Archiv für September, 2009

Erfolgsfaktoren für Websites: Inhalt bleibt Nummer 1 – Communities gewinnen

Ich hatte mich ja bereits im Mai gefragt, ob Inhalt der Erfolgsfaktor Nr. 1 bei der Umfrage von contentmanager.de bleibt. Und tatsächlich nannten 163 der 283 teilnehmenden Leser bei der Frage „Welcher Faktor ist für den Erfolg Ihrer Website am wichtigsten?“ den Faktor „Inhalt“.

Im Vergleich zu 2006 bedeutet das einen leichten Rückgang. Während die Einschätzungen bezüglich Navigation relativ gleich blieben, wurden das Design und die Technik – vor allem aber die Community häufiger genannt.

Welche Faktor ist für den  Erfolg Ihrer Website am wichtigsten? Ein Diagramm zum Vergleich der Ergebnisse der Umfrage von 2006 und 2009

Ein Vergleich der Ergebnisse der Umfrage von 2006 und 2009.

10 Helfer gegen die Schreibblockade

Wer kennt das nicht: Der Text will nicht aus den Fingern fließen. Die Tastatur steht still, der Bildschirm bleibt leer. Oder aber der Text ist kreativlos, langweilig, ohne Pointe. Doch die Schreibblockade lässt sich lösen. Diese 10 Tricks helfen, die Gedanken auf’s Papier zu bringen.

  1. Bevor Sie mit dem Schreiben beginnen, sorgen Sie für eine produktive Umgebung. Räumen Sie den Schreibtisch auf, schalten Sie das Radio an oder aus, je nach Belieben. Es gibt Menschen, die bei lauten Hintergrundgeräuschen ihre besten Ideen entwickeln – vielleicht gehören Sie dazu?
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Internet in Europa – i2010 Annual Information Society Report 2009

Zahlen, Zahlen, Zahlen – der „i2010 – Annual Information Society Report 2009“ besticht vor allem durch seine Statistiken und sein Zahlenmaterial.  Hinter dem Kürzel „i2010“ verbirgt sich eine Initiative der EU zur Entwicklung von Informations-und Kommunikationstechnologien. Und eine der Aktivitäten besteht darin, die Situation dieser Technologien in der EU und den einzelnen Ländern zu beschreiben.

Und der Bericht ist eine Fundgrube, was die Internetnutzung in Europa betrifft. Hier nur ein kleiner Ausschnitt aus dem Inhaltsverzeichnis:

  • Disparities in digital literacy
  • A typology of internet use
  • How do Europeans use the internet to communicate?
  • Does the Internet replace other means of communications?
  • The mobile phone for advanced communication services: An emerging service
  • Willingness to pay for content
  • New content and new platforms for exchange: user created content
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Social Media Guidelines in Unternehmen – ja oder nein? Session auf dem 2. Stuttgarter Barcamp

Zahlreiche Teilnehmer bei meiner Session zum Thema Social Media Guidelines

Die Diskussion ist in vollem Gange.

Die Internet High Society traf sich am Wochenende beim zweiten Stuttgarter BarCamp (bcs2) zum „Face-to-Face“ Austausch und aexea war mitten drin. Spannende Themen standen zur Diskussion.

Kleine Lobeshymne als Einschub: Eine rundum gute Veranstaltung. Das Drumherum war großartig: Top-Auswahl von Caterer, Organisation und Location.

Meist genannter Tag bei der Vorstellungsrunde der Teilnehmer war „Web 2.0„. Also stand dieses BarCamp ganz im Zeichen von Facebook, Twitter und Co..

Mich beschäftigte eine Sache ganz besonders: Wie sieht es aus mit Social Media Guidelines in Unternehmen? Muss ein Unternehmen seinen Mitarbeitern eine Vorgabe an die Hand geben, um sich im Web im Sinne des Unternehmens zu verhalten? Notwendig oder schon längst überflüssig? Was steht drin und was nicht? Restriktion oder Aufklärung?

