Individuelle Roboterleistung? Warum automatisierte Sportberichterstattung kein Einheitsbrei sein muss.

Kennen Sie das Quiz „Mensch oder Maschine?“ Das führe ich selbst gerne bei Veranstaltungen durch: Ich zeige zwei Texte und frage nach der Einschätzung der Zuhörer. „Welchen Text hat eine Maschine geschrieben, welchen ein Journalist?“ Die Pointe dabei ist, dass die meisten Menschen die Texte nicht zuordnen können. Dieses Ratespiel ist auch Grundlage einiger wissenschaftlicher Studien, die sich damit befassen, wie Menschen Texte bewerten und welche Rolle es spielt, wenn der Autor eine Software ist.

So gerne ich das Quiz zeige, weil es dem Publikum Spaß macht und gleichzeitig die Qualität der automatisierten Texte unterstreicht, kann es doch den Eindruck erwecken, es gäbe „den“ automatisierten Text auf der einen und „den“ handgeschriebenen Text auf der anderen Seite. Doch dieser Gegensatz entspricht nicht der Realität.

Die journalistische Vielfalt ist den meisten von uns geläufig: Wenn Sie beispielsweise die Sportberichterstattung über das Championsleague Finale in diesem Jahr anschauen, finden Sie eine große Bandbreite an Artikeln, die sich etwa in der Sprache, Detailtiefe, Struktur und Faktendichte deutlich unterscheiden. Natürlich sind wir geneigt, diese Individualität dem Autor zuzuschreiben. Aber Journalisten wissen, dass die Vorgaben der Zeitung oder der Plattform wie z.B. die Ausrichtung auf die Zielgruppe, sprachliche Standards, Tonalität und auch die Länge der Artikel, den Charakter eines Textes noch stärker beeinflussen als die individuelle Handschrift.

Und genau ein solches Briefing mit den besonderen Anforderungen bekommen die Maschinen auch – allerdings in Form von Algorithmen und Regeln. Das Ergebnis sind dann verschiedenartige Texte. Wenn Sie dann automatisierte Texte vergleichen, die unterschiedlichen Anforderungen gerecht werden müssen, dann bleibt nicht mehr viel übrig vom Anschein der Uniformität. Die Varianz der Texte hängt vom Überbau und der Programmierung ab. So arbeiten Mensch und Maschine analog zur „Industrie 4.0 beim  Medien 4.0-Prozess „Hand in Hand“. Beide ergänzen sich und profitieren dabei von den gegenseitigen Stärken. Routineaufgaben wie Berichte der dritten Bundesliga übernimmt die Maschine. Das Resultat: leserorientierte, verständliche und lesenswerte Texte und mehr Zeit für anspruchsvollen Qualitätsjournalismus. Es gibt den „Robotertext“ eben so wenig, wie es den „Journalistentext“ gibt.