Archiv für Juni, 2010

Ist Ihr Content noch frisch?

In der Serie „Auf dem Laufenden bleiben – aktueller Content“  habe ich mir ja schon einmal Gedanken gemacht über das „Ablaufdatum“ von Content: Welche Art von Content altert besonders schnell? Wie kann die Online-Redaktion dafür sorgen, dass sie nur frischen Content anbietet?

Genau zu diesem Thema hat Clinton Forry von content-ment gerade einen Artikel geschrieben – mit verblüffend übereinstimmenden Ergebnissen, wie ich finde:

Interessant finde ich seine Zusammenstellungen zu besonders vom Verfall bedrohten Content: News, Events und Pressemitteilungen liegen ja nahe – aber auch Produktbeschreibungen können immer wieder Aktualisierungen brauchen.

Warum ist abgelaufener Content so schädlich? Der User kann doch sehen, dass z.B. ein Event in der Vergangenheit liegt – das ist doch nicht so schlimm. Forry sieht  „rotten content“ jedoch als echte Bedrohung für ein Unternehmen. Seine Befürchtungen:

  • negativer Einfluss auf die Marke
  • User bekommt insgesamt einen schlechten Eindruck
  • verursacht Zweifel am Wahrheitsgehalt bzw. an der Gültigkeit Ihres Contents
  • bedroht das Verhältnis zu Partnern
  • rechtliche Verpflichtungen

Was gegen abgelaufenen Content hilft? Da bin ich mit Forry einer Meinung: Entscheidend ist es, die Contentherstellung nicht als Projekt, sondern als Prozess einzustufen. Und in den Prozess auch die Überarbeitung und die Prüfung des Content einzugliedern – sonst geht’s mit der Qualität der Website schnell bergab.

Produkt-Infos in Online Shops – Übersichtlichkeit ist entscheidend

Wo liegt bei Online-Shops noch viel Optimierungspotential? Hier kann es sehr klug sein, die Kunden zu fragen. Das hat Thorsten Wilhelm von e-result getan: „Bei welchen Inhalten, Funktionen und Services eines Online-Shops wünschen Sie sich deutlich Verbesserungen und Innovationen?“  Von 600 deutschen Webnutzern nannten rund zwei Drittel die Produktdetailseiten als verbesserungswürdig.

Dieses Ergebnis korreliert mit den Klagen von US-Usern (gemäß der Studie: „Online Shopping: Convenient but Risky„), die zwar gerne online einkaufen, mit den Infos  zu den Produkten aber nicht zufrieden waren:

  • 43% waren enttäuscht über die wenigen Informationen zu den Produkten.
  • 32% waren verwirrt von den Informationen, die sie zum Produkt gefunden haben.
  • 30% waren überwältig von der Menge der Informationen.

Bei den Tipps zu den Produktinformationsseiten wird immer wieder darauf hingewiesen, möglichst viele Informationen zur Verfügung zu stellen. Und klar, die User brauchen möglichst umfassende Informationen, um eine Kaufentscheidung zu fällen. Doch die Herstellerinfos mit allen Details zu Material, Größe und Ausstattung einfach 1:1 in den Shop zu stellen, macht den Eindruck von Austauschbarkeit und stiftet beim User eher Verwirrung.

Gerade bei Produkt-Infos sollten Sie die Regeln für gute Online-Texte besonders aufmerksam berücksichtigen, denn Übersichtlichkeit ist hier entscheidend.

  1. Machen Sie sich besondere Mühe mit dem ersten Abschnitt und stellen Sie die entscheidenden Informationen gleich zu Beginn des Textes.
  2. Geben Sie dem Kunden Entscheidungshilfen, in dem Sie das Alleinstellungsmerkmal des Produkts klar benennen.
  3. Fassen Sie zusammengehörige Kennzeichen zusammen, z.B. mit Bullet-Points,  in einem eigenen Kasten oder in einer Tabelle.
  4. Geben Sie dem Kunden die Chance umfassendes Info-Material in Ruhe durchzulesen. Stellen Sie z.B. PDF-Dokumente für den Druck zur Verfügung.
  5. Halten Sie die Wortzahl möglichst kurz und verzichten Sie auf Werbesprache.