Ich habe also am Samstag zur Session : Social Media Guidelines in Unternehmen eingeladen. Hier eine kleine Zusammenfassung.

Gibt es denn schon Unternehmen, die Social Media Guidelines einsetzen?

  • Air Force entwickelte ein ausführliches Paper (25-30 Seiten)  und erklärt zu jeder Plattform, was vermieden werden soll. Die Mitarbeiter sollen die Notwendigkeit einer Richtlinie erkennen.
  • Daimler veröffentlicht Verhaltensrichtlinien, in denen das Öffentliche Auftreten des einzelnen Mitarbeiter thematisiert wird.
  • Core Media apelliert an den Verstand seiner Mitarbeiter mit dem Satz: „Don’t write anything stupid“.
  • ABB verlässt sich auf drei „Goldene Regeln“.

Greifen Web 2.0 Richtlinien in das Recht der freien Meinungsäußerung ein?

Egal ob auf dem Grillfest oder im Web 2.0, Internas ausplaudern is nich – so stehts zumindest im Arbeitsvertrag. Was aber mit kritischeren Äußerungen wie dieses Beispiel: „Sitze hier schwitzend daheim vor dem Rechner und muss arbeiten trotz Kurzarbeit“? Interna – nein. Unternehmenskritisch – ja.

Darf ein Unternehmen diesen Post verbieten? Bisher war doch auch keine Extra-Regelung notwendig, um solche Ausplaudereien zu vermeiden. Warum jetzt? Problem: Web 2.0 ist gefährlicher als eine Grillparty! Schriftlich, schnelle Verbreitung, nachvollziehbar. Facebook und Co werden schlichtweg unterschätzt.

Fazit: Social Media Guidelines wären besser für ein Unternehmen, was jedoch im Einzelfall erlaubt ist und was nicht, muss rechtlich geklärt werden. Wahrscheinlich ist es dann eh schon zu spät, denn im Zweifel steht da der Post, ob rechtens oder nicht. Deshalb bleibt offen, ob eine Art Aufklärung anstatt Vorschrift nicht dienlicher ist.

Wer definiert Web 2.0 Regeln im Unternehmen?

Dank Rechtsanwalt 2.0 Dr. Carsten Ulbricht konnten wir in die Rechtsfragen tiefer eintauchen. Er sagt, um eine Leitlinie rechtskräftig zu machen, müsse sie in „Rechtssprache“ ausformuliert werden, und ob sie dann beim Mitarbeiter ankomme, sei  fraglich.

  • Arbeitsrechtler
  • Social Media Experte und
  • PR-ler

Schriftrolle, Video oder Wiki – Welche Form eignet sich?

In welcher Form die Richtlinien dem Mitarbeiter zugänglich gemacht hängt ganz davon ab, ob es dem Unternehmen darum geht bei seinen Mitarbeitern ein Bewusstein zu schaffen, ihnen eine Leitplanke zu geben oder ob die Richtlinien restritiv sein sollen.  Ein Video, möglicherweise à la Klaus dem Gabelstaplerfahrer, bewirkt vielleicht mehr als eine Paragrafen bestückte Vorschrift. Die Form hängt daher wohl stark von der Unternehmenskultur ab.

Brauchen wir Richtlinien für all unsere Äußerungen – im Web und in der Nicht-Virtualität?

Wie wir uns mit einem Gesprächspartner verhalten sollen, haben wir wohl schon gelernt. Zumindest sind die Folgen absehbar. Das große Problem im Web 2.0 ist die Unterschätzung der Folgen, die Äußerungen in diesem Medium haben können. Deshalb soll es Richtlinien geben, die für Aufklärung sorgen. So das Fazit der Session.

