Archiv für Juli, 2010

FDP braucht Social-Media-Guidelines

Der Deutsche Rat für Public Relations hat die FDP abgemahnt, weil ein Mitarbeiter der FDP-Pressestelle mehrere Kommentare (unter unterschiedlichen Pseudonyomen) unter einem FDP-kritischen Blogbeitrag gestellt hat. Die Geschichte hatte einige Wellen geschlagen.

Etwas über ein Jahr später, wird diese Praxis gerügt, diese Art von verdeckter PR verstoße gegen „verschiedene Kodizes der Branche“.  Die Empfehlung vom PR-Rat:

Außerdem wird der FDP empfohlen, eindeutige und für alle Mitarbeiter verbindliche Regeln für die Kommunikation (online und offline) aufzustellen.
(Hervorhebungen von mir)

Ganz meine Meinung.  Falls die Pressestelle Infos braucht, wie man solche Regeln zusammenstellt, kann sie sich gerne mal den Fachaufsatz “Social-Media-Guidelines im Unternehmen – Regeln für das digitale Miteinander” von Carsten Ulbricht und mir durchlesen.

Trend im b2b: Facebook wird für Unternehmen immer attraktiver (Teil 1)

Der klassische Facebook-Nutzer ist eher privat unterwegs. Doch immer mehr Unternehmen positionieren sich mit Seiten bei Facebook und nutzen diese intensiv für die Unternehmenskommunikation.
Meist orientieren sich die Gruppen bislang am Endkunden und dienen als Medium mit diesem in den Dialog zu treten. Die Bezugsgruppe des Unternehmens wird dabei direkt angesprochen und identifiziert sich somit noch besser mit dem Produkt.
Im b2b-Bereich hingegen ist dies bislang noch wenig verbreitet, ein deutlicher Aufwärtstrend ist jedoch erkennbar. Unternehmen erkennen zunehmend das Potential und schöpfen dies mehr oder weniger aus.
Insgesamt steckt die Kommunikation über b2b-Gruppen noch in den Kinderschuhen und nur wenige deutsche Unternehmen nutzen diese Art der Unternehmenskommunikation aktiv. Unter den bei Facebook verzeichneten Gruppen finden sich zudem wenige, die diesen Bereich kontinuierlich und regelmäßig pflegen.

Ein Beispiel für die aktive Nutzung einer Facebook-Gruppe ist die manroland AG, ein großer deutscher Maschinenhersteller:

Facebook-Gruppe der manroland AG

Im Gegensatz zu Gruppen im b2c-Bereich haben die Inhalte von b2b-Gruppen vorwiegend Informationscharakter und sind daher auch weniger auf Dialoge mit Usern ausgelegt.

Die Krones AG, ein weltweit führender Hersteller von Getränkeabfüllanlagen, verknüpft beispielsweise geschickt informative mit allgemeinen Inhalten, die zum Dialog auffordern:

Facebook-Gruppe der Krones AG

Unternehmen nutzen Facebook-Gruppen im b2b-Bereich um:
•    Unternehmensmeldungen zu verbreiten
•    Traffic für die eigene Website zu generieren
•    Veranstaltungshinweise, wie zum Beispiel Messetermine
•    Informationen zu Ausbildung und Studium

Eine Interaktion mit der Bezugsgruppe spielt dabei eine eher untergordnete Rolle und die Gruppenansprachen sind insgesamt weniger persönlich gehalten als im b2c-Bereich.

Fazit:
Facebook-Gruppen im b2b-Bereich sind (noch) ein absolutes Novum und wenig verbreitet. Ob sie sich als feste Größe in die Unternehmenskommunikation integrieren werden bleibt abzuwarten.

Weiter geht’s mit Teil 2.

Buchtipp: „Social Media Relations“

Bernhard Jodeleit hat viel gesehen in seiner Beratertätigkeit. Es ist seinem Buch „Social Media Relations“ anzumerken, dass hier kein PR-Idealist von seiner Social-Media-Wolke aus vor sich hinträumt. Vielmehr werden hier Strategien und Details diskutiert (an denen in der Praxis mehr hängt als man es sich in der Theorie vorstellen kann) und an konkreten Beispielen Probleme und Lösungen vorgestellt. In diesem Buch ist der PR-Alltag in deutschen Unternehmen plastisch und anschaulich geschildert.

Nach Jodeleits Meinung revolutionieren die Social Media die PR-Arbeit:  Zusätzlich zur Beziehungspflege mit den Medien, kommt der Dialog zu den Einflussnehmern im Social-Media-Bereich. Aus dem eleganten Individualsport „PR-Golf“ wird ein Teamsport, weil die Kommunikationsabteilung viel vernetzter arbeiten muss. Und Jodeleit erläutert im Verlauf seines Buches was das heißt:

  • Web-2.0-Know-how in die Unternehmenskommunikation holen.
  • Social Media Monitoring in die Kommunikationsprozesse integriren
  • Themen in den Social Media setzen
  • die richtige Plattform für die richtigen Inhalte und Zielgruppen auswählen
  • in Krisensituationen angemessen reagieren
  • nicht nur virtuell bleiben, sondern auch in der Realität agieren

Keine kleine Aufgabe, die hier auf die PR-Leute (und auch anderen Abteilungen in den Unternehmen) zukommt, das macht das Buch deutlich. Das größte Risiko nennt Bernhard Jodeleit auch gleich zu Beginn: Ohne Gesamtstrategie verpuffen Energien im besten Fall, in schlimmeren Fällen kann blinder Social-Media-Aktionismus den Unternehmen  schaden.

