Archiv für Juli, 2015

Die Grenzen der Verständlichkeit?

Texte sollen verstanden werden: Je nachvollziehbarer die Argumentation, je konkreter die Sprache, desto besser ist der Text. Diese Ansicht wird auch in Pascals Zitat über gute Bücher deutlich:

Die besten Bücher sind die, von denen jeder meint, er hätte sie selbst schreiben können.

Pascals Gedanke ist klar: Der Leser versteht genau, was der Autor meint. Die Botschaft des Textes erschließt sich ihm in solchem Maße, dass der Leser sich selbst in der Lage fühlt, den Sachverhalt, die Geschichte oder die Information aufzuschreiben. Schreiben kann man erst, wenn man sich sicher fühlt in seinem Sujet – das hat jeder von uns wohl schon selbst erfahren.

Schreiben kann jeder!?

Exkurs: Lassen Sie uns den zweiten Teil des Zitats unter die Lupe nehmen: „(…) jeder meint, er hätte sie selbst schreiben können“. Diese Annahme, dass jeder (ohne Ausbildung) zum Autor werden kann, begegnet uns in der Beratung häufig. „Schreiben kann jeder“, ganz gleich ob er das gelernt hat oder nicht – im Gegensatz zum Autoreparieren etwa.  Das klingt erst einmal positiv, doch das führt im Arbeitsalltag oft dazu, dass das Schreiben guter Texte als nicht besonders anspruchsvolle Arbeit abgewertet wird. (Wenn sie an dieser Stelle weiterlesen wollen, empfehle ich Ihnen den Aufsatz von Heike Häfele „Blessing or Curse: “Everybody Knows how to Write” – How Can Good Editorial Work Be Accomplished on an Intranet?„)

Verständlichkeit vs. Lesevergnügen

Zurück zu Pascal und der Verständlichkeit. Was wäre, wenn man sein Zitat ein wenig zuspitzt: Er plädiert also dafür, so nah am Leser dranzubleiben und dass die Grenze zwischen Autor und Leser verschwimmt. Das, was der Autor weiß, glaubt der Leser auch zu wissen. Das anspruchsvollste daran, ist dass der Autor genau die Sprache sprechen muss, die der Leser ohne Umstände versteht. Auch auf struktureller Ebene muss der Text einfach gehalten sein, die Argumente sehr leicht nachvollziehbar und Schritt-für-Schritt dargelegt werden.  Aber: Wo liegt das Lesevergnügen, wenn man das Gefühl hat, dass einem jeder Bissen vorgekaut wird?

Sind Texte, die jeder versteht die besten Texte?

Sieht man sich das Paradebeispiel verständlicher Texte an: Texte, die in leichter Sprache verfasst sind, dann wird dieser Umstand besonders deutlich. Die „leichte Sprache“ folgt sehr strengen Regeln, kurze Sätze, ein Gedanke pro Satz, keine Abkürzungen und viele mehr. Alles Faktoren, die die Verständlichkeit verbessern sollen. Warum bleibt die „leichte Sprache“ dann ein Nischenprodukt (für Menschen, die Schwierigkeiten haben, Texte zu verstehen) und setzt sich nicht als allgemeiner Standard durch? Texte, die wirklich jeder versteht, wären doch im Pascalschen Sinne die besten Texte. Kritisiert wird häufig, dass man mit der einfachen Sprache komplexe Sachverhalte ja auf keinen Fall ausdrücken könne.

Unverständlichkeit hat viele Motive

Eine Analyse der Regierungserklärungen deutscher Bundeskanzler bezüglich ihrer Verständlichkeit („Wer versteht den Bundeskanzler„)  konnte aufzeigen, dass es eben nicht die Komplexität der Sachverhalte sind, die den Grad der Verständlichkeit bestimmen:

Bundeskanzler(innen) verwenden immer dann relativ einfache Wörter und kurze Sätze, wenn sie eigene Erfolge und Leistungen betonen, wenn sie Vorhaben verkünden, die im Einklang mit der öffentlichen Meinung stehen, oder wenn sie die Opposition kritisieren. Muss ein Kanzler bzw. eine Kanzlerin der Bevölkerung hingegen Probleme oder negative Bilanzen erklären, unpopuläre Maßnahmen verkünden oder eigene Misserfolge, Fehler und Versäumnisse einräumen, dann verwendet er bzw. sie tendenziell eher schwierige Wörter und lange Sätze.
(Quelle: Jan Kercher „Zur Messung der Verständlichkeit deutscher Spitzenpolitiker„)

Und das ist wohl genau das, was Pascal mit seinem Satz entlarven will: Verständlichkeit hat mehr mit den Eitelkeit, den Absichten und der Fähigkeiten des Autors zu tun als mit der Komplexität des Sachverhalts. Die Kunst des Autors besteht darin, den Verlockungen der Unverständlichkeit nicht nach zu geben und seine Schreibkompetenz in Richtung klare, einfach Aussagen zu optimieren.