Das Internet-Manifest – Diskussionsprotokoll der aexea-Redaktion

Ein interessantes Unterfangen, das Internet-Manifest. Und bei uns in der Redaktion auch diskutiert. An dieser Stelle möchte ich unsere Diskussion nach draußen tragen. Dieser Beitrag wird von unserer gesamten Redaktion geschrieben. Jeder darf schreiben, was ihm zu den einzelnen Punkten einfällt. Keine Beschränkung, keine  Zensur. Mal schauen, was dabei rauskommt.

Internet-Manifest

1. Das Internet ist anders.
Es schafft andere Öffentlichkeiten, andere Austauschverhältnisse und andere Kulturtechniken. Die Medien müssen ihre Arbeitsweise der technologischen Realität anpassen, statt sie zu ignorieren oder zu bekämpfen. Sie haben die Pflicht, auf Basis der zur Verfügung stehenden Technik den bestmöglichen Journalismus zu entwickeln – das schließt neue journalistische Produkte und Methoden mit ein.

Verena Pohl (VP): Dem kann man zustimmen. Wenn auch die Behauptung „Das Internet ist anders“ etwas nichtssagend ist: Anders als was?

Heike Häfele (HH): Ich stimme sowohl der Behauptung als auch dem Kommentar von VP zu. Eine Tageszeitung ist auch anders im Gegensatz zu einem Magazin. Allerdings finde ich auch, dass der Vegleich nicht zwingend notwendig ist. Es ist schon ziemlich eindeutig, was damit gemeint ist.

2. Das Internet ist ein Medienimperium in der Jackentasche.

Das Web ordnet das bestehende Mediensystem neu: Es überwindet dessen bisherige Begrenzungen und Oligopole. Veröffentlichung und Verbreitung medialer Inhalte sind nicht mehr mit hohen Investitionen verbunden. Das Selbstverständnis des Journalismus wird seiner Schlüssellochfunktion beraubt – zum Glück. Es bleibt nur die journalistische Qualität, die Journalismus von bloßer Veröffentlichung unterscheidet.

VP: Diese Abgrenzung ist problematisch, denn “journalistische Qualität” per se gibt es nicht. Was journalistische Qualität ist und was nicht – und ob sie (wenn es sie gibt) messbar ist, wird seit Jahren diskutiert. Man kann zwar objektive Kriterien wie Verständlichkeit, Vollständigkeit und Aktualität anlegen, aber wer entscheidet, ob ein Artikel nun vollständig genug ist, um als qualitativ hochwertig zu gelten? Außerdem spielt das Kriterium der Relevanz bei journalistischen Inhalten eine wichtige Rolle – und die ist ohnehin vom Betrachter abhängig.

Ralf Christofori (RC): Wer bekämpft hier wen (Siehe 1.)? Hier wird eigentlich nur der klassische Journalismus schlecht gemacht, ohne zu sagen, wie und warum durch das Web mehr Qualität in den Journalismus kommen soll.

HH: Im Web entscheidet, wie bisher auch im Print, jeder selbst, was Qualität hat und was nicht. Im Internet gewinnt am Ende das Massenempfinden. Alles andere wird im Worl Wide Web nicht mehr auffindbar sein.

3. Das Internet ist die Gesellschaft ist das Internet.

Für die Mehrheit der Menschen in der westlichen Welt gehören Angebote wie Social Networks, Wikipedia oder Youtube zum Alltag. Sie sind so selbstverständlich wie Telefon oder Fernsehen. Wenn Medienhäuser weiter existieren wollen, müssen sie die Lebenswelt der Nutzer verstehen und sich ihrer Kommunikationsformen annehmen. Dazu gehören die sozialen Grundfunktionen der Kommunikation: Zuhören und Reagieren, auch bekannt als Dialog.

Adela Schneider (AS): Zumindest die quantitative Aussage muss hier revidiert werden. Während Zeitung und Fernsehen tatsächlich die Mehrheit der Menschen nutzen, gehören diese Angebot noch nicht dazu. Macht aber nichts, denn es wird (vielleicht früher oder später als erwartet) wahrscheinlich so kommen. Und auf die Medienhäuser kommen große Veränderungen zu. Mir stellt sich die Frage, ob es jetzt darum geht, die Übergangszeit zu gestalten, die sich sicher noch einige Zeit hinziehen wird – oder ob jetzt schon die Neue Medienwelt in Angriff genommen werden soll.

