Archiv für 'Fundstücke'

Neuigkeiten aus der Nachbarschaft – Die Situation der hyperlokalen News in Großbritannien

Was im eigenen Kiez, im Stadtteil, in der Stadt passiert, in der man lebt, dafür interessieren sich viele Menschen. Bisher waren für (hyper)-lokale Nachrichten in erster Linie die Tageszeitungen zuständig. Doch sie haben das Lokalnachrichtenmonopol verloren. Im Netz hat sich eine Vielfalt von unterschiedlichen Websites, Blogs und Nachrichtenportalen der hyperlokalen Berichterstattung angenommen. Die Online-Präsenz der Tageszeitungen sind da nur eine Variante unter vielen.

Wie sieht nun die Landschaft hyperlokaler Berichterstattung im Netzt tatsächlich aus? Wer sind die Publizisten? Welchen Anspruch haben sie? Welche Themen stehen im Mittelpunkt? Wer sind die Leser? Für Großbritannien hat der Journalist und Medienforscher Damian Radcliffe die Ergebnisse der aktuellen Studien zum Thema zusammengestellt. Herzstück dieses Studien-Berichts ist die Befragung von 183 Hyperlocal-News-Produzenten, die Andy Williams von der Cardiff School of Journalism, Media and Cultural Studies, im letzten Jahr durchgeführt hat.

Erst einmal die harten Fakten:

  • Es gibt über 400 aktive hyperlokale Websites in GB.
  • 17% der britischen Internet-User informieren sich mindestens einmal wöchentlich über lokale Themen auf Websites und über Apps.
  • 13% der hyperlokalen Websites erzielen mehr als 500£ pro Monat.

Der Fokus liegt eindeutig auf den Veranstaltungen in dem gewählten Bezirk: Termine von Vereinen, Veranstaltungen aller Art (Sport, Spaß, Kultur, Politik), dazu News aus dem Stadtteil, wie man sie z.B. in Polizeiberichten findet. Ergänzt mit Berichten zur Geschichte, zu Besonderheiten von Institutionen oder ähnlichen lokalrelevanter Einrichtungen.

Die Briten interessieren solche Themen: 69% der britischen Internet-User haben solche Websites und Apps 2015 genutzt. Das Interesse ist in den letzten Jahren gestiegen und ein weiteres Wachstum wird auch erwartet. Dabei spielen Smartphones eine wichtige Rolle. Die User suchen nach dem aktuellen Wetter in ihrer Region, nach News, nach Restaurants und Bars und Sportergebnissen oder Sportereignissen. Kultur spielt vor allem bei älteren Usern eine Rolle, die jüngeren setzen den Fokus eher auf Sport.

Die Gruppe der Website-Produzenten ist sehr heterogen, was etwa das Know-How betrifft (etwa die Hälfte hat eine journalistische Fort-oder Ausbildung) oder auch das Selbstverständnis: Ungefähr 70% sehen ihre Arbeit als aktive Teilhabe an der lokalen Gemeinschaft, mehr als die Hälfte sehen es als journalistisches Engagement (Mehrfachnennungen möglich). Viele von ihnen stecken ihr eigenes Geld in die Website, die Erträge sind extrem unterschiedlich: Etwas mehr als ein Drittel machen weniger als 100 £ Umsatz im Monat, etwas mehr als 20% erzielen mehr als 1000£ monatlich.

Auch die BBC will jetzt verstärkt Teil dieser hyperlokalen Landschaft sein:

“There are plenty of examples of hyperlocal journalism doing an excellent job of keeping citizens informed and holding local power to account. As the sector matures and tests new ways to become sustainable, it’s right that the BBC should support it through this initiative and recognise the value it creates for citizens.”

Roboterjournalismus: Denken, Wissen, Rechnen, Schreiben

Die Mensch-Maschinen-Debatte hat das Feld des Journalismus erreicht. Was mich an dieser Auseinandersetzung am meisten interessiert, ist die Darstellung der Alleinstellungsmerkmale des menschlichen Journalisten. Welche Eigenschaften werden ihm zugeschrieben? Was kann er besser als die Software?  In dem Post „Roboterjournalismus – Wo sind seine Grenzen?“ bin ich darauf eingegangen, dass die Software nicht investigativ oder quellenkritisch arbeiten kann, ihr der Zugang zum Weltwissen und das Talent für Tragödien fehlt.