In einer weiteren Studie zur Verständlichkeit deutscher Politiker wird noch ein zweiter Umstand deutlich: Nämlich, dass die Beurteilung der Verständlichkeit eines Textes nicht von der Sprachkompetenz des Leser abhängt.

Das Fazit:

  1. Ob ein Autor verständlich oder schwer verständlich schreibt, ist also auf keinem Fall dem Grad der Komplexität eines Sachverhalts geschuldet. Vielmehr spielen strategische und psychologische Motive eine stärkere Rolle als angenommen.
  2. Es ist gleich, welche Lesefähigkeit ein Leser hat, die Beurteilung, ob ein Text verständlich ist oder nicht, wird von denselben Textmerkmalen beeinflusst.

 

Video als zukunftweisendes Kommunikationsmedium im Intranet

„Videos sind aufwendig und teuer in der Produktion“, mit dieser Begründung wurde noch vor ein paar Jahren ein Einsatz von Videos im Intranet häufig nicht einmal erwogen. Doch inzwischen werden authentische und einfach produzierte Videos als Kommunikationsmittel nicht nur in den sozialen Medien und im PR Bereich immer interessanter.

Auch in der internen Kommunikation und im Wissensmanagement können persönliche Erfahrungs- und Erklärvideos eingesetzt werden, um Inhalte greifbar, realistisch und nachhaltig zu vermitteln. Im Intranetumfeld werden Videoproduktionen immer einfacher, das ist nicht immer ein Nachteil.

Warum Videos?

Aus eigener Erfahrung wissen wir, dass Videos meistens einprägsamer sind als Informationen, die als Text vorliegen, da wir mit Videos Inhalte anschaulich und somit „einfacher“ erklären können. Speziell bei komplexeren Sachverhalten oder persönlichen Erfahrungen kann es schwer werden, Informationen unverfälscht und unmissverständlich zu formulieren. Dank der immer einfacheren und auch günstigeren Möglichkeiten, Videos zu drehen, kann man hier die Vorteile der direkten Ansprache nutzen.

So können Sie mit Videos das interne Wissensmanagement fördern

Nutzen Sie Videos beispielsweise, um Ihre persönlichen Erfahrungen, die Sie während der Arbeit in Projekten, Kundenmeetings oder Workshops gesammelt haben, mit Ihren Kollegen zu teilen.
Dazu brauchen Sie gerade im Intranet nicht viel: Platzieren Sie eine Kamera vor sich (das muss kein Spitzenmodell sein) und stellen Sie sich vor, die Kamera sei ein neuer Mitarbeiter, der erfahren möchte, was Sie zu einem bestimmten Thema für Erfahrungen gemacht haben. Folgende Fragen könnte ein neuer Mitarbeiter stellen und sollten deshalb beantwortet werden:

  • Was war der Projektauftrag?
  • Haben Sie das Projektziel erreicht?
  • Wie war die menschliche Zusammenarbeit?
  • Woraus haben Sie am meisten gelernt?
  • Was werden Sie im nächsten Projekt deshalb anders machen?
  • Gab es Probleme, die nicht gelöst werden konnten?
  • Was hat hingegen gut geklappt?

Mehr Möglichkeiten mit verschiedenen Videoformaten

Die Videos können auch in einem anderen Format aufgebaut sein. Wenn jemand nicht so gerne in eine Kamera spricht, kann er beispielsweise von einem Kollegen interviewt werden, oder zwei Kollegen die am selben Projekt gearbeitet haben, erzählen gemeinsam von ihren Erfahrungen.
Mit einem Screencast können Sie auch bestimmte Programme und Anwendungen kurz und präzise erklären. Und das alles mit wenigen und günstigen Mitteln.

Videos bei aexea bereits etabliert

Wir haben Videos als Erfahrungsberichte bereits erfolgreich in unserem eigenen Intranet etabliert und dabei von den Kollegen großen Zuspruch erhalten. Der Dreh eines Videos dauert in der Regel eine halbe Stunde. Das Material wird danach an maximal ein bis zwei Stellen geschnitten (wenn beispielsweise eine Gedankenpause zu lange dauert).  . In einem kurzen Text erläutern wir die Inhalte des Projekts und die Ziele. Alles Weitere, insbesondere die persönlichen Erfahrungen, erzählen wir im Video. Speziell bei der Vermittlung von Projektinhalten ist es unser gängiges Medium geworden.