RC: Das ist pure Hirnwäsche. Die klassische Verwechslung von Medium und Botschaft. Wenn das Internet die Gesellschaft ist und die gesellschaft das Internet, dann möchte ich weder noch sein.

HH: @RC  Hirnwäsche ist höchstens die ursprüngliche Kommunikation, auf die niemand reagieren kann.

4. Die Freiheit des Internet ist unantastbar.

Die offene Architektur des Internet bildet das informationstechnische Grundgesetz einer digital kommunizierenden Gesellschaft und damit des Journalismus. Sie darf nicht zum Schutz der wirtschaftlichen oder politischen Einzelinteressen verändert werden, die sich oft hinter vermeintlichen Allgemeininteressen verbergen. Internet-Zugangssperren gleich welcher Form gefährden den freien Austausch von Informationen und beschädigen das grundlegende Recht auf selbstbestimmte Informiertheit.

_HH: Stimme ich nicht zu. Es gibt Gesetze, damit die Gesellschaft in der Masse funktioniert, die sich bewehrt haben. Auch im Internet muss es Grenzen geben.

5. Das Internet ist der Sieg der Information.

Bisher ordneten, erzwungen durch die unzulängliche Technologie, Institutionen wie Medienhäuser, Forschungsstellen oder öffentliche Einrichtungen die Informationen der Welt. Nun richtet sich jeder Bürger seine individuellen Nachrichtenfilter ein, während Suchmaschinen Informationsmengen in nie gekanntem Umfang erschließen. Der einzelne Mensch kann sich so gut informieren wie nie zuvor.

AS: Auch wenn für mich persönlich das Internet die Erfüllung aller Träume ist – eine Bibliothek mit allen Büchern, die immer offen ist – bin ich sehr skeptisch, ob es wirklich den Sieg der Informationen bringt. Auch bisher hätte ich, statt die Zeitung zu lesen, mir die Presseerklärungen der Regierung, wichtiger Institutionen und großen Unternehmen zuschicken lassen können. Hab ich aber nicht. Die Verfügbarkeit der Informationen ist nicht gleichbedeutend mit der Nutzung der Infos. Und wer füttert die Suchmaschinen mit Nachrichten?
Interssant fänd ich auch, ob die individuellen Nutzungsfilter nicht eher zu einer segmentierten Gesellschaft führen. Als ich noch fern geschaut und jeden Tag die Nachrichten gesehen habe, war ich politisch informierter als jetzt. (In der Zeitung und im Netz lese ich sehr selektiv).

RC: Das sehe ich auch so. Das Web ist beileibe kein interesseloses Informationsmedium. Technisch schon, aber inhaltlich keineswegs.

HH: Ich kann mir schon vorstellen, dass durch das Filtern der Nachrichten nach dem eigenen Interesse die eigene Meinung verstärkt wird und nicht in Frage gestellt wird. Allerdings hebt sich der ge“bild“ete Mensch von dem „Bild“-Leser davon ab, dass er seine Meinung hinterfragt und dabei seine These mit einer Antithese prüft. Und dabei ist das Web hilfreich, da es die Antithesen auf dem Silbertablett präsentiert.

6. Das Internet verändert verbessert den Journalismus.
Durch das Internet kann der Journalismus seine gesellschaftsbildenden Aufgaben auf neue Weise wahrnehmen. Dazu gehört die Darstellung der Information als sich ständig verändernder fortlaufender Prozess; der Verlust der Unveränderlichkeit des Gedruckten ist ein Gewinn. Wer in dieser neuen Informationswelt bestehen will, braucht neuen Idealismus, neue journalistische Ideen und Freude am Ausschöpfen der neuen Möglichkeiten.

