Archiv für Juli, 2011

ARD-ZDF-Onlinestudie 2011 – wie war’s eigentlich noch vor zehn Jahren?

Es ist wieder Zeit für die wichtigste Untersuchung des Online-Verhaltens der Deutschen: Gerade wurde die Onlinestudie von ARD und ZDF 2011 veröffentlicht. Seit 1997  wird durch eine repräsentative Umfrage unter Personen ab 14 Jahren die Entwicklung der Internetnutzung in Deutschland dargestellt.

Was mich ziemlich erstaunt hat: Die Rentner holen weiter auf: Mittlerweile sind 34,5% der Über-60-Jährigen online! Das ist eine Steigerungsrate von sage und schreibe 23% gegenüber 2010. Das Internet ist aus unser aller Alltag nicht mehr wegzudenken. Aber wie war das noch vor zehn Jahren? Können Sie sich noch erinnern?

Werfen wir doch mal einen Blick zurück in die Vergangenheit. Wie sah unser Internet-Alltag im Jahr 2001 aus?

2001 waren nur 38,8% der Deutschen online. Im Verlauf der letzten zehn Jahre hat sich das Verhältnis nahezu umgedreht: 2011 sind 73,3% online. Der hauptsächliche Grund für die Nutzung des Internets ist und bleibt der E-Mail-Versand.

Nicht mehr nur für die Jugend interessant

  • Unter den 14- bis 19-Jährigen sind mittlerweile tatsächlich 100% online. 2001 kam diese Altersgruppe noch auf 67,4%.
  • Aber auch die Altersgruppen 20 bis 29 und 30 bis 39 Jahre sind nahezu vollständig online (98,2% und 94,4%). Vor zehn Jahren waren dies gerade mal 65,5% bzw. 50,3%.

Web 2.0 – eine Erfindung des letzten Jahrzehntes

Bezüglich der Angebote des Web 2.0 gab es 2001 noch keine Erhebungen. Communities, Twitter oder Wikipedia haben sich erst ab dem Jahre 2001 nennenswert entwickelt.

  • Das Internet wird heutzutage mehr als Nachrichtenquelle genutzt, 2001 waren es insgesamt gerade mal 34%. Inhaltlich geht es den Nutzern vor allem um aktuelle Nachrichten aus dem In- und Ausland (58%), Wetter- oder Verkehrsinformationen (51%) oder Freizeittipps (49%).
  • 73% der Deutschen nutzen Wikipedia heute gelegentlich und 31% regelmäßig.
  • Videoportale wie YouTube werden gelegentlich von 58% und regelmäßig von 30% der User genutzt. Der Trend zu Videos setzt sich allerdings weiter fort. Laut comscore.com ist Deutschland weiterhin einer der am stärksten wachsenden Onlinevideo-Märkte in Europa.
  • Twitter ist in Deutschland jedoch nicht sehr verbreitet: Nur 3% nutzen Twitter laut der ARD-ZDF-Onlinestudie gelegentlich und 1% wöchentlich. Wenn man die Angaben von statista.com betrachtet, hat sich die Twitternutzung allerdings innerhalb eines Jahres schon um ca. 200 000 Nutzer erhöht. Ich bin gespannt, wie die Zahlen sich im kommenden Jahr entwickeln werden!
  • Facebook hat im letzten Jahr immer mehr an Beliebtheit gewonnen, insbesondere in der Altersgruppe 13 bis 24 Jahre gab es einen überproportionalen Zuwachs laut allfacebook.de. Interessant ist in diesem Zusammenhang allerdings, dass auch die 45- bis 54-Jährigen großes Interesse an Facebook gefunden haben (2010: knapp 326.000 User, 2011: fast 1,1 Mio. User).

Frauen und Männer – weiterhin unterschiedliches Nutzungsverhalten

  • Männer sind nach wie vor mehr am Internet interessiert als Frauen. 2001 waren 48,3% der gelegentlichen Onlinenutzer Männer und nur 30,1% Frauen. 2011 liegt der Anteil der Männer bei 78,3%, der Frauenanteil bei 68,5%.
  • Auch im Hinblick auf die Nutzung des Web 2.0 liegen die Männer vorn: Wikipedia (46 76% Männer, 70% Frauen) und Videoportale (66% Männer, 50% Frauen) sind weiterhin in männlicher Hand.
  • Nur wenn es um private Netzwerke und Communities geht, sind die Frauen laut der ARD-ZDF-Onlinestudie deutlich aktiver als die Männer: 43% der Frauen sind in Communities aktiv, während es nur 35% der Männer sind. Allfacebook.de gibt allerdings an, dass sich im letzten Jahr das Nutzerverhalten der Männer bei Facebook dem der Frauen angepasst hat.

Wenn man sich die Zahlen so ansieht, ist es nicht verwunderlich, dass auch die Nutzungsdauer des Internets stark gestiegen ist: 136 Minuten pro Tag im Jahr 2010 gegenüber 107 Minuten 2001.