Die Mühe lohnt sich, denn gute Texte steigern den Umsatz, das haben wir anhand einer A/B-Studie schon nachgewiesen.

Anglizismen: So macht man es richtig (4)

Verben

Verben sind in Bezug auf Anglizismen eine Klasse für sich. Durch die verschiedenen Zeitformen und Konjugationen kommt es bei (d)englischen Verben oft zu großer Verwirrung. Auch hier gilt: Halten Sie sich in erster Linie an die deutschen Regeln. Konjugieren Sie wie gewohnt und setzen Sie Hilfsverben nach Gefühl ein.

  • Sollte Ihnen ein Hilfsverb einer Vergangenheitskonstruktion dennoch absolut fehl am Platz vorkommen, umgehen Sie das Hilfsverb einfach.
    Beispiel: Statt „Ich habe die Webseite gerelauncht“ oder „Die Website ist gerelauncht“ könnten Sie die Konstruktion ersetzen, indem Sie ein Nomen einsetzen: „Der Relaunch-Vorgang der Webseite ist abgeschlossen“
  • Große Fragezeichen stellen auch immer wieder die vermeintlich trennbaren Zusammensetzungen dar. Auch hierbei sollten Sie das Gefühl entscheiden lassen – oder sich für die Variante mit der besseren Verständlichkeit entscheiden.
    Beispiel: „Ich downloade die Datei“ ist wahrscheinlich etwas eleganter als „Ich lade die Datei down“. Die beste Variante in diesem Fall „Ich lade die Datei herunter“?
  • Oft stellt sich auch die Frage, ob man ein englisches Verb im Deutschen nach englischen Regeln konjugieren sollte. Wie immer sollten Sie sich ans Deutsche halten.
    Beispiel: „gepostet“, „recycelt“, „gesurft“, „gecancelt“
    Aber wie soll es auch anders sein – natürlich gibt es Ausnahmen. Für diese gibt es auch wie immer keine festen Regeln. Auch hier sollte eher wieder das Gefühl entscheiden. Beispiel: „getimt“ oder „getunt“ wäre kaum zu verstehen, „getimed“ und „getuned“ machen durchaus mehr Sinn.
  • Bei Verben, die auf einen Konsonanten enden, ist meist nicht klar, ob dieser verdoppelt werden muss oder darf. Hierbei solllten Sie sich am englischen Gerundium orientieren.
    Beispiel: „reset – resetting“, also auf (D)englisch: „das Resetten“, „scan – scanning“ – also auf (D)englisch: „Das Scannen“

Richtige Schreibung

  • Auch für die Groß- und Kleinschreibung gelten im Großen und Ganzen die deutschen Regeln. So werden Nomen groß geschrieben, Verben klein usw. Beispiel: „the scanner“ aber „Der Scanner“
  • Bei zusammengesetzten Substantiven sollten Sie auf Bindestriche verzichten. Dies gilt für mehrsprachige Kombinationen wie zum Beispiel  „Designschule“ „Webanwendung“ genauso wie für einsprachige Kombinationen wie „Webdesign“ und „Computerpool“.
    Dennoch ist auch hierfür keine klare Regel gegeben. Wollen Sie etwa einen Teil der Wortkombination besonders hervorheben, bietet sich der Bindestrich wiederum an. Manchmal ist er sogar unerlässlich oder kann bei langen Kombinationen die Lesefreundlichkeit und somit das Verständnis erhöhen.
    Beispiel: „PC-Raum“, „DTP-Programm“ oder „Backupverfahren“ vs. „Back-up-Verfahren“. Entscheiden Sie nach Gefühl und Ihrer Intention.

Wie aus den vorangegangenen Tipps und Beispielen hervorgeht, gibt es in den meisten Fällen keine klare Lösung. Deshalb bietet es sich tatsächlich an, die oben genannten Fehlerquellen geschickt zu umfahren und das Gefühl entscheiden zu lassen. Die eleganteste Lösung ist im  Zweifel immer, nach einer deutschen Entsprechung zu suchen – in den allermeisten Fällen funktioniert das.
Erfolgreiches Surfen, frohes Resetten und einen gechillten Arbeitstag!

Teil 1

Teil 2

Teil 3