RC: Der „Verlust der Unveränderlichkeit des Gedruckten“ trägt aus meiner Sicht nicht zu verbessertem Journalismus bei. Zumal auch hier nicht klar ist, was guter Journalismus egentlich ist. Fakt ist, dass im Web sehr viel sehr schnell veröffentlicht werden und innerhalb kürzester Zeit wieder revidiert werden kann. Ist das ein Gewinn?

VP: Ist nicht gerade die Koexistenz von unveränderlichen (gedruckten) und veränderlichen Inhalten das Spannende? Der Aussage, dass der Journalismus durch das Internet einen engeren Draht zur Zivilgesellschaft hat, kann ich nur zustimmen.

HH: Print ist nicht ersetzbar. Deshalb geht es hier nicht um einen Battle zwischen Print und Online, sondern nur darum welche journalistischen Eigenschaften das Web mit sich bringt. Aus diesem Grund kann ich den Verlust der Unveränderlichkeit von Gedrucktem nicht als Gewinn ansehen. Ich hoffe nicht, dass das Eine das Andere ersetzt. 

7. Das Netz verlangt Vernetzung.

Links sind Verbindungen. Wir kennen uns durch Links. Wer sie nicht nutzt, schließt sich aus dem gesellschaftlichen Diskurs aus. Das gilt auch für die Online-Auftritte klassischer Medienhäuser.

AS: Auch hier ein alter Traum von mir erfüllt – sofort zu den Quell-und Seiteninformationen zu kommen. Hab ich immer wieder mit einem komplizierten Karteikartensystem versucht – vergeblich. Zu verlinken bedeutet  auch: „Macht“ abgeben (und andere Websites durch Linkjuice zu stärken) und Gefahr zu laufen, Leser zu verlieren. Nicht immer ganz leicht zu entscheiden.

8. Links lohnen, Zitate zieren.

Suchmaschinen und Aggregatoren fördern den Qualitätsjournalismus: Sie erhöhen langfristig die Auffindbarkeit von herausragenden Inhalten und sind so integraler Teil der neuen, vernetzten Öffentlichkeit. Referenzen durch Verlinkungen und Zitate – auch und gerade ohne Absprache oder gar Entlohnung des Urhebers – ermöglichen überhaupt erst die Kultur des vernetzten Gesellschaftsdiskurses und sind unbedingt schützenswert.

RC: Klingt gut und richtig, wird aber durch den Einschub „– auch und gerade ohne Absprache oder gar Entlohnung des Urhebers –“ genau an der richtigen Stelle widerlegt.

HH @RC: Versteh ich nicht? Ist doch kein Widerspruch! Die Usability wird gewährleistet, indem sinnvolle Links entstehen. Die Sinnigkeit der Links wird dadurch unterstützt, dass sie ohne Absprache oder Entlohnung des Urhebers entstehen dürfen/können oder müssen…

9. Das Internet ist der neue Ort für den politischen Diskurs.

Demokratie lebt von Beteiligung und Informationsfreiheit. Die Überführung der politischen Diskussion von den traditionellen Medien ins Internet und die Erweiterung dieser Diskussion um die aktive Beteiligung der Öffentlichkeit ist eine neue Aufgabe des Journalismus.

passende text-gold-Beiträge:

Revolutioniert das Internet das Schreiben?

10. Die neue Pressefreiheit heißt Meinungsfreiheit.

Artikel 5 des Grundgesetzes konstituiert kein Schutzrecht für Berufsstände oder technisch tradierte Geschäftsmodelle. Das Internet hebt die technologischen Grenzen zwischen Amateur und Profi auf. Deshalb muss das Privileg der Pressefreiheit für jeden gelten, der zur Erfüllung der journalistischen Aufgaben beitragen kann. Qualitativ zu unterscheiden ist nicht zwischen bezahltem und unbezahltem, sondern zwischen gutem und schlechtem Journalismus.

