Archiv für Mai, 2011

Chefredakteure erwarten mehr Online-Kompetenz

Die Online-Berichterstattung gewinnt in den Fachmedien deutlich an Bedeutung. Das zeigt ein Vergleich zweier Chefredakteursumfragen, die die Kommission Redaktion der deutschen Fachpresse in den Jahren 2007 und 2011 durchgeführt hat.  Die Chefredakteure wurden darin befragt, welche Aufgaben sie haben. Dabei stieg die „Berichterstattung für das Online-Portal“ von Platz 11 (2007) auf Platz 6.

Die wichtigsten Aufgaben der Chefredakteure bleiben das Redigieren, Akquirieren, Recherchieren und Schreiben von Beiträgen. Allerdings hat sich das Repräsentieren auf Messen in diesem Jahr zwischen die journalistischen Kernkompetenzen geschoben. Auch neue Geschäftsfelder werden erschlossen: 63% der befragten Chefredakteure sind davon überzeugt, dass die Konzeption und die Präsenz in sozialen Netzwerken ihre Arbeit künftig stärker beeinflussen werden.

Die Chefredakteure wurden auch nach den Kompetenzen befragt, die sie von ihren Mitarbeitern erwarten. Im journalistischen Feld hat das Online-Texten in den letzten Jahren den größten Sprung nach vorne gemacht und ist von Platz 10 auf Platz 5 aufgestiegen. Mit steigender Tendenz, davon sind 63% der Befragten überzeugt.

Wie Nachrichtenaufbau und Links das Verständnis beeinflussen

Links sind ein wichtiger Bestandtteil von Online-Texten, wann sie wie richtig eingesetzt werden, ist nicht immer leicht zu entscheiden und wird nur selten diskutiert. Umso interssanter ist das Ergebnis einer aktuellen Studie: Leser verstehen den Inhalt einer Nachricht weniger, wenn innherhalb einer nach dem Prinzip der umgekehrten Pryramide aufgebauten Nachricht erklärende Links eingebunden sind.  Das erklärt der Verantwortliche der Studie Ronald Yaros vom Philip Merrill College of Journalism an der Universität of Maryland in einem Interview mit Online-Journalismus-Experte Robert Miles.

Zur Studie: Zwei unterschiedlich aufgebaute und unterschiedlich komplexe Nachrichtenartikel aus dem  Technologie- bzw. Gesundheitsbereich wurden Probanden  zum Lesen vorgelegt, die anschließend bewerten mussten, ob die Texte interessant und verständlich waren. Die Texte variierten im Aufbau und in der Auswahl der Links:

  • struktureller Aufbau: narrativ oder nach dem Prinzip der umgekehrten Pyramide
  • Links: allgemeine Links zu anderen  Websites oder Links, die zu spezielle Informationen in einem kleinen Fenster führten.

Die Schlussfolgerungen der Wissenschaftler:

  • komplexe Sachverhalten profitieren vom narrativen Stil mit erklärenden, internen (multimedialen) Links.
  • klassische Nachrichten (umgekehrte Pyramide) funktionieren aber gut mit weiterführenden Links auf externen Seiten.

Genau erklären, woran das liegt kann auch Ronald Yaros nicht:

What we don’t yet know is why. My guess is that when a user encounters a news story, he or she immediately employs a particular comprehension strategy because they sense what will be needed to understand it. That’s only a guess at this point.

Texten für das Internet – ein Thema geht um die Welt (3)

Natürlich sind Online-Texte international. Wie sieht es aber mit den Empfehlungen für gute Online-Texte aus, gibt es hier nationale Unterschiede? Heute mal ein Beispiel aus GroßbritannienAndrea Gardner von purplefeather verrät ihre 10 besten Tipps für gutes Texten für’s Web:

  • 10) Halten Sie Ihren Content aktuell – und veröffentlichen Sie regelmäßig neue Artikel.
  • 9) Sagen Sie Ihren Lesern was Neues! Hier unterstreicht Andrea Gardner die Bedeutung des Unique Selling Points.
  • 8)  Natürlich auch hier: Die Überschriften sollen unwiderstehlich sein.
  • 7) Schreiben Sie jede Seite als ob es eine Landing Page sei – ganz klar der Aufruf zu Sorgfalt und direkter Zielgruppenansprache
  • 6) Gewinnen Sie das Vertrauen des Lesers (verdienen Sie es sich auch) – hier werden vor allem seriöse Quellen genannt. Glaubwürdigkeit hat im Netz einen besonderen Stellenwert.
  • 5) Sprechen Sie sowohl die Gefühle (Leidenschaft) als auch den Verstand an.
  • 4) Entscheiden Sie, was Sie genau sagen wollen und lektorieren Sie Ihren Text sorgfältig.
  • 3) Nehmen Sie die Sichtweise Ihrer Zielgruppe ein.
  • 2) Strukturieren Sie Ihre Web-Site – hier bezieht sie sich auf den richtigen Aufbau und das passende Design.
  • 1) Wählen Sie die Keywords sorgfältig aus! Der größte Unterschied  zwischen Web und Print ist für Andrea Gardner die Ausrichtung auf die Auffindbarkeit im Netz.

Texten für das Interneht – ein Thema geht um die Welt (1): Qatar

Texten für das Interneht – ein Thema geht um die Welt (2): Polen

Anscheinend ganz einfach

Mich lässt es immer zusammenzucken: immer öfter wird die Bedeutung der Wörter „scheinbar“ und „anscheinend“ nicht mehr richtig verwendet. Mit dem Wort „anscheinend“ drückt man die Vermutung aus, dass etwas so ist, wie es scheint. Bei „scheinbar“ steht der Verdacht eines doppelten Bodens im Raum, es ist eben nicht so, wie es scheint.

