müssen den Spagat schaffen zwischen den Anforderungen des Lesers und den Suchmaschinen-Regeln.

PageRank

Der PageRank ist das Geheimrezept von Google, das die beiden Google Gründer Larry Page und Sergey Brin entwickelt haben. Der PageRank-Algorhitmus bewertet die Link-Popularität einer Website: Je mehr Links auf eine Seite zeigen, desto wichtiger ist die Seite. Und je mehr wichtige Seiten auf diese Seite zeigen, desto höher ist der PageRank. Der Wert geht von 1 bis 10. Der PageRank hat inzwischen an Bedeutung verloren.

SEO-Glossar für Online-Redakteure (3)

Fortsetzung des SEO-Glossars für Online-Redakteure (2) und SEO-Glossars für Online-Redakteure (1)

Indexieren

Das bezeichnet den  Vorgang, wenn eine Seite in den Index der Suchmaschine aufgenommen wird:  Die Software durchstreift das Netz und scannt die Websites und nimmt sie in die eigene Datenbank auf.  Bei der Suchabfrage wird dann nicht das ganze Internet durchsucht, sondern nur die Informationen, die im Index stehen. Bis eine Website indexiert wird, dauert das mehrere Tage oder länger.

Keywords

Schlüsselwörter sind die Verbindungsstelle zwischen Suche und dem gefundenen Inhalt:  Auf der einen Seite sind das die Wörter, die der User in das Suchfeld der Suchmaschinen eingibt – auf der anderen Seite stehen die Wörter, die den Inhalt einer Seite charakterisieren. Nur wenn sie identisch sind, erscheint eine Seite auf der Trefferliste der Suchmaschinen. Wenn jemand nach “Kaffeemaschine” sucht, dann muss auf der Website an verschiedenen Stellen das Wort “Kaffemaschine” vorkommen – “Kaffeevollautomat”, auch wenn es faktisch dasselbe ist,  nützt da nicht viel.

Keyword Density / Keyword Dichte

Je häufiger ein bestimmtes Wort im Text vorkommt, desto größer ist die Chance, dass Suche und Seite zusammen passen. Wer über Küchen schreibt, wird vielleicht einmal das Wort “Kaffeemaschine” erwähnen,  stehen aber Kaffeemaschinen im Zentrum eines Textes, wird das Wort häufiger fallen.  Deswegen ist das Keyword-Vorkommen eines der wichtigsten Ranking-Kriterien überhaupt. Um hier lange Texte nicht zu bevorzugen, wird das Verhältnis von Keywords zur Gesamtzahl der Wörter gemessen. Je höher, desto besser – das war das Motto in den Anfangszeiten der Suchmaschinenoptimierung. Inzwischen sollte die Keyword-Dichte bei etwa 3-8%  liegen (die Einschätzungen gehen in diesem Punkt auseinander) – höhere Werte werden als Spam abgewertet.

KEI (Keyword Effectiveness Index)

Der KEI dient bei der Planung der Inhalte dazu, die Wertigkeit eines Keywords zu messen. Er drückt das Verhältnis zwischen Häufigkeit des gesuchten Begriffes zur Menge der angezeigten Ergebnisse an: Anzahl der Suchanfragen/Anzahl der Treffer = KEI. Je höher der KEI, desto stärker der Suchbegriff. Ein Keyword mit hohem KEI wird häufig gesucht – man hat aber wenig Konkurrenz.

Link-Popularity

Je mehr externe Links auf eine Website führen, desto höher ist die Link-Popularität einer Seite. Die Berechnung der Link Popularity erfolgt bei Google durch einen besonderen Algorithmus, den PageRank (siehe Glossar-Stichwort “PageRank”) .