AS: Die Frage nach der Qualität von journalistischen Produkten haben wir uns in der Redaktion ja sicher schon tausend Mal gestellt – hier kann Verena sicher mehr dazu schreiben. Doch diese Aussage „guter“ Journalismus verdiene die Pressefreiheit, schlechter nicht, halte ich für deutlich gesagt ziemlich dämlich. Da muss es doch bessere Kategorien geben. Ich werfe hier das journalistische Selbstverständis in die Runde: „Journalist ist, wer sich selbst Journalist nennt“ und denke, dass die Mehrheit derjenigen, die im Netz schreiben, überhaupt keinen Anspruch darauf erheben.

VP: Zumindest macht die Aussage der Manifestler, nur „guter“ Journalismus verdiene die Pressefreiheit, die Definition von Journalismus sehr beliebig. Allein in unserer Redaktion gibt es so viele verschiedene Meinungen darüber, was guter Journalismus ist, wie es Redakteure gibt. Es ist natürlich positiv, dass im Internet-Zeitalter journalistische Tätigkeit nicht von teurer technischer Ausstattung abhängig ist (wie etwa im Rundfunk oder bei gedruckten Presseerzeugnissen). Allerdings war der Zugang zum Journalismus auch schon vor der Erfindung des Internets frei. Jeder konnte und kann sich „Journalist“ nennen – egal, ob Amateur oder Profi.

11. Mehr ist mehr – es gibt kein Zuviel an Information.

Es waren einst Institutionen wie die Kirche, die der Macht den Vorrang vor individueller Informiertheit gaben und bei der Erfindung des Buchdrucks vor einer Flut unüberprüfter Information warnten. Auf der anderen Seite standen Pamphletisten, Enzyklopädisten und Journalisten, die bewiesen, dass mehr Informationen zu mehr Freiheit führen – sowohl für den Einzelnen wie auch für die Gesellschaft. Daran hat sich bis heute nichts geändert.

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12. Tradition ist kein Geschäftsmodell.

Mit journalistischen Inhalten lässt sich im Internet Geld verdienen. Dafür gibt es bereits heute viele Beispiele. Das wettbewerbsintensive Internet erfordert aber die Anpassung der Geschäftsmodelle an die Strukturen des Netzes. Niemand sollte versuchen, sich dieser notwendigen Anpassung durch eine Politik des Bestandsschutzes zu entziehen. Journalismus braucht einen offenen Wettstreit um die besten Lösungen der Refinanzierung im Netz und den Mut, in ihre vielfältige Umsetzung zu investieren.

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13. Im Internet wird das Urheberrecht zur Bürgerpflicht.

Das Urheberrecht ist ein zentraler Eckpfeiler der Informationsordnung im Internet. Das Recht der Urheber, über Art und Umfang der Verbreitung ihrer Inhalte zu entscheiden, gilt auch im Netz. Dabei darf das Urheberrecht aber nicht als Hebel missbraucht werden, überholte Distributionsmechanismen abzusichern und sich neuen Vertriebs- und Lizenzmodellen zu verschließen. Eigentum verpflichtet.

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14. Das Internet kennt viele Währungen.

Werbefinanzierte journalistische Online-Angebote tauschen Inhalte gegen Aufmerksamkeit für Werbebotschaften. Die Zeit eines Lesers, Zuschauers oder Zuhörers hat einen Wert. Dieser Zusammenhang gehört seit jeher zu den grundlegenden Finanzierungsprinzipien für Journalismus. Andere journalistisch vertretbare Formen der Refinanzierung wollen entdeckt und erprobt werden.

RC: Schön gesagt. Und welche Schlüsse ziehen wir daraus?

15. Was im Netz ist, bleibt im Netz.

Das Internet hebt den Journalismus auf eine qualitativ neue Ebene. Online müssen Texte, Töne und Bilder nicht mehr flüchtig sein. Sie bleiben abrufbar und werden so zu einem Archiv der Zeitgeschichte. Journalismus muss die Entwicklungen der Information, ihrer Interpretation und den Irrtum mitberücksichtigen, also Fehler zugeben und transparent korrigieren.