Menschen denken wie Menschen

Will Oremus hat in seinem sehr lesenwerten Artikel bei Slate.com seine Sicht auf den Robotjournalismus dargestellt. Worin sind Menschen den Maschinen überlegen? Seine Grundannahme ist nur scheinbar banal: Menschen sind jetzt bereits besser darin zu denken wie ein Mensch als es einem Computer jemals gelingen wird.
Entscheidend für Oremus sind diese Fähigkeiten des Journalisten: Sie können gut Geschichten erzählen, Anekdoten herauspicken und Analogien und Verbindungen zwischen Informationen herausarbeiten. Sie können vor allem aus einer unförmigen Wolke von Informationen und Daten rund um ein Ereignis zum einen leicht vertraute Muster erkennen und zum anderen zielsicher und intuitiv die Punkte herausziehen, was andere Menschen interessiert. In keinem dieser Punkte sind Algorithmen sonderlich gut.

Computer können besser rechnen

Eine Software kann hingegen schnell große Datensätze scannen und Muster identifizieren. Gerade bei der Auswertung von Daten „übersehen“ sie keine Muster und erfassen schnell die Schlüsseldaten einer Datenbank.  Der Fokus liegt auf „schell“ und „groß“.Wenn die Text-Maschine einmal gebaut ist, sinken die Kosten für einen Artikel gegen Null.

Die „Prosa“ der Maschinen – Gutes Schreiben kann die Software lernen

Und was ist mit der unbeschreiblichen Fähigkeit des Menschen einer Geschichte einen besonderen Ton zu verleihen? Das wird sehr häufig als Alleinstellungsmerkmal des menschlichen Autors hervorgehoben. Hier schätzt Oremus die Möglichkeiten der Maschine so ein, wie wir es bei AX Semantics tun: Gut Schreiben kann die Software lernen. Mit dem richtigen Briefing und der richtigen Programmierung können Sprache und Stil der generierten Texte ziemlich genau an die Anforderungen angepasst werden. Es sind keine „blechern“ klingenden Roboter-Texte, die aus dem Computer kommen.

Datenqualität ist entscheidend

Will Oremus hat genau hingeschaut bei seiner Recherche zum Thema Roboterjournalismus, denn er trifft die „Schwachstelle“ des Roboterjournalisten genau: Das Problem bei dem Wettbewerb zwischen Mensch und Maschine ist nicht die Qualität der automatisch generierten Texte, entscheidend ist vielmehr die Qualität der Daten.
Das umfasst meiner Meinung nach zwei unterschiedliche Bereiche: Zum einen muss die Datenbasis für die Texte stimmen. „Making data talk – 6 tips on how to make your data fit for linguistic applications“ zeigt, worauf es hier ankommt.
Zum anderen sind in vielen Fällen die Daten nicht ausreichend – und hier sind wir wieder beim Weltwissen und der Datenknappheit. Die Software kann sehr viele Regeln lernen und damit Texte korrekt und relativ abwechslungsreich gestalten.

Schon ein Gewitter kann die Software herausfordern

Aber wenn ein Mensch beispielsweise ein Fußballspiel sieht bei dem ein starkes Gewitter losbricht, kann er das Ereignis in der Regel leicht einordnen und beim Schreiben seines Textes berücksichtigen. Die Relevanz und das Leserinteresse zu bestimmen, fällt einem menschlichen Autor für solche Vorkommnisse eher leicht.
Um einen Computer dazu zu bringen, dass er einen solchen Vorfall bewertet und entscheidet, ob und wie er das in seinen Text aufnimmt, muss er erst einmal an einer Datenbank angeschlossen sein, die Wetterdaten liefert. Dazu braucht die Software eine breite Daten- und Berechunungsgrundlage wann und wie etwa Wetterereignisse bei einem Fußballspiel ein Rolle spielen. Ein solches Detail ist programmierbar – keine Frage. Allerdings ist noch zu diskutieren, ob ein Computer jemals so viele Daten zur Verfügung hat und verarbeitet, dass seine Ergebnisse mit den allgemeinen, menschlichen Fähigkeiten konkurrieren können.

Corporate Blogs: Was macht sie erfolgreich?

Eine neue Studie stellt den Sinn des Corporate Blogging in Frage. Die Themen seien langweilig, die Leser interessiert es nicht und Interaktion ist Mangelware. Sind Unternehmensblogs also ein einziger großer Irrtum?

