Archiv für März, 2011

Überholen Facebook-Seiten die klassischen Websites?

Das ist ja fast eine Fortsetzung zum Post „Social Media – so agieren die großen Unternehmen„: Wieder stehen die Social Media und die ganz großen Unternehmen (Fortune 100: die umsatzstärksten Unternehmen in den USA) im Zentrum, doch diesmal klingt das Fazit der Studie etwas provokativer: Facebook-Seiten überholen die klassischen Websites bei den erfolgreichsten Unternehmen.

Bei der Analyse der Besucherzahlen der Websites und der Facebook-Seiten der Unternehmen stellte die Social Media Consulting Agentur Webtrends fest, dass 68% der Websites zwischen August 2010 und Januar 2011 ein negatives Wachstum bei den Besucherzahlen vermelden und im selben Zeitraum verzeichneten 40% der Unternehmen einen Zuwachs der Besuche auf Ihren Facebook-Seiten.  Daraus schließen die Analysanden, dass die Besucherströme von den Websites zu den Facebook-Seiten strömen:

Websites that do not engage in e-commerce are losing traffic to their Facebook pages at a startling rate.

Die Schlussfolgerung halte ich für etwas sehr gewagt – und auch nicht für haltbar:

  1. Hier ohne weitere Stichproben oder Analysen auf einen direkten Zusammenhang zu schließen, erinnert stark an den Zusammenhang zwischen dem Auftreten von Störchen und der Geburtenrate: Je mehr Störche, desto mehr Geburten. Zwei Phänomene, die zeitgleich auftreten, haben nicht unbedingt etwas miteinander zu tun.
  2. Bei der Ermittlung der Abweichungen wurden die Besucherzahlen vom August 2010 und Januar 2011 notiert, die Differenz ergab dann das Wachstum. Eine kurze Stichprobe mit derselben Quelle (von compete.com) zeigt, wie groß die Schwankungen zwischen den Monaten ist. Wären z.B. die Monate April 2010 und Januar 2011 verglichen worden, wäre man nicht auf einen Rückgang von 12% gekommen, sondern auf einen Anstieg von 54%!
  3. Bei der Ermittlung der unique visitors auf Facebook hat man auf die Fanzahlen zurückgegriffen. Auf Facebook die Besucherzahlen zu ermitteln, ist nicht unproblematisch.
    Und diese beiden Zahlen zu vergleichen ist methodisch noch schwieriger, da die Besuche ja für den Facebook-Nutzer „automatisch“ laufen.  Er schaut auf seine Pinnwand und hat so als Fan einer Marke, die Facebook-Seite schon „besucht“.  Fanzahlen sind im Gegensatz zu Website-Besucherzahlen kurzfristigen Schwankungen kaum unterworfen.

Wie gesagt aus dem vorhandenen Zahlenmaterial gleich den Tod der Website abzuleiten, halte ich für falsch. Was aber auf jeden Fall wichtig bleibt, ist  sich zu überlegen, welche grundlegenden Funktionen Website und Facebook-Seite zuzuordnen sind. Und für welchen Fall man auf welches Pferd setzt.

Social Media – so agieren die großen Unternehmen

Wie machen’s denn die Großen? Wie nutzen die umsatzstärksten Unternehmen der Welt  (Fortune Global 100) Twitter, Facebook, Youtube und Corporate Blogs? Das ist die Grundfrage des „The Global Social Media Check-up 2011“ von der Public Relation Agentur Burson-Marsteller, die die Aktivitäten der Unternehmen in den Social Media analysiert haben.  Die Ergebnisse sind aufschlussreich, vor allem im Vergleich mit dem Jahr 2010.

Unternehmen sind stärker auf die einzelnen Zielgruppen ausgerichtet

Die Zahl der Accounts in den Social Media pro Unternehmen ist signifikant angestiegen: Die Unternehmen haben im Schnitt  5,8 (2010: 4,2) unterschiedliche Twitteraccounts, 4,2 (2010: 2,1) Unternehmensseiten auf Facebook und 6,8 (2010: 4,2) verschieden Corporate Blogs. Damit können sie die Inhalte auf die jeweilige Zielgruppen besser ausrichten.

Twitter: Dialog und Austausch wird wichtiger

Darauf deutet zumindest der Anstieg der Tweets mit „@“-Zeichen sowie die Anzahl der Retweets hin. In Europa ist der Anstieg am höchstens: um 148% (@-Zeichen) bzw. 117% (Retweets) mehr als im Vorjahr.  Auch die höheren Follower-Zahlen deuten auf ein gestiegenes Interesse von Kundenseite.