AS: Bei dieser These bin ich zwiegespalten. Tatsächlich „vergißt“ das Netz nichts. Wer etwas veröffentlicht und anschließend gelöscht hat, kann nicht sicher sein, ob es tatsächlich weg ist. Irgendwo kann immer noch eine Kopie davon liegen.

Das erfordert, um glaubwürdig zu bleiben,  einen anderen Umgang mit Fehlern als im Printbereich.Ein Fehler in der Zeitung ist weitaus flüchtiger als im Netz.

Dazu kommen die Kommentarfunktionen, wo unter den vielen Beiträgen ab und an Perlen glänzen. Nicht selten weisen Leser die Redakteure auf Fehler oder Fehleinschätzungen hin.  Als weitaus problematischer sehe ich den Umgang der Redakteure mit den guten Kommentaren: Nur sehr sehr selten habe ich bei den Ablegern der großen Printzeitungen erlebt, dass ein Autor in sehr interessante Diskussionen eingestiegen ist oder gar einen Fehler eingestanden hat.

Auf der anderen Seite können Inhalte durchaus verschwinden: Die Informationen liegen verteilt auf  Servern. Das ist zum Einen gut, weil die Kontrolle über das Netz sich nicht in einer Hand konzentriert, zum Anderen können wertvolle Inhalte einfach verschwinden, wenn die Server abgeschaltet werden. Oder wenn andere Dienste abgeschaltet werden. Ich denke da aktuell an den URL-Kürzungsdienst, der wegfällt. Jetzt sind tausende von gekürzten Links völlig ohne Verbindung – so verschwinden auch Informationen. Oder: Was passiert, wenn Twitter zu macht?

HH: Diese These widerspricht ein wenig der These 8. Was wir im Print verlieren, gewinnen wir dann im Netz? Dann ist der Verlust tatsächlich kein Gewinn. Aber das finde ich ja ohnehin gut:-)

passende text-gold-Beiträge:

Auf dem Laufenden bleiben – aktueller Content (Teil 1- 4)

Korrekturen

16. Qualität bleibt die wichtigste Qualität.

Das Internet entlarvt gleichförmige Massenware. Ein Publikum gewinnt auf Dauer nur, wer herausragend, glaubwürdig und besonders ist. Die Ansprüche der Nutzer sind gestiegen. Der Journalismus muss sie erfüllen und seinen oft formulierten Grundsätzen treu bleiben.

RC: Hier beißt sich die Tautologie in den eigenen Schwanz: Wie haben Qualität, Ansprüche, Massenware, Masseninteresse und Refinanzierung miteinander zu tun?

HH @RC: Da wir die Qualität nicht definieren können, können wir auch nicht sagen was es miteinander zu tun hat. Allerdings bestimmt jeder einzelne für sich was Qualität ist. Aus von Mode, Trends… werden einzelne von der Masse getrieben und empfinden das als Qualität, was die Masse so empfindet. Läuft ganz gut bisher, finde ich:-)

17. Alle für alle.

Das Web stellt eine den Massenmedien des 20. Jahrhunderts überlegene Infrastruktur für den gesellschaftlichen Austausch dar: Die “Generation Wikipedia” weiß im Zweifel die Glaubwürdigkeit einer Quelle abzuschätzen, Nachrichten bis zu ihrem Ursprung zu verfolgen und zu recherchieren, zu überprüfen und zu gewichten – für sich oder in der Gruppe. Journalisten mit Standesdünkel und ohne den Willen, diese Fähigkeiten zu respektieren, werden von diesen Nutzern nicht ernst genommen. Zu Recht. Das Internet macht es möglich, direkt mit den Menschen zu kommunizieren, die man einst Leser, Zuhörer oder Zuschauer nannte – und ihr Wissen zu nutzen. Nicht der besserwissende, sondern der kommunizierende und hinterfragende Journalist ist gefragt.