Eine positive Entwicklung muss ich allerdings auch noch unterstreichen. Ich hätte es fast selbst vergessen, wie anstrengenddas Internetsurfen noch vor einigen Jahren war: Während 2001 noch ausgewertet wurde, welche Probleme bei einer Internetsitzung auftauchen, wurde dies 2011 gar nicht mehr erhoben. 2001 sagten 61% der deutschen Internetnutzer, dass sie der langsame Seitenaufbau am meisten störe. Heutzutage kommt dies dank immer leistungsstärkerer Internetverbindungen immer seltener vor. Aber wer weiß, was sich bis zum Jahre 2021 noch alles verbessern wird. Wir dürfen gespannt bleiben!

Content Studie 2011: Erste Trends – Nehmen Sie noch teil!

Die ersten Trends der aktuellen Content Studie 2011 lassen sich an den Antworten ablesen. Interessant finde ich die Antworten zu den Redaktionskonferenzen. Regelmäßige Redaktionskonferenzen sind meiner Meinung nach eines  der wichtigsten Instrumente für die Qualitätssicherung in den Online-Redaktionen.

Schon in der ersten Content Studie 2006/1 hatten wir nach regelmäßigen Konferenzen gefragt. Damals gaben nur 41% der Befragten an, regelmäßig Redaktionskonferenzen durchzuführen. Im Jahr 2011 sind des 65% – ein deutlicher Anstieg. Die Häufigkeit dabei ist sehr unterschiedlich: Täglich treffen sich nur 8% der Internet-Redaktionen, bei den Intranet-Redaktionen kommt eine so hohe Frequenz gar nicht vor.  Konferenzen werden in der Regel in größeren Zeiträumen (mehr als eine Woche) abgehalten.

Die Content Studie 2011 hat bisher schon eine erfreuliche Beteiligung – aber je mehr von Ihnen mitmachen, desto differenzierter wird das Bild von den Online-Redaktionen. Deswegen noch zwei Bitten: Falls Sie noch nicht mitgemacht haben, nehmen Sie sich jetzt fünf Minuten Zeit für unseren Fragebogen. Und wenn Sie schon mitgemacht haben, dann geben Sie doch bitte Ihren Kollegen und Kontakten den Link weiter. Vielen Dank schon mal! Ich halte Sie auf dem Laufenden über die neuen Trends der Content Studie 2011.

Online-Texte: Wie zu einem guten Ende bringen?

Die Formulierung der Überschrift fiel mir schon schwer, weil es im Deutschen kein gutes Wort für das Ende eines Textes gibt. Haben Sie einen Vorschlag für das Pendant zum Wort „Texteinstieg„? Ich freu mich über Ihre Ideen.

Für das Online-Schreiben und vor allem für die Darstellungsform der Nachricht gibt es klare Vorstellungen, wie der Anfang eines Textes aussehen soll: Zuerst kommt ein Lead mit allen wichtigen Informationen, danach kommen die weniger wichtigen Details und zum Schluss die Hintergrundinformationen. Ist das alles? Reicht es wirklich aus, mit einem relativ beiläufigen Detail einfach zu enden? Oder braucht man am Schluss noch einen Knaller?

Bei Erzählungen steht das Ende stärker im Fokus: Der Schluss einer Geschichte ist viel wichtiger, denn nicht selten bringt das Ende die entscheidende Pointe oder eine Auflösung. Bei nicht-erzählenden Darstellungsformen ist das schon schwieriger. Extrem ist das bei Online-Texten, die sehr häufig nur überflogen werden und gar nicht bis zum Ende gelesen werden. Das wäre natürlich ein Argument dafür, dass man sich über das Ende eines Online-Textes nicht unbedingt zu viele Gedanken machen muss.

Auf der anderen Seite erscheint mir das als Autor etwas unbefriedigend, einen Text ohne echten Abschluss zu lassen. Deswegen wollte ich an dieser Stelle ein paar Möglichkeiten sammeln, wie man das Ende eines Textes gestalten kann:

  • eine Zusammenfassung der wichtigsten Informationen (etwas weniger faktenorientiert) in einem Satz.
  • Call-to-Action: Das soll der Leser als nächstes tun (allerdings sollte bei einem echten Verkaufstext die Call-to-Action etwas prominenter platziert sein als am Ende des Fließtextes).
  • Rückgriff auf den Lead: Eine Art „Echo“ des Texteinstiegs („Write endings to lock the box“ meint hierzu Roy Peter Clark in seinen Writing Tools). Hier beginnt die hohe Kunst der Textkomposition – da werde ich mich in nächster Zeit umschauen, um Beispiele dafür zu finden.
  • Ausblick“ eine der favorisierten Schlüsse bei Erörterungen oder Schulaufsätzen. Hier wird die Frage beantwortet: Wie geht’s weiter? (Wie kann es weitergehen?).

Und mein Schluss bei diesem Text? Ich entscheide mich für die Call-to-Action an meine Leser: Haben Sie noch Vorschläge, wie man einen Online-Text zu einem guten Ende bringen kann? Oder kennen Sie besonders schöne Beispiele, dafür wie man es sehr gut macht bzw. besser nicht machen sollte?