Linktext

ist der sichtbare Teil des Links. Linktexte spielen bei der Suchmaschinenoptimierung eine große Rolle, da die Suchmaschinen die dort vorkommenden Wörter höher gewichten. Das heißt auf der einen Seite, dass Online-Redakteure bei internen Verlinkungen darauf achten, dass die Keywords im Linktext erscheinen. Bei der externen Verlinkung kann man auf die eingehenden Backlinks nur indirekt Einfluss nehmen.
Hyperlinks sind die wichtigsten Elemente des World Wide Web, da Sie einzelne Dokumente untereinander verknüpfen.
Im Rahmen einer erfolgreichen Suchmaschinenoptimierung kommt den Inhalten der Linktexte eine große Bedeutung zu, da die jeweiligen Webseiten unter den im Linktext enthaltenen Begriffen höher gelistet werden.

SEO-Glossar für Online-Redakteure (2)

Fortsetzung des SEO-Glossars für Online-Redakteure (1)

Conversion Rate (Konvertierungsrate)

Eine Messgröße im Marketing, die hilft, den Erfolg einer Maßnahme zu beurteilen.  Eine Conversion Rate im Online-Bereich  misst das Verhältnis zwischen der Zahl der Besucher und der Besucher, die etwas auf der Website gemacht haben, wie z. B. sich für einen Newsletter registriert oder einen Kauf getätigt haben.

Deep Links

Links, die nicht auf die Startseite einer Website führen, sondern auf eine Unterseite, einen Artikel, eine Produktseite oder ein Bild. Die Deep Link Ratio gibt den Anteil der Deep Links am gesamten Linkaufkommen in Prozent aus – ein wichtiges Kriterium, um die Qualität des Linkaufbaus einer Website zu beurteilen.

Description (tag)

Die Description st ein HTML-Tag mit dem der Seiteninhalt beschrieben werden soll. Die Description ist für das Google Ranking sehr wichtig:  Hier sollten die wichtigsten Keywords der Seite auf jeden Fall vorkommen – wobei man nur 160 Zeichen Platz hat.  In einigen Fällen wird die Description als Text in der Trefferseite der Suchmaschinen angezeigt.

Duplicate Content

Unter Online-Redakteuren schon lange klar:  Abschreiben ist nicht gut. Jetzt gehen auch Suchmaschinen auf Jagd nach doppeltem Content und “bestrafen” Seiten, die denselben oder sehr ähnlichen Content haben.

Google Analytics

Kostenlose Software von Google zur Analyse der Zugriffe auf eine Website:  Woher kommen die Besucher? Mit welchem Suchwort wurde nach dieser Seite gesucht? Wie lange bleiben die Besucher? Solche Web-Analytic-Werkzeuge werden auch von anderen Herstellern angeboten.  Datenschutzrechtlich ist Google in Deutschland problematisch.

Headline Tags (Überschriften)

Headline Tags sind HTML-Attribute, die die einzelnen Überschriften bezeichnen. Es gibt Headline Tags von H1 – der Hauptüberschrift – bis hin zu H6. In SEO-Hinsicht spielen die untergeordneten Tags keine (bzw. keine wirklich große) Rolle. Die Hauptüberschrift sollten Sie nach allen Regeln der journalistischen Kunst formulieren und auf jeden Fall das wichtigste Keyword Ihres Textes unterbringen.

SEO-Glossar für Online-Redakteure (1)

Online-Redakteure übernehmen mit dem Texten einen wichtigen Part bei der Suchmaschinenoptimierung einer Seite. Den meisten Redakteuren fällt es in der Regel nicht allzu schwer, die  Keywords suchmaschinengerecht in SEO-Texte einzubauen. Häufig sind ihnen die Wörter aus der SEO-Welt nicht ganz geläufig. Deswegen habe ich ein kleines Glossar zur Suchmaschinenoptimierung zusammengestellt. Es erklärt die wichtigsten Wörter, die Online-Redakteure verstehen sollten.

AdWords (Google)

Ein Anzeigen-Programm, das Google anbietet.  Man bucht quasi Keyword-Anzeigenplätze (über oder neben der Trefferliste), die eingeblendet werden, wenn nach den besetzten Keywords gesucht wird.

Alt-Tag /Alt-Text

Ist ein HTML-Attribut für Bilder oder Grafiken, das Informationen über Bilder und Grafiken liefert, wenn sie nicht angezeigt werden können. Spezielle Software kann diese Information Menschen mit Sehbehinderung vorlesen. Dieser Text erscheint, wenn die Maus über das Bild bewegt wird.