Im Alltag hat sich das Wörtchen „scheinbar“ mehr und mehr durchgesetzt. Eigentlich finde ich es ja nicht schlimm, wenn sich die Sprache verändert, aber in diesem Fall bin ich irritiert, weil mit diesen kleinen Wörtern sehr viel über die Haltung des Sprechenden zu einer Situation ausgedrückt wird. Und nun muss ich in diesem Zusammenhang oft raten, was der Sprecher oder Autor meint. Ist das nur ein Flüchtigkeitsfehler oder hat sich die Krankheit schon auf die sprachlich bewussteren Ebenen etabliert?

Machen es denn die Profis eigentlich richtig? Hier der News-Check – per Google in den News nach „scheinbar“ gesucht:

Eindeutig, scheinbar schlüssig – und kaum zu widerlegen (tagesschau.de) Hier geht es um den Tod von Osama bin Laden und den dazu aufgekommenen Verschwörungstheorien. Ein Interview mit einem Experten. Der Kollege hat es richtig gemacht, denn der Satz:

Bei genauerem Hinsehen zeigt sich, dass Verschwörungstheorien oft widersprüchlich sind: Willkürlich herausgegriffene Fakten dienen als „Beweise“. Zufälle werden bestritten.

zeigt, dass der Experte den Verschwörungstheorien mißtraut und glaubt, dass Sie eben nur eine dünne Decke an Glaubwürdigkeit haben. Er hält sie nicht wirklich für schlüssig.

Sahins Wechsel nach Madrid scheinbar beschlossene Sache (fruehnachrichten.de). Berichtet wird über den Wechsel von Fussballspieler Nuri Sahin von Borussia Dortmund zu Real Madrid. Nein, hier gibt es keine Verschwörung und die beiden erfolgreichen Clubs veranstalten auch kein Täuschungstheater. Die Verwendung ist hier FALSCH, vom Sinn her wäre anscheinend richtig: Es hat den Anschein als ob der Wechsel schon beschlossen sei.

Die nur scheinbar bewältigte Katastrophe (nzz.ch) Ein sehr schönes Beispiel für den eindeutigen Unterschied zwischen den beiden Wörtern. Setzen Sie mal hier probeweise das Wort „anscheinend“ ein – das funktioniert nicht. Mit dieser Überschrift wird klar, dass der Autor der Meinung ist, die Katastrophe im Golf von Mexiko noch lange nicht bewältigt sei, auch wenn man es nicht wahrhaben will: „Doch die scheinbar so gut bewältigte Katastrophe ist nur ein oberflächlicher Eindruck.“ Verwendung STIMMT also!

Doch das Ex-Model musste sich in einem Interview scheinbar gewaltig zusammenreißen, die Baby-News nicht auszuplappern.“ (sueddeutsche.de) Carla Bruni-Sarkozy, schwanger oder nicht? Hier heißt es genauer lesen und mir ist es nicht ganz klar, was der Autor letztendlich sagen will: Findet er, dass sich Carla Bruni-Sarkozy dem Anschein nach zusammenreißt und im Interview gerne über ein kleines Geheimnis gesprochen hätte oder vermutet er Schauspielerei bei der Präsidentengattin, die vorsätzlich mit dieser Geheimniskrämerei kokettiert?

Ganz klar wird das aus dem Artikel nicht. Was glauben Sie meint der Autor hier anscheinend oder scheinbar?

Es werde Licht – Konjunktiv II (Teil 3)

Bauanleitung Konjunktiv II

Nach erfolgreicher Bewältigung des Konjunktives I wenden wir uns nun dem Konjunktiv II zu.

  • Er geht vom Präteritum, also der ersten Vergangenheit aus.
  • Manche unregelmäßigen Verben mit umlautfähigem Stammlaut werden auch leicht modifiziert. So wird zum Beispiel aus „er kam“ die Form „er käme“ oder aus „sie sang“ wird „sie sänge“.
  • An alle anderen Wörter wird einfach an das Präteritum des jeweiligen Wortes die gleiche Endung angehängt wie schon beim Konjunktiv I. Aus „er ging“ wird so „er ginge“.


Verwendung  des Konjunktivs II

Der Konjunktiv II wird hauptsächlich verwendet

  • Um unmögliche oder unwahrscheinliche Bedingungen oder Bedingungsfolgen zu benennen: „Wenn ich Hunger hätte, büke er mir einen Kuchen.“
  • Unerfüllbare Wünsche und unwirkliche Vorstellungen auszudrücken
  • Als Ersatzform für Konjunktiv I, falls dieser mit dem Indikativ des Wortes übereinstimmt, und folglich mit diesem verwechselt werden kann:
    „Ich sagte dir, ich käme um zehn Uhr am Hauptbahnhof an.“  Hier wird „käme“ verwendet, weil sowohl die Konjunktiv I-Form, also auch die Indikativform „komme“ lautet.

Weitere Verwendungsmöglichkeiten des Konjunktivs II

  • Die Höflichkeitsform: „Ich hätte gerne einen Kaffee.“
  • Wie in Teil 1 unserer Serie an dem Kanzlerin-Beispiel verdeutlicht, kann der Konjunktiv II auch verwendet werden, wenn der Sprecher Zweifel gegenüber dem hat, was er berichtet.

Teil 1: Grundlagen und Verwendung

Teil 2: Bauanleitung Konjunktiv I