Die Häfte der DAX30-Unternehmen bloggen –  Leserreaktionen sind eher selten

„Content Marketing ist tot“. Mit seiner provokanten These, die Wirtschaftsjournalist und Blogger Jochen Mai als Ergebnis seiner Studie „Corporate Blogs 2014“ präsentierte, stieß er eine angeregte Debatte über Sinn und Unsinn von Unternehmensblogs an. Seine Analyse ergab, dass nur jedes zweite DAX30-Unternehmen einen eigenen Blog betreibt. Zudem stünden alle Betreiber vor dem gleichen Problem: die Interaktion mit den Lesern fehlt. Fast 65 Prozent der untersuchten Blogs erhalten keinerlei Kommentare auf einen Artikel. Der Rest sammelt durchschnittlich zwei Leserreaktionen pro Artikel.
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Social Media Trends: Pinterest Risiko Urheberrecht (Teil 5)

Das ist das Pinterest-Traumbild: eine große bunte Bilderwelt mit Usern, die gerne teilen, was ihnen gefällt, den Links folgen und sich von schönen Bildern zum Kaufen anregen lassen. Auch wenn die genauere und mit Grauschattierungen versehene Gesamtschau der bisherigen Teile der Pinterest-Reihe nicht immer eine Jubelarie war, bleibt der Eindruck doch sehr positiv. Gibt es keinen Haken? Was kann man sehen, wenn man die rosa Brille abnimmt?

Urheberrechte – der Pferdefuß bei Pinterest

Der größte Haken bei Pinterest ist das Urheberrecht. Das kann man nicht oft genug wiederholen: Die meisten gepinnten Bilder auf Pinterest sind im Prinzip ein einziger Urheberrechtsverstoß: Die meisten User kümmern sich beim Pinnen und Repinnen nicht darum, wer die Rechte an diesem Bild hat oder fragen an, ob sie das Bild verwenden dürfen. Ist ein solcher umbekümmerter Umgang mit Bildrechten ohne Folgen, weil einfach noch niemand geklagt hat? 
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Social Media Trends: Was können Unternehmen bei Pinterest tun? (4)

In Teil 2 und Teil 3 der Pinterest-Reihe haben die Auswertung des Wordings und der Themen sowie die Anlyse des Nutzerverhaltens deutlich gemacht, dass gerade im E-Commerce eine Stärke von Pinterest liegt. Hier hat sich Pinterest bereits neben – zum Teil aber schon vor anderen sozialen Plattformen etabliert.

Gleichzeitig signalisieren die Macher von Pinterest immer deutlicher, dass sie ihre Plattform nicht allein für private Boards vorgesehen haben, sondern durchaus auch eindeutige kommerzielle Belange integriert werden sollen. Welche Möglichkeiten bieten sich nun den Unternehmen bei der Nutzung von Pinterest? Und wie wird die Plattform von Unternehmen genutzt?
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Social Media Trends: Pinterest im E-Commerce (3)

Nachdem das Nutzerverhalten auf dem Board, die Analyse der Sujets und der Sprache bei Pinterest (siehe Teil 2) deutliche Indizien dafür gegeben haben, dass Produkte und das „Haben-Wollen“ ein zentrales Thema bei den Usern dieser sozialen Plattform ist, soll in diesem Teil der Pinterest-Nutzer als Kunde genauer betrachtet werden. Das ist kein marginales Thema, denn Pinterest-Empfehlungen werden gekauft (Studie von compete) – vor allem von Männern.
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Social Media Trends: Pinterest auf der Überholspur ? (1)

Pinterest –  nur eine persönliche virtuelle Pinwand für schöne Fotos oder ein echtes soziales Netzwerk, in dem auch Unternehmen ihren Platz haben?  Um die Dimensionen des kalifornischen Bilderdienstes ein wenig auszuloten, habe ich eine kleine – zugegebenermaßen etwas zahlenlastige – Serie zusammengestellt.

Unglaubliche Zahlen waren im Sommer diesen Jahres über Pinterest zu lesen: Um 181% sind die Besucherzahlen von April 2012 bis April 2013 in Deutschland gestiegen – auf 864000 Besucher. Eine völlig marginale Zahl im Gegensatz zu den rund 25 Millionen regelmäßigen Facebook Nutzern aus Deutschland. Facebook hat ganz klar eine Monopostellung in der Social Media Welt.

Doch trotzdem lohnt sich ein genauer Blick auf die Statistiken,denn es gibt einige Indizien dafür, dass Pinterest nicht nur bei den Usern, sondern vor allem im E-Commerce deutlich an Bedeutung gewonnen hat.

Der Erfolg einer Social Media Plattform lässt sich sicher an den Userzahlen ablesen, doch für Website-Betreiber gibt es eine dringendere Frage als die Zahl der Facebook-Nutzer. In erster Linie wollen sie wissen: Welche Social Media-Plattformen bringen wirklich Traffic auf meine Website?

Social Media etablieren sich als Einstiegspunkt im Netz – Pinterest mit dem stärksten Wachstum

Und hier gibt es eine echte Überraschung, wie die Klick-Zahlen zeigen, die Shareaholics in seinem Social Media Report für den Zeitraum von September 2012 bis September 2013 auflistet. Der Marktführer bei den Online Social Sharing-Anbietern kann auf eine breite Datenbasis von über 200 000 getrackten (internationalen) Websites zurückgreifen.