Authority

Hier geht’s um Glaubwürdigkeit im Netz. Google ist daran interessiert die Websites herauszufiltern, die entweder allgemein oder bezogen auf ihr Themengebiet federführend sind. Wer als Autorität gilt, hat einen Stein im Brett bei Google und kommt leichter auf der Trefferliste nach oben. Die Indizien für Google-Authoritiy:  viele Verlinkung von möglichst unterschiedlichen Seiten – vor allem von Seiten, die selbst eine hohe “authority” haben.

Body-Text (Body-Copy)

Eine zusammenhängende längere Textpassage – Fließtext.

Backlink

Ist ein Link, der von einer anderen Seite auf die eigene Seite verweist.  Je mehr Links auf die Seite verweisen, desto besser. Ein wichtiger Bereich bei der Suchmaschinenoptimierung ist,  Backlinks zu bekommen.

(Fortsetzung folgt)

Conversion Texte: Überschriften entscheiden!

Die Zahlen, die die Web Arts AG vorlegt, sind Musik in meinen Ohren: Bei einem A/B-Test blieben alle Faktoren gleich, bis auf die Tonalität der Texte. Der Unterschied zwischen den beiden Varianten lag bei 93%(!).  Dass der Text für die Conversion Rate ein entscheidender Faktor ist, hatten wir ja bei unseren Tests auch festgestellt.

Bei diesem Test wird die Rolle der Überschriften besonders deutlich – vergleichen Sie selbst:
Variante A: (Put an end to sweat marks ) Machen Sie Schluss mit Schweißrändern!

Variante B: ( Feel fresh without a sweat mark)  Fühlen Sie sich frisch ohne Schweißrand!

Genau, Variante A ist die Gewinnerin – es sieht so aus, als ob sie die Lösung des Problems besser anspricht, als Variante B.

Daran angelehnt, einige Überlegungen für die richtige Formulierung der Überschrift bei Conversions-Texten:

  • Inhaltlicher Aufbau: [Call to Action (Handlungsaufforderung)]+ [Benefit (Kundennutzen)]
  • Verb möglichst an den  Anfang (das deutet auf Imperativ hin)
  • Achten Sie auf die Personaldeixis (Sie, du, ich). Sie zeigt nämlich an, dass Sie den Nutzen des Users im Auge haben.
  • Lieber positiv formulieren als negativ. Bei “without sweatmarks” ist der Bezug zum User noch nachvollziehbar, aber die Verbindung zum Produkt lässt die negative Formulierung offen.

Die wichtigste Regel am Schluss:  Schreiben Sie auf jeden Fall eine Überschrift, denn diese erhöht die  Erfolgsrate um 143%!

Redigieren – aber richtig!

„Publish first, edit later“ – dieses Prinzip gilt in vielen Online-Redaktionen. Die Zeit ist oft knapp und Redigieren gilt ohnehin oft als undankbare Aufgabe. Dabei ist sie eine der wichtigsten im gesamten Redaktionsprozess. Denn wer redigiert, muss nicht nur fit in Rechtschreibung und Kommasetzung sein. Er braucht eine ganze Reihe an Fähigkeiten, um aus einem unklar aufgebauten und holprig formulierten Manuskript einen lesenswerten Artikel zu machen. Diese 9 Tipps helfen beim richtigen Redigieren.

1. Problem Medium.

Als Redakteur sollten Sie immer im Hinblick auf die Zielgruppe des jeweiligen Mediums redigieren. Ein Thema muss unterschiedlich aufbereitet werden, je nachdem ob es in einem Mitarbeiterportal, dem Online-Auftritt einer Lokalzeitung oder eines Fachmagazins erscheint.

2. Problem Thema.

Autoren neigen dazu, die Wertigkeit eines Themas zu überschätzen. Deshalb sollten Sie als Redakteur dem Autor bei der Einschätzung des Themas helfen. Welche Relevanz hat das Thema? Welches ist das geeignete Ressort? Welchen Umfang nimmt er ein?
ganzen Artikel lesen

Blogs: Wie nenne ich mein …?