Bernhard Jodeleit hat mit seinem „Leitfaden für erfolgreiche PR-Strategien und Öffentlichkeitsarbeit im Web 2.0“ seinen Kollegen ein engagiertes und materialreiches Buch mitgegeben. An manchen Stellen hätte ich mir ein stärker strukturierendes Layout gewünscht: ein paar Zwischenüberschriften mehr, weniger Fließtext und übersichtlichere Checklisten. Aber die Begeisterung für das Thema, die sehr anschaulich umgesetzt wird und die Praxisnähe wiegen solche kleinen Schwächen schnell wieder auf.

Videos – kometenhafter Aufstieg im Netz

Video killed …? Ja, was? Die Zahlen sind eindeutig:

  • Im April diesen Jahres haben deutsche User mehr als 9 Milliarden Videos angeschaut (im Vergleich zum Vorjahr sind das knapp 30% mehr).
  • Jeder der 44 Millionen Besucher von Online-Video-Plattformen sah durchschnittlich 214 Videos in einem Monat und verbrachte im Durchschnitt über eine halbe Stunde pro Tag mit dem Online-Video-Schauen.
  • Die aktivsten Zuschauer sind männlich und zwischen 15 und 24 Jahre alt und schauen im Schnitt mehr als eine Stunde.
  • Fast alle Videos (99,7%) wurden auf youtube geschaut – allerdings zogen andere Anbieter nach.

Online-Videos sind sicher eine starke Konkurrenz zum Fernsehen – aber ich denke, es geht hier nicht nur um Filme oder Musik-Videos. Auch Ratgeber, Dokumentations, Präsentations- und Infofilme gewinnen enorm an Akzeptanz und Attraktivität bei den deutschen Nutzern. Bei der Content-Planung muss jetzt „Video“ immer als Möglichkeit für die Infovermittlung mitgedacht werden.

Blogs: Wie nenne ich mein …?

Wenn man über Anglizismen redet oder schreibt, kommt immer der Hinweis, statt der englischen lieber deutsche Wörter zu verwenden. Natürlich kann ich die Klagen über hässliches “Denglish” nachvollziehen und in vielen Fällen gibt es eine schönere deutsche Variante. Tatsache ist aber auch, dass es gerade im Online (Englisch!)-Bereich eine Menge englischer Wörter in die Umgangssprache geschafft haben.

Deutsche Wörter haben es hier sehr schwer oder wirken künstlich, wie ich schon in dem Artikel “Twitter – Wie nenne ich mein…” feststellen musste. Tweet, Twitter, follower, following, hashtag – übersetzen oder lassen? Anglizismen sind nicht sonderlich elegant, aber übersetzen klappt auch nicht immer – auch wenn einige kreative Vorschläge für eine deutsche Entsprechung gemacht wurden. Mal schauen wie’s beim Blog-Vokabular aussieht:

Der/die/das Blog
Diese Diskussion ist so alt wie das Bloggen selbst: Heißt es nun „der“ Blog oder „das“ Blog? Während die Blogger der ersten Stunde oft auf „das“ Blog beharren, kursiert in der deutschen Blogosphäre ebenso häufig auch „der“ Blog.
Mit dem ersten Eintrag im Duden, der letzten Instanz in Zweifelsfällen deutscher Sprache  wurde es 2006 offiziell: Man darf sowohl „das“ als auch „der“ Blog sagen (wobei „der“ nur Rang 2 einnimmt).
Logisch: Bei einem englischen Wort gilt der Artikel der Eindeutschung: Wer Weblog mit „Notizblock“ übersetzt statt mit „Logbuch“, der darf mit Segen des Bibliographischen Instituts in Mannheim auch „der“ Blog schreiben.

Post
Das habe ich gestern gepostet“ – als Verb wird „post“ oft verwendet, als Substantiv haben sich jedoch deutsche Wörter wie Beitrag, Eintrag oder Artikel durchgesetzt. Das Problem liegt hier vielleicht an der Nähe des Wortes im deutschen Sprachgebrauch zum großen gelben Briefunternehmen.

Kommentare
No comments, sondern Kommentare. In diesem seltenen Fall wird tatsächlich am deutschen Vokabular festgehalten. Das mag an der deutlichen Nähe des Wortes zu seiner englischen Übersetzung liegen.

Blogroll
Die Blogrolle. Ein Begriff, der endlich auch im Deutschen funktioniert. Die Umschreibung ist auch verständlich: öffentliche Linkliste zu anderen Weblogs. Wahrscheinlich liegt’s am cool wirkenden Klang des englischen „r“, dass das brave deutsche Wort sich nicht wirklich durchsetzen kann.

Trackback
Frei zu übersetzen am besten mit dem „gegenseitigen Zitat“. Daraus kann man im Deutschen leider kein schönes Substantiv machen. Das liegt wohl daran, dass im Deutschen hier zwei Verben stehen müssten:  „rückverfolgen“ und „nachverfolgen„. Es wird wohl bei der englischen Bezeichnung bleiben, weil hier auch die Kraft des Reimes wirkt.

Tag
Tags bieten die Möglichkeit, den Inhalt eines Blogs zu kategorisieren. „Kategorien“ oder „Schlagworte“ wären demnach eine angemessene deutsche Übersetzung. Das Wort „tag“ besticht allerdings durch seine Kürze.

Bei der näheren Betrachtung finde ich sehr interessant, dass sich viele Wörter nicht nur durchsetzen, weil sie besser passen, sondern weil sie klanglich reizvoll sind. Da sich Blogs und deren Vokabular schon etabliert haben, glaube ich nicht, dass sich hier deutsche Wörter weiter durchsetzen. Aber wenn Sie bessere Vorschläge haben, fände ich die natürlich sehr interessant!