Die erste Erkenntnis: User nutzen Social Media als Ausgangspunkt für ihre Internet-Aktivitäten. Über 16% der Besucher kamen per Klick von einer sozialen Plattform auf die Websites.

Facebook ist und bleibt als Sprungbrett auf die Websites unbestritten Nummer 1. Von hier kamen über 8% der Besucher mit starker Entwicklung nach oben, denn es war ein deutliches Wachstum von 58% zu erkennen. Auf dem zweiten Platz hat sich Pinterest etabliert, im September 2013 lag die Bildersammelstelle mit über 3% noch vor Twitter mit etwas über 1%. Auffallend ist vor allem die Entwicklung – hier hat Pinterest stärker zugelegt als alle anderen.

Als Plattform für geteilte Inhalte liegt Pinterest direkt hinter Facebook und Twitter

Auch wenn man den Fokus auf die Inhalte legt, schafft es Pinterest sehr weit nach vorne, wie die im Juli veröffentlichten Zahlen des Community- und Datenmanagementsservices Gigya ergeben. Demnach wird die Hälfte der Inhalte auf Facebook geteilt, ungefähr ein Viertel auf Twitter und 16% auf Pinterest. Andere soziale Plattformen spielen da kaum eine Rolle.

Pinterest auf Platz 4 von allen Traffic-Quellen

Um die Zahlen in einen größeren Zusammenhang einzubetten und beurteilen zu können, ist es interessant, alle unterschiedlichen Traffic-Quellen im Überblick zu betrachten. Hier hat Sharaholic für das letzte Jahr Zahlen vorgelegt. Der größte Besucher-Lieferant ist natürlich eindeutig Google, aber  Pinterest hat sich hier vor viele Mitbewerber gesetzt.

Woher kommen die Besucher?

  1. Google organische Suche (knapp 40%)
  2. direkter Einstieg (ca 20%)
  3. Facebook (ca 6%)
  4. Pinterest (ca 2%)

Pinterest die führende Social Media Plattform im E-Commerce

Bei aller Freude über das Wachstum und die Entwicklung, der Einwand, dass es Pinterest nur ein sehr schmales Stück vom Traffic-Kuchen liefert, ist für diese allgemeinen Zahlen nicht von der Hand zu weisen. Doch filtert man die Daten nach Geschäftsfelder, kommt man zu sehr interessanten Ergebnissen: Pinterest hat Facebook als Plattform für geteilte Inhalte im E-Commerce überholt! 41% der E-Commerce Inhalte werden an die Boards bei Pinterest gepinnt, Facebook (37%) und Twitter (17%) wurden auf die Plätze verwiesen.

Quelle: gigya.com

 

 

(Fortsetzung folgt)

 

 
Social Media Trends: Pinterest – Nutzer und Themen (2)
Social Media Trends: Pinterest im E-Commerce (3)
Social Media Trends: Was können Unternehmen bei Pinterest tun? (4)

Le Huffington Post ist online!

Die Franzosen kommen nun in den „Genuss“ der Huffington Post. Wie die Amerikaner auf Twitter mitteilten ist seit einigen Stunden Le Huffington Post als Teil der Le Monde Gruppe online.

Ich finde das Layout nach wie vor extrem gruselig und werde auch mit der Qualität der Inhalte nicht glücklich. Also schauen und selbst urteilen, ob die Le Huffington Post was taugt. Freu‘ mich auf die Kommentare.

 

 

 

Amadeus startet Social Media Suite für Reisebüros

Auf der FVW Travel Expo sprach ich mit Fabian Pfütze dem Projektleiter für die Social Media Suite von Amadeus. Damit können Reisebüros die Social Media Welt als Vertragspartner von Amadeus die Chancen des Web 2.0 nutzen.

Ein paar Hintergründe stellt Amadeus in der Presseinfo vom 13. September dar.

Der Demo Auftritt des Reisebüro Sonnenschein auf Facebook ist allerdings nicht halb so beeindruckend wie das Backend, mit dem dieser Auftritt gesteuert wird. Ein eigener AppShop lässt Kunden Tools zukaufen und ein Analytics Tool ergänzt das Ganze.

Lektorat Fehlanzeige?

Natürlich kann es immer passieren – aber trotzdem sollte es nicht vorkommen. Das Beispiel zeigt, dass ein gutes Lektorat auch die Korrektur von Bildern umfasst. Und es bestärkt mich darin, meine Kunden zu hinreichenden Freigabeprozessen zu raten. Ich frage mich, wie viele Augen hier vor der Freigabe draufgeschaut haben?