Wenn man über Anglizismen redet oder schreibt, kommt immer der Hinweis, statt der englischen lieber deutsche Wörter zu verwenden. Natürlich kann ich die Klagen über hässliches “Denglish” nachvollziehen und in vielen Fällen gibt es eine schönere deutsche Variante. Tatsache ist aber auch, dass es gerade im Online (Englisch!)-Bereich eine Menge englischer Wörter in die Umgangssprache geschafft haben.

Deutsche Wörter haben es hier sehr schwer oder wirken künstlich, wie ich schon in dem Artikel “Twitter – Wie nenne ich mein…” feststellen musste. Tweet, Twitter, follower, following, hashtag – übersetzen oder lassen? Anglizismen sind nicht sonderlich elegant, aber übersetzen klappt auch nicht immer – auch wenn einige kreative Vorschläge für eine deutsche Entsprechung gemacht wurden. Mal schauen wie’s beim Blog-Vokabular aussieht:

Der/die/das Blog
Diese Diskussion ist so alt wie das Bloggen selbst: Heißt es nun „der“ Blog oder „das“ Blog? Während die Blogger der ersten Stunde oft auf „das“ Blog beharren, kursiert in der deutschen Blogosphäre ebenso häufig auch „der“ Blog.
Mit dem ersten Eintrag im Duden, der letzten Instanz in Zweifelsfällen deutscher Sprache  wurde es 2006 offiziell: Man darf sowohl „das“ als auch „der“ Blog sagen (wobei „der“ nur Rang 2 einnimmt).
Logisch: Bei einem englischen Wort gilt der Artikel der Eindeutschung: Wer Weblog mit „Notizblock“ übersetzt statt mit „Logbuch“, der darf mit Segen des Bibliographischen Instituts in Mannheim auch „der“ Blog schreiben.

Post
Das habe ich gestern gepostet” – als Verb wird “post” oft verwendet, als Substantiv haben sich jedoch deutsche Wörter wie Beitrag, Eintrag oder Artikel durchgesetzt. Das Problem liegt hier vielleicht an der Nähe des Wortes im deutschen Sprachgebrauch zum großen gelben Briefunternehmen.

Kommentare
No comments, sondern Kommentare. In diesem seltenen Fall wird tatsächlich am deutschen Vokabular festgehalten. Das mag an der deutlichen Nähe des Wortes zu seiner englischen Übersetzung liegen.

Blogroll
Die Blogrolle. Ein Begriff, der endlich auch im Deutschen funktioniert. Die Umschreibung ist auch verständlich: öffentliche Linkliste zu anderen Weblogs. Wahrscheinlich liegt’s am cool wirkenden Klang des englischen “r”, dass das brave deutsche Wort sich nicht wirklich durchsetzen kann.

Trackback
Frei zu übersetzen am besten mit dem „gegenseitigen Zitat“. Daraus kann man im Deutschen leider kein schönes Substantiv machen. Das liegt wohl daran, dass im Deutschen hier zwei Verben stehen müssten:  “rückverfolgen” und “nachverfolgen“. Es wird wohl bei der englischen Bezeichnung bleiben, weil hier auch die Kraft des Reimes wirkt.

Tag
Tags bieten die Möglichkeit, den Inhalt eines Blogs zu kategorisieren. „Kategorien“ oder „Schlagworte“ wären demnach eine angemessene deutsche Übersetzung. Das Wort „tag“ besticht allerdings durch seine Kürze.

Bei der näheren Betrachtung finde ich sehr interessant, dass sich viele Wörter nicht nur durchsetzen, weil sie besser passen, sondern weil sie klanglich reizvoll sind. Da sich Blogs und deren Vokabular schon etabliert haben, glaube ich nicht, dass sich hier deutsche Wörter weiter durchsetzen. Aber wenn Sie bessere Vorschläge haben, fände ich die natürlich sehr interessant!