RC: Aha! Alle für alle? Und bitte keine Besserwisser!

VP: Es mag so sein, dass die „Generation Wikipedia“ die Qualität einer Quelle abschätzen kann. Allerdings darf man davon ausgehen, dass es auch Rezipienten gibt, die nicht dieser Generation angehören. Wer also als Journalist im Internet unterwegs ist, sollte zumindest in Erwägung ziehen, dass es auch web-unerfahrene Leser/Zuschauer gibt. Die eigentliche Herausforderung für den Journalismus in der heutigen Zeit ist: Nachrichten nicht nur für seinesgleichen aufzubereiten, sondern auch diejenigen Nutzer ernst zu nehmen, die sich nicht jeden Tag im Internet bewegen.

HH: Nach der Gruppenpsychologie gibt der Publisher automatisch sein Bestes, um sich nicht zu blamieren und andere können immer die Notbremse ziehen. Ist doch super.

ALLGEMEINE STELLUNGNAHMEN

RC: Ich bin skeptisch. Manifeste haben, seit es sie gibt, etwas Ideologisches, weil sie (im vermeintlichen Feindesland) um alles in der Welt ein neues Terrain abstecken wollen und die Pflöcke entsprechen fest einschlagen. Das gilt auch für Teile dieses Internet-Manifests. Zudem habe ich den Eindruck, dass es dort, wo es darauf ankommt, schwächelt: nämlich beim Thema Qualität.

VP: Einige Ansätze der Manifest-Verfasser sind interessant. Die spannendste Frage „Was ist Journalismus heute?“ beantwortet das Manifest aber leider nicht …

HH: Das Manifest ist meiner Meinung nach ein Anfang und hat sehr gute Ansätze, die an der ein oder anderen Stelle noch mal überdacht oder geändert werden sollten.

Revolutioniert das Internet das Schreiben?

Schreiben wird bei Studenten immer wichtiger – das ist ein erstaunliches Ergebnis der „Stanford Study of Writing„. Bisher gab es den Konsens, dass die neuen Medien sich auf die Lese-und Schreibfähigkeit eher negativ auswirken. Nicht wenige Kulturpessimisten prophezeiten den Niedergang des geschriebenen Wortes für die westliche Kultur. Und dann diese Nachricht aus den USA. Für die neue Generation von Studenten nimmt das Schreiben einen größeren Raum in ihrem Leben ein,  weil ihr soziales Leben vermehrt im Netz stattfindet und so auf Text basiert.

Andrea Lunsford, Organisatorin der Studie interpretiert die Ergebnisse dieser Langzeitstudie sehr optimistisch:
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Optimieren Sie Ihre Überschriften für Google – Die Überschrift (4)

Im letzten Teil (Teil 3) der Überschriften-Serie habe ich die beste Tipps zusammengetragen, die den Leser dazu bringen, Ihren Artikel aus den vielen Angeboten herauszupicken, die ihm im Netz entgegenblinken.  Doch die Überschriften müssen nicht nur Anziehungskräfte auf Ihre Leser bewirken, sondern auch auf die Spider und Algorithmen der Suchmaschinen.

GOOGLE – die 5 besten Tipps für SEO-Überschriften

  1. Fassen Sie die wichtigsten Inhalte des Textes in einem Satz zusammen.
  2. Fassen Sie sich kurz – die ideale Überschrift hat kaum mehr als 5 Wörter.  ( Bringen Sie das wichtigste in den ersten 65 Buchstaben unter.
  3. Verwenden Sie die Schüsselwörter Ihres Textes in der Überschrift. Achten Sie auch auf Suchphrasen.
  4. Setzen Sie die Schlüsselwörter an die erste Stelle.
  5. Bleiben Sie konkret und nennen Sie Namen: Setzen Sie Namen von Menschen, Produkten und Orten möglichst vollständig in die Überschrift.  Also „Michael Jackson“ statt „Jacko“.

Teil 1
Teil 2
Teil 3
Teil 4