Stakeholder zeigen Interesse

Über 80% (Europa 74%)  der Unternehmen wird auf Twitter geredet, besonders interessant ist hier der Vergleich zum Vorjahr. Da waren es nur 42% (Europa 36%) der Unternehmen, die auf Twitter Erwähnung fanden. Die durchschnittliche Zahl der Facebook-Fans ist genauso gestiegen, wie die Follower-Zahlen und die Facebook-„Like-Klicks“.

SEO-Maßnahmen für die Intranet-Suche? (4)

Eine interessante Gegenposition zu meiner Idee, SEO-Maßnahmen für die Intranet-Suche einzusetzen, hat Robert Weißgraeber in seinem Artikel (mit der etwas provokativ formulierten) Überschrift „Keine SEO-Maßnahmen für die Intranet-Suche!“ bezogen. Und ich steige gerne in den von ihm gewünschten „konstruktiven Diskurs“ ein.

Im Großen und Ganzen führt er die grundsätzlichen Unterschiede zwischen der Internet- und der Intranet Suche an, die mir bei meinem Gedankenexperiment präsent waren, die ich aber nicht näher ausgeführt hatte, weil sie für meine Argumentation keine Rolle gespielt haben:

  • Während im Internet die Datenquellen (relativ) einheitlich sind – also vor allem HTML-Dokumente, müssen im Intranet unterschiedlichste Datenquellen (Datenbanken, Office-Dokumente, E-Mails usw.) durchsucht werden.
  • Im Intranet fehlt die Wettbewerbssituation, die die Suchmaschinenoptimierung maßgeblich beeinflusst. Im Intranet gibt es keinen Spam und kein Ellenbogenverhalten, um auf die Trefferliste ganz nach oben zu kommen.

Diese Unterschiede beinflussen die Suchtechnologie und wahrscheinlich auch das Ranking, trotzdem kann ich die Ableitungen von Robert Weißgraeber nicht in allem Umfang nachvollziehen:

Im Unterschied zur Internet-Suche ist allerdings in einem Unternehmen davon auszugehen, dass alle möglichen Treffer eine zumindest annehmbare Relevanz haben – während beispielsweise Google also zunächst mit dem Aussieben irrelevanten Contents beschäftigt ist, (…)

Klar, im Unternehmen gibt es keinen Spam, aber ob alle angezeigten Treffer wirklich von annehmbarer Relevanz sind – da habe ich meine Zweifel. Das hängt zum einen von dem Suchbegriff ab und von seiner Vagheit und zum anderen vom Informationsbedürfnis des Users. Je weniger der User sein Informationsbedürfnis präzise ausdrücken kann und desto vager sein Begriff, desto größer die Treffermenge. Je punktueller die Suche ist, desto eher werden viele Treffer als irrelevant eingestuft, denn nur ein User kann beurteilen, ob die Suchergebnisse wirklich annehmbare Relevanz haben (siehe dazu den Begriff der Pertinenz). Bei den großen Datenmengen in den Unternehmen kann ich mir schwer vorstellen, dass ein Mitarbeiter bei tausenden von Fundstellen der Behauptung diese seien doch zumindest „annehmbar relevant“ zustimmen würde.

Einen interessantes Problemfeld für die Intranet-Suche eröffnet Robert Weißgraeber mit seinen Überlegungen zum Unterschied von „bewusst publiziertem“ und „nicht explizit verwaltetem“ Content. Es gibt sehr viele Inhalte bei der Unternehmenssuche, die nicht redaktionell bearbeitet sind, die sich also pflegender SEO-Maßnahmen entziehen. Die Heterogenität der Inhalte führt er als Gegenargument zu SEO-Maßnahmen an: „Keyworddichte, Links etc. sind im Intranet aber nicht als Ranking-Signal nutzbar, da die Vermischung von Datenquellen den effektiven Vorteil zunichte macht.“

Ich dagegen sehe die Vielfalt der Inhalte als Herausforderung für ihre Integration in die Konzeption des Intranets bzw. in die redaktionellen Abläufe. Ein kurzes Beispiel: Vorlagen für bestimmte Briefformen – in der Regel werden sie als Dokumentvorlagen gespeichert. Warum aber nicht eine HTML-Seite für das Intranet entwickeln, wo die wichtigsten Dokumentvorlagen vorgestellt und verlinkt werden. Wobei für das HTML-Dokument die Meta-Daten leicht gepflegt werden können.

Auf die angekündigten weiteren Ausführungen bin ich sehr gespannt, weil ich finde, dass die Intranet-Suche (bzw. die unternehmensweite Suche) ein so entscheidender Bereich des Intranets ist, für den bis heute die wenigsten Unternehmen wirklich befriedigende Lösungen gefunden haben. Unterschiedliche Betrachtungsweisen können da nur nützlich sein.

Teil 1

Teil 2

Teil 3