Anglizismen: So macht man es richtig (4)

Verben

Verben sind in Bezug auf Anglizismen  eine Klasse für sich. Durch die verschiedenen Zeitformen und Konjugationen kommt es bei (d)englischen Verben oft zu großer Verwirrung. Auch hier gilt: Halten Sie sich in erster Linie an die deutschen Regeln. Konjugieren Sie wie gewohnt und setzen Sie Hilfsverben nach Gefühl ein.

  • Sollte Ihnen ein Hilfsverb einer Vergangenheitskonstruktion dennoch absolut fehl am Platz vorkommen, umgehen Sie das Hilfsverb einfach.
    Beispiel: Statt „Ich habe die Webseite gerelauncht“ oder „Die Website ist gerelauncht“ könnten Sie die Konstruktion ersetzen, indem Sie ein Nomen einsetzen: „Der Relaunch-Vorgang der Webseite ist abgeschlossen“
  • Große Fragezeichen stellen auch immer wieder die vermeintlich trennbaren Zusammensetzungen dar. Auch hierbei sollten Sie das Gefühl entscheiden lassen – oder sich für die Variante mit der besseren Verständlichkeit entscheiden.
    Beispiel: „Ich downloade die Datei“ ist  wahrscheinlich etwas eleganter als „Ich lade die Datei down“. Die beste Variante in diesem Fall „Ich lade die Datei herunter“?
  • Oft stellt sich auch die Frage, ob man ein englisches Verb im Deutschen nach englischen Regeln konjugieren sollte. Wie immer sollten Sie sich ans Deutsche halten.
    Beispiel „Gepostet“, „Recycelt“, „gesurft“, „gecancelt“
    Aber wie soll es auch anders sein – natürlich gibt es Ausnahmen. Für diese gibt es auch wie immer keine festen Regeln. Auch hier sollte eher wieder das Gefühl entscheiden.Beispiel: „getimt“ oder „getunt“ wäre kaum zu verstehen, „getimed“ und „getuned“ macht durchaus mehr Sinn.
  • Bei Verben die auf Konsonanten enden, ist meist nicht klar, ob dieser verdoppelt werden muss oder darf. Hierbei solllten Sie sich am Englischen Gerundium orientieren.
    Beispiel: „reset – resetting“ – Also auf (D)englisch: „das Resetten“, „scan – scanning“ – also auf (D)englisch: „Das Scannen“

Richtige Schreibung

  • Auch für die Groß- und Kleinschreibung gelten im Großen und Ganzen die deutschen Regeln. So werden Nomen groß geschrieben, Verben klein usw. Beispiel: „the scanner“ aber „Der Scanner“
  • Bei zusammengesetzten Substantiven sollten Sie auf Binderstriche verzichten. Dies gilt für mehrsprachige Kombinationen wie zum Beispiel  „Designschule“ „Webanwendung“ genauso wie für einsprachige Kombinationen wie „Webdesign“ und „Computerpool“.
    Dennoch ist auch hierfür keine klare Regel gegeben. Wollen Sie etwa einen Teil der Wortkombination besonders hervorheben, bietet sich der Bindestrich wiederum an. Manchmal ist er sogar unerlässlich oder kann bei langen Kombinationen die Lesefreundlichkeit und somit das Verständnis erhöhen.
    Beispiel: „PC-Raum“ „DTP-Programm“ oder „Backupverfahren“ vs. „Back-up-Verfahren“. Entscheiden Sie nach Gefühl und Ihrer Intention.

Wie aus den vorangegangenen Tipps und Beispielen hervorgeht, gibt es in den meisten Fällen keine klare Lösung. Deshalb bietet es sich tatsächlich an, die oben genannten Fehlerquellen geschickt zum umfahren und das Gefühl entscheiden zu lassen. Die eleganteste Lösung ist im  Zweifel immer, nach einer deutschen Entsprechung zu suchen – in den allermeisten Fällen funktioniert das.
Erfolgreiches Surfen, frohes Resetten und einen gechillten Arbeitstag!

Teil 1

Teil